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Titelsuche In diesen Tagen steht nicht nur die Überarbeitung der Saga an, sondern auch die Suche nach einem geeigneten Titel für das Werk - der Arbeitstitel war nämlich nur eine vorübergehende Notlösung. Autoren sind ja gemeinhin kreative Leute - doch wenn es um den Romantitel geht, habe ich schon manchen Kollegen verzweifelt zum großen Brainstorming aufrufen gehört. Im Optimalfall fällt einem der Titel gleichzeitig mit der Idee ein (so geschehen z.B. bei meiner "Chronistin"). Im schlimmsten Fall ist das Buch längst fertig - und immer noch "ungetauft". Je intensiver man nachdenkt - desto lahmer das Autorenhirn und entsprechend banal die Ideen. Meist hilft nur, auf die spontane Eingebung in unmöglichsten Situationen zu hoffen - das Risiko inklusive, dass das Produkt eines solchen Geistesblitzes beim Verlag womöglich keine Gnade findet. Im Falle der Saga besteht wenigstens kein Zeitdruck, sodass in den folgenden Wochen meine Vorschlagsliste noch in Ruhe wachsen kann...
Schullesung Heute habe ich am Ramsauergymnasium in Linz drei Schulstunden zum Thema "Wie schreibt man einen Historischen Roman?" gestaltet. Nach dem Autorenvortrag inklusive der Lesung einiger Textpassage folgte eine Art Workshop, in dem die Schüler selbst den Plot eines Historischen Romans konzipieren und einen möglichen Titel festlegen sollten. Die Wahl der Epoche, der Protagonisten und des Untergenres (ob nun Historischer Abenteuer-, Liebes-, Kriminalroman etc.) stand ihnen dabei völlig frei. Die sehr
vielfältigen Ergebnisse haben mich äußerst positiv überrascht -
bewiesen sie doch große Kreativität der 6.- und 7.-Klässler.
Gebrochene Helden Wer Unterhaltungsliteratur schreibt, stößt auf Vorgaben, die einzuhalten für den Erfolg eines Buchs unerlässlich scheinen. In Schreibratgebern sind sie ebenso nachzulesen wie in diversen Autorenforen, und gewiss sind viele dieser "Go's" und "No-Go's" hinsichtlich Figurenzeichnung, Spannