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In
den folgenden zwei, drei Wochen entstand damals eine etwa 50seitige
Novelle über den Maler Samuel Alt, dessen Leben aus der Perspektive der
ihm treu ergebenen Lena beschrieben wird – einer einfache Magd, die dem
ausnehmend schönen Künstler verfällt und ihn am Ende erlöst. Über
viele Jahre blieb diese Geschichte in der Schublade liegen, wenngleich ich
sie nie ganz vergaß. Im Laufe meines Theologie-, Philosophie und
Geschichtsstudium beschäftigte ich mich mit vielen Themen, die sie
indirekt bereichern würden. Obwohl ich nicht daran schrieb, wuchs der
Roman in meinem Kopf weiter: Er bekam biblische Züge, freilich in
pervertierter Form (nicht zuletzt um der Heilsgeschichte Christi die
Unheilsgeschichte des Samuel Alt gegenüber zu stellen). Auch wurde er
zunehmend politischer (so ist die Kunst in meinem Buch letztlich kein
eigenständiges Thema mehr geblieben, sondern mehr und mehr ein Vehikel
geworden, um die Gefahren der zunehmenden Ideologisierung einer zu Beginn
noch harmlosen Gemeinschaft zu beschreiben). Schließlich entschied ich
mich dafür, die Geschichte im 19. Jahrhundert anzusiedeln und begann
intensiv über diese Zeit zu recherchieren. Eine
neue Version entstand, die ich mehrmals umgeschrieben habe. Figuren, die
in der Urfassung fehlten – so z.B. Simon Grothusen – spielten eine
zunehmend tragendere Rolle und „reiften“ von Fassung zu Fassung. Als
ich nach Frankfurt übersiedelte lernte ich die Künstlerkolonie Kronberg
(im Roman Cronberg) kennen – und war von diesem kleinen Taunusstädtchen
so beeindruckt, dass ich gleich mehrere Kapiteln des Romans dort
ansiedelte. Anders
als bei den folgenden Büchern, bei denen ich mehr Routine und Erfahrung
mitbrachte, war das Verfassen von "Engelsblut" ein jahrelanger Prozess, in
dessen Verlauf ich mehr als nur einmal das Konzept umgestoßen, viele
Szenen des öfteren geschrieben, manchen Protagonisten neu erfunden und dann
wieder verworfen habe. Die Arbeit hat sich gelohnt: Im April 2004 war
das Manuskript fertig und schon wenige Monate später bekam ich vom
btb-Verlag ein Vertragsangebot.
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