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Die Saga, die täglich wächst, ist mein erstes Buch, das nicht unter meinem richtigen Namen, sondern unter einem Pseudonym erscheinen wird - eine Vorgehensweise, die ich von Anfang befürwortet habe, ist sie doch aufgrund meines großen Outputs an Büchern strategisch sinnvoll. Wenn ich davon erzähle, werde ich allerdings oft gefragt, ob mich das nicht doch insgeheim stören würde und ob ich diesen Roman ganz und gar als "mein" Buch betrachten könnte. Nun weiß ich natürlich nicht, wie es mir dereinst ergehen wird, wenn das Buch in den Läden liegt. Aber im Moment kenne ich solche Vorbehalte überhaupt nicht. Zwar waren mir zwei Aspekte sehr wichtig: Dass es einen persönlichen, in diesem Fall familiären Bezug zu dem gewählten Pseudonym-Namen gibt. Und dass es ein "offenes Pseudonym ist, also weder eine neue Biographie erfunden wird oder von mir als Julia Kröhn strikte Geheimhaltung gefordert ist. Darüber hinaus macht aber nicht der Name aus einem Buch "mein" Buch, sondern der Inhalt. Die weitaus größere Selbstverleugnung wäre es, wenn ich als Julia Kröhn ein Buch schreiben müsste, hinter dem ich nicht voll und ganz stehen könnte.
In corpore sanem Die meisten meiner Protagonistinnen gehörten bislang der gesellschaftlichen Elite an: Bathildis aus der "Regentin" oder Judith aus dem "Geständnis der Amme" sind Königinnen. Sophia hat als "Chronistin" das Scriptorium als ihren Arbeitsplatz erwählt, und Caterina ist nicht nur die "Tochter des Ketzers", sondern auch Grafenkind. Ganz anders verhält es nun bei meiner Saga, wo meine Protagonisten körperliche Arbeit nicht an Dienstboten delegieren, sondern gemäß dem biblischen Motto leben: Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot verdienen! Das stellt
die Recherche vor ganz neuen Herausforderungen. Denn wie lässt sich in
solch eine Arbeitsroutine hineinfühlen, wo diese doch so gut wie gar
nichts mit meinem ausschließlich im bequemen Sitzen ausgeführten
Broterwerb zu tun hat? Also müssen zwei andere Maßnahmen her, um dem Lebensgefühl meiner Romanhelden zumindest halbstundenweise nahezu kommen: - Maßnahme Nr. 1: Es wird im Haushalt Kröhn nun etwas mehr und etwas aufwändiger gekocht als früher. Dieses manuelle vor sich hin Kneten, Schnipseln, Mahlen, Schälen, Hacken hat was sehr Meditatives, und dass auf diese Weise sämtliche Lieblingsgerichte auf den Tisch kommen ist ein angenehmer Nebeneffekt. - Maßnahme Nr. 2: Die an sich träge Autorin hat den Outdoor-Sport wieder für sich entdeckt und geht seit über einem Monat regelmäßig Joggen - bei Wind und Wetter, wobei der Wind in diesen Tagen meist äußerst kalt ist und das Wetter äußerst regnerisch. Wenn das Herbstlaub unter den Füßen raschelt und manchmal auch ins Gesicht klatscht (jenes natürlich schweißnass, denn siehe oben: Im Schweiße deines Angesichts....usw.), verspricht das nicht nur das nötige Natur-pur-Feeling, sondern immerhin auch, dass sich der Schriftstellergeist in einem etwas gesünderen und fitteren Körper als noch vor einiger Zeit wiederfindet.
