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Die Gefährtin des Medicus - "Making-of"

Mit der mittelalterlichen Chirurgie habe ich mich erstmals ausführlich befasst, als ich an meinem Roman 'Die Chronistin' geschrieben habe. Schon damals beeindruckten mich - trotz aller Unzulänglichkeiten und Lücken - der Einfallsreichtum der mittelalterlichen Ärzteschaft, ihre Experimentierfreudigkeit, ihr Wissen und ihr Mut. 

Das Thema hat mich nicht wieder losgelassen, und als ich mich entschieden habe, eine Art Fortsetzung zur 'Tochter des Ketzers' zu schreiben, nämlich die Geschichte eines Nachfahren der dortigen Protagonisten Ray und Caterina, war für mich rasch klar, dass ich meiner Faszination für Medizin Rechnung tragen und einen mittelalterlichen Chirurgen zum männlichen Hauptprotagonisten machen wollte.

Die nun noch intensivere Beschäftigung bestätigte ersten Eindruck: manche Methoden mögen martialisch wirken - primitive Schlächter aber waren mittelalterliche Chirurgen keineswegs. Insbesondere das Studium der  Schriften von Henri Mondeville - einem Zeitgenossen meines fiktiven Aurel Autard - führte zu vielen Aha!-Momenten. 

Was mich besonders beeindruckt hat ist, die antiseptische Wundbehandlung, zu der Henri de Mondeville in der Tradition berühmter Ärzte von Salerno und Bologna rät: zur unbedingten Vermeidung von Eiter also. Was heute nämlich selbstverständlich scheint - eine Wunde sauber zu halten, damit sie sich nicht entzündet - war damals neu und revolutionär. Bedenkt man, dass noch im 19. Jahrhundert Ärzte nach Sektionen mit ungewaschenen Händen in den Kreißsaal gingen und die dort Gebärenden mit dem schrecklichen Kindbettfieber infizierten, erscheint es nicht "mittelalterlich", sondern vielmehr "modern", wenn Mondeville insistiert, dass nicht nur Wunden mit Alkohol zu behandeln, sondern die chirurgischen Instrumente mit selbigem zu reinigen sind.

Obwohl ein zentrales Thema war die mittelalterliche Chirurgie nicht das einzige Gebiet, mit dem ich mit intensiv beschäftigte. Recherchen zur Provence und zum Königreich Mallorca im Spätmittelalter standen ebenso auf dem Programm wie zum  Papsttum in Avignon. Das bedeutete für mich nicht nur, Bücher zu wälzen, sondern wie schon bei früheren Romanen möglichst viele Originalschauplätze aufzusuchen - was angesichts ihrer Lage am Mittelmeer sicher zum schönsten (und erholsamsten) Teil der Arbeit zählte. 

An dieser Stelle sei noch einmal auf meine Blogeinträge verwiesen, die aus diesen Wochen stammen und zahlreiche Fotos beinhalten:

Recherchereise in die Provence (8.-15. April 2008)
Recherchereise nach Mallorca (3.-12. Juni 2008)


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