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Die Gefährtin des Medicus - Recherchereise in die Provence

7. April 2008

Reiseroute

Nachdem der Rucksack gepackt und der erste Anflug einer Erkältung - hoffentlich - erfolgreich bekämpft wurde (verschnupft reist es sich nicht ganz so gut), kann dem Abflug in die Provence nun nichts mehr im Wege stehen.

Für die eine Woche ist viel geplant: Von Montpellier soll es zunächst nach Avignon gehen, in die Stadt der Päpste, und von dort über Arles an die Küste nach Cassis. Wenn das Wetter mitspielt (im Moment wird es für die Region etwas wechselhaft vorhergesagt) steht einer Wanderung an den Calanques nichts im Wege. An der Küste entlang geht es weiter bis nach Saint-Tropez, wo ich mich dann allerdings vorerst vom Meer verabschiede, um im Landesinneren zunächst den Grand Canyon de Vernon und später den Mont Ventoux kennen zu lernen. Zuletzt soll eine Stippvisite ins mittelalterlich Les-Baux-de-Provence folgen und vielleicht - so es denn der Zeitplan zulässt - ein Abstecher in die Camargue.

Ein dicht gedrängtes Programm also. Wenn mich die französischen Hotels mit Wireless LAN versorgen (bei dem letzten Frankreichtrip sah es damit ganz gut aus) werde ich Sie an dieser Stelle selbstverständlich mit Neuigkeiten und vielleicht sogar mit dem ein oder anderen Foto versorgen. Sollte es wider Erwarten doch nicht klappen, gibt es hinterher einen ausführlichen Reisebericht.


09. April 2008

Avignon 

Ich habe also jenen Boden betreten, auf dem sich meine aktuellen Romanhelden tummeln - und auch wenn besagte Helden fiktiv sind, so werden sie am Originalschauplatz gleich viel lebendiger, ja, der ganze Roman scheint hier regelrecht zu "atmen".

Will man sich in mittelalterliche Atmosphäre hineindenken, ist im heutigen Frankreich natürlich vor allem viel Fantasie erfordert: Man muss sich entweder etwas dazu denken (z.B. einstige Mauern auf heutigen Ruinen) oder etwas weg denken (z.B. sämtliche moderne Gebäude). 

Trotzdem ist diese Form der Recherche enorm hilfreich: In Avignon habe ich z.B. erkannt, dass der Weg vom Papstpalast in die Villeneuve viel weiter ist als angenommen und ich meine Heldin nicht einfach hin- und herschicken kann.
 


10. April 2008

Schwindelfrei sollte man schon sein, wenn man die Klippen des Corniche de Crêtes bei Cassis betritt: Vom Strand aus besehen wirken diese sehr malerisch. Von oben aufs Meer blickend, habe ich hingegen weniger an einen Historischen Roman gedacht, als vielmehr an einen Krimi: Da es dort ohne Sicherheitsabsperrung gefühlte hundert Meter in die Tiefe geht, wäre das ein geeigneter Schauplatz für den perfekten - nämlich als Fehltritt getarnten - Mord.

An einer der Calanques, der tief in das Land hineinreichenden Buchten, habe ich später im Kopf eine der ersten Szenen im Fischermilieu durchgespielt - sprich: eigentlich habe ich sie nicht nur im Kopf gehabt, sondern laut vor mich hergemurmelt, was wahrscheinlich einige Touristen ziemlich verwundert haben dürfte ;-)


11. April 2008

St. Tropez

An der Küste entlang - die schönen Île d'Hyères passierend - ging es heute nach St. Tropez. Im Ort der Schönen und Reichen ist von selbigen zu dieser Jahreszeit nicht viel zu sehen. Ich konnte leider nichts zu deren Dichte beitragen: Was den Reichtum anbelangt, ist der bei Schriftstellern ja meistens eher mau bestellt (Ausnahmen wie Rowling und Brown bestätigen Regeln). Und ich fürchte mit reisetauglichem Rucksack und bequemen Sportschuhen ist auch die Erfüllung der hiesigen Gucci&Prada- Schönheitskriterien illusorisch.

Treu meinem Berufsstand war ich darum weniger von den fetten Yachten im Hafen beeindruckt als vielmehr von der Zitadelle, die das einstige Fischerdorf krönt. Diese stammt zwar aus dem 17. Jahrhundert und hat darum mit meinem Mittelalterroman wenig zu tun, doch innerhalb der alten Mauern ließ sich eine Schlüsselszene meines Buchs gut nachfühlen.

Hier die dazu passenden Fotos:


12. April 2008

Moustiers-Sainte-Marie

Angesichts der vielen tollen Reiseeindrücke bin ich sparsam, was den Gebrauch von Superlativen anbelangt. Doch den Ort, den ich heute - nach Grimaud, dem Grand Canyon du Verdon und dem Lac de la Sainte-Croix  - kennen lernen durfte, gehört mit zum Schönsten und Eindruckvollsten, was ich jemals gesehen habe: Moustiers, dessen größter Blickfang - die Kapelle aus dem 11. Jahrhundert - unmittelbar aus der schroffen Felswand ragt.