Buchmesse, die zweite Der letzte
Blogeintrag war eine Vorschau, dieser hier nun soll dem Rückblick
gewidmet sein: auf die Frankfurt Buchmesse nämlich, die bei mir offenbar
zu akuter Amnesie führt. Jedes Jahr vergesse ich wieder, wie unglaublich
anstrengend das Gedränge dort sein kann, wie lange es u.U. von A nach B
braucht und wie einschüchternd die Massen an bedrucktem Papier sind, die
einem von allen Seiten entgegenknallen. Das, wofür man lebt und arbeitet
und jede Menge Herzblut opfert, scheint ein nur winziger Teil des Ganzen
zu sein - so, wie das berühmte Sandkorn am Meeresstrand. Natürlich aber auch Zeit, um stolz zu sein. In diesen Tagen dachte ich an mein "Erstes Mal" zurück, da ich die Buchmesse besuchte: 1997 war das und der Trip nach Frankfurt, das damals noch lange nicht mein Lebensmittelpunkt, sondern eine fremde Stadt war, gleichbedeutend mit einer aufregenden Weltreise. Schon damals war mein Traumberuf "Autorin". Doch dass ich ein gutes Jahrzehnt später für drei namhafte Verlage arbeiten würde, lag noch weit außerhalb meines Vorstellungsvermögens. Die Highlights dieser Buchmesse waren für mich die vielen Treffen mit Verlagsmitarbeitern und Lektorinnen, Autorenkollegen und meinem Agenten. An dieser Stelle noch eine Kurzusammenfassung der wichtigsten News: - Meine Saga für Droemer-Knaur, die übrigens auch dieser Tage wieder gute Fortschritte machte, braucht einen neuen Titel. Damit habe ich insgeheim schon gerechnet - sonderlich leichter macht das die Sache freilich nicht. Manchmal ist der perfekte Titel einfach auf Anhieb da, manchmal sinniert man Ewigkeiten darüber. Dieser hier wird meinen Kopf sicherlich noch zum Rauchen bringen... - Mein erstes Kinderbuch wird wohl doch nicht 2009, sondern erst 2010 bei Carlsen erscheinen; die ersten drei Bände sollen dann aber im relativ knappen Zeitabstand hintereinander kommen. Wenn es der besseren Marktpräsenz dient, soll mir das recht sein. Und wenn man als Autor etwas lernt bzw. lernen muss, so ist das wohl das Warten... - Auf der Front meiner Mittelalterromane bei btb tut sich auch was. Ein neues Buchprojekt wurde angedacht und wird in den nächsten Wochen in Exposé-Form zu bringen sein - etwas, auf das ich mich sehr freue, zumal ich mit dieser Idee nun schon seit Jahren schwanger gehe. Kurz und gut: Langweilig wird's auch in der Zeit nach dem "Terminhopping" nicht.
Buchmesse Die Schriftstellerei ist ein ziemlich einsamer Job: Mit den wenigen Leuten, mit denen man eng zusammenarbeitet (Agenten, Lektoren, Testleser), verkehrt man oft nur per Email oder Telefon. Schön also, dass es regelmäßig die Frankfurter Buchmesse gibt, wo es ausführlich Gelegenheit zu Face-to-Face-Terminen gibt. Als ich
seinerzeit noch unveröffentlicht und terminlos durch die Heiligen Hallen
gepilgert bin, hat dieses "Ich habe ja sooo viele Termine" von erfahrenen Kollegen
immer
jede Menge Respekt, Neid und Bewunderung bei mir ausgelöst. Autoren-Mantras wie
"Die Messe ist so furchtbar stressig!" oder "Mir tun die
Füße weh, weil ich so lange an 'meinem' Stand ausgeharrt habe!' sind
nicht zuletzt Synonyme für: "Ich bin ganz dicke im Geschäft." Aber im Ernst: Ich freue mich sehr darauf, bekannte Gesichter zu sehen und den noch gesichtslosen Namen künftig selbige zuordnen zu können.
Belohnungen Als Autorin
gehöre ich zu den dummen Hunden. 1. Ich spiele, nach Erreichen der vorgegebenen Wortzahl, eine Runde Spider Solitär. Das entspannt ungemein und verlangt - anders als das normale Solitär - eine gewisse Portion Grips (zumindest rede ich mir das ein). 2. Ich gönne mir eine Tasse Kaffee oder einen Obstteller. (Erstaunlicherweise finden die Schokoladenexzesse immer nur jenseits der Schreibzeiten statt). 3. Ich gucke DVDs meiner Lieblingsserien auf Englisch oder Französisch, weil ich mir einbilde, mich auf dieser Weise nicht nur der schnöden Unterhaltung hinzugeben, sondern das Sprachzentrum im Gehirn anzuregen - was vielleicht der Formulierkunst zugute kommt. Mit diesen
Aussichten wird es quasi zum Pawlowschen Reflex gleich nach Aufwachen zum
Laptop zu greifen und in die Tasten zu hauen. Und wenn ich dann munter vor
mich hinschreibe, dann geschieht das weniger, weil mich die Muse küsste
und ich dem Schaffensrausch verfalle, sondern schlichtweg, damit ich