Auf Recherchereise geht es mir nicht nur darum, möglichst viel Originalschauplätze zu besuchen. Ich will zudem an Stätten, wo das Mittelalter förmlich pulsiert, dessen Geist spüren und solcherart das Denken und Fühlen dieser Epoche besser nachvollziehen. An einem Ort wie Moustiers erkennt man sehr gut das Bedürfnis des mittelalterlichen Menschen, das Göttliche (dessen Existenz damals wohl niemand in Frage gestellt hat) sichtbar werden zu lassen, den großen Creator, der die Welt aus dem Nichts erschaffen hat, also insofern nachzuahmen, als dass man ihm in vermeintlich unwegsamer Gegend ein Zeichen setzt.

Unvorstellbare Mühen muss es gekostet haben, um an dieser Stelle eine Kirche erstehen zu lassen - Mühen, für die die Erbauer wohl nicht zuletzt himmlischen Lohn erwartet haben. Auch wenn man heute den (ohne Steine wohl viel weniger schweißtreibenden) Aufstieg in Angriff nimmt, kriegt man viel zurück: nebst der wunderschönen Aussicht ein überwältigendes Gefühl von Ruhe und Frieden.


13. April 2008

Aurel...

...heißt der männliche Protagonist meines Romans - darüber hinaus aber auch ein Ort in der Provence, nahe des Mont Ventoux. Obwohl die Lavendelfelder zu dieser Jahreszeit noch nicht in Blüte stehen, ist es eine sehr malerische Kulisse. Als ich durch die engen Gässchen von Aurel marschierte, kam ich spontan auf die Idee, meinen Protagonisten aus diesem Ort, den es schon im Mittelalter gegeben hat, stammen zu lassen. Das würde bedeuten, dass auch sein Bruder Emy gleiche Heimat bekäme - und ja: in ihrer "Sanftheit" passt sie zu ihm.

Ansonsten standen heute Digne und Sisteron auf dem Programm - letzteres mit seiner atemberaubenden Zitadelle das Tor zwischen der Provence und der Dauphiné. Von jener Zitadelle führen 238 Stufen unterirdisch in den Ort - einen Weg, den man auch als Besucher nehmen kann. Was ich allerdings nicht wusste (und auch nicht entsprechend angekündigt war): Die Verbindungstür war abgesperrt, sodass es nach den 238 Stufen hinunter ebenso viele wieder nach oben ging. (Es erübrigt wohl hinzuzufügen, dass zwar nicht meine Schriftstellerseele, umso mehr aber meine Beine das Ende der Provence-Reise herbeisehnen.)


14. April 1008

Les Baux-de-Provence

Wie fühlt es sich an, einen engen, feuchten Gang in die Tiefe zu einem Kerker zu steigen? Wie bewegt man sich auf rutschigen, schiefen und ausgetretenen Stufen? Wie stark weht der Wind auf der Spitze eines Burgturms?

All das sind sinnliche Erfahrungen, die ich heute zur Genüge sammeln konnte - auf jenen Burgruinen, die ein eindrucksvolles Zeugnis der mächtigen Grafen von Les Baux geben. Über Jahrhunderte haben diese hier geherrscht - und nicht zuletzt vom guten Ausblick über die Alpilles bis hin zur Camargue profitiert. 

Dieser Ort wird in meinem Roman wohl nicht vorkommen - dennoch war es für künftiges Schreiben sehr anregend, dessen "Genius loci" nachzuempfinden. Auf diese Weise speichere ich Empfindungen im Gedächtnis, um sie irgendwann einmal in einem Manuskript wieder herauf beschwören zu können.


15. April 2008 

Montmajour und Aigues-Mortes

Einen würdigen Abschluss fand meine Provence-Reise heute zunächst mit einem Abstecher zur Abtei Montmajour. Seit dem zehnten Jahrhundert waren hier Benediktiner präsent - in den alten Gemäuern ist bis heute noch viel Atmosphäre eines mittelalterlichen Klosters zu spüren.

Danach ging es durch die Camargue (deren Reiz sich mir nicht wirklich erschloss; ich bin als Österreicherin wohl zu sehr "Bergmensch", um mich von dieser absolut flachen Landschaft begeistern zu lassen) nach Les-Saintes-Maries-de-la-Mer und anschließend - ein absolutes Highlight - nach Aigues-Mortes.

Louis IX. hat hier den ersten Mittelmeerhafen Frankreichs errichtet - doch schon bald nach dessen Gründung ist dieser versandet und konnte nicht mehr genutzt werden. Eine Wanderung auf den mittelalterlichen Stadtmauern mit vielen - kleinen und großen - Türmen war mein letzter großer Fußmarsch ehe die Fahrt zum Flughafen anstand.


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