endlich mein Frühstück kriege ;-) TÜV Es gibt diverse Rankings über die ungewöhnlichsten Orte, an denen Menschen einander Heiratsanträge machen, Sex haben oder ihren Jahresurlaub verbringen. Was diese Kategorien anbelangt, bin ich wohl zu bequem und konventionell, um ganz vorne mitmischen zu können. Wenn es aber um ungewöhnliche Orte geht, wo Autoren ihre Bücher schreiben, so schaffe ich es sicher in die Top Ten. Bislang hätte ich mich diesbezüglich mit der Schreibpause auf der Autobahn beworben, als ich mal für eine Stunde im Stau steckte. Seit gestern hätte ich aber noch einen besseren Vorschlag im Angebot: Mein Auto musste nämlich zum TÜV, und als ich nach der Hauptuntersuchung für die nun folgende Abgasuntersuchung in einer ziemlich langen Autoreihe anstehen musste, habe ich kurzerhand den Laptop gezückt und drei Szenen konzipiert (darunter eine Schlüsselszene des Liebespaares). Der Grund: Es gab keinen Kaffeeautomaten in der Nähe und die Werkstattatmosphäre wirkte wenig belebend. So musste ich mich eben selber munter halten bzw. inspirieren. Und erstaunlicher Weise gilt bei mir: Je grauer und träger der Backround, desto bunter und reger die Fantasie. Der Schreibprozess wurde freilich alsbald unterbrochen, als einer der blau bemäntelten Männer an die Windschutzscheibe klopfte und meinen Erste-Hilfe-Koffer überprüfen wollte. Dabei stellte sich heraus, dass die dort aufbewahrten Mullbinden schon 1997 abgelaufen sind. Auf die Ausrede, dass ich als Autorin von Historischen Romanen einen gewissen Spleen für alles Alte habe, habe ich lieber verzichtet. Die Lehre aus der Geschicht': Einen neuen Erste-Hilfe-Koffer kaufen, aber "alte" Geschichten auch weiterhin schreiben, notfalls auch an ungewöhnlichen Orten. Letztere haben nämlich kein Ablaufdatum.
Recherchephänomene Wenn man mit einer Romanidee schwanger geht, kommt es schon mal vor, dass die Phantasie drauf los galoppiert und man mit gründlicher Recherche kaum nach kommt. Manch Szene kommt einem dann in den Sinn und nimmt Konturen an, noch bevor geprüft worden ist, ob das historisch überhaupt korrekt ist. Nun gibt es aber ein erstaunliches Phänomen, das Autoren vor unnützen Auswüschen ihrer Kreativität feit. Auch andere Autoren habe ich schon mal darüber berichten gehört; unter anderem widerfuhr Isabel Allende dieses Phänomen, als sie an ihrem Romen "Von Liebe und Schatten" arbeitete: Dass nämlich eine Beschreibung, die zunächst ausschließlich ihrer Phantasie zu entspringen schien, kurze Zeit später von einer Zeitzeugin bestätigt wurde. Auch ich habe schon schier unglaubliche Geschichten plötzlich von einer Quelle untermauert sehen, deren Existenz ich kaum zu erhoffen wagte. Purer Zufall? Oder das kollektive Unterbewusstsein der Menschheitsgeschichte, das man als Autor anzapft? Ohne jetzt Gehirnforschung oder Esoterik überstrapazieren zu wollen - praktisch ist das allemal.
Recreatio Ereignisreiche Tage - geprägt vom großen Montségur-Autorentreffen, diversen beruflichen Terminen und Fortschritten im Manuskript - liegen hinter mir, und noch immer ist die Zeit zum "Luftschnappen" eher rar gesät. Obwohl ein gewisses Maß an Stress auch Antrieb sein kann, ist das kein Zustand, den ich kreativ Schaffenden langfristig raten würde. Nun stehe ich zwar unbestritten im Verdacht, ein "workaholic" zu sein - jedoch mit einer kleinen Einschränkung: So schwer es mir fällt, längere Pausen einzulegen, bei den kurzen Recreations-Phasen bin ich Profi. Wenn nicht gerade ein Terminhopping ansteht wie kürzlich, halte ich mich an eine klare Regel: Nämlich zwar jeden Tag zu arbeiten, aber eben nicht den ganzen Tag. Ich glaube, dass in unserer Gesellschaft eine unheilvolle Verwechslung zwischen Qualität und Quantität von Arbeit stattfindet: Wer zwölf Stunden täglich (Achtung: Ösi-Ausdruck!) "durchhackelt" und das mindestens sechs Tage pro Woche, gilt gemeinhin als tüchtiger Mensch; wer unter dieses Pensum fällt, gerne mal als faul. In meinen Augen eine Klassifizierung, die für jeden kreativen Menschen Gift bedeutet. Schaffenskraft braucht Müßiggang! Hochkonzentriertes Arbeiten verlangt regelmäßiges "Gehirnabschalten"! Dem Schreibflow folgt am besten radikale Entschleunigung! Nicht nur frommen, sondern auch künstlerisch aktiven Menschen lege ich darum ein Zitat des Heiligen Franz von Sales nahe: "Gib dir jeden Tag eine Stunde Zeit zur Stille - außer wenn du viel zu tun hast: Dann gib dir zwei."
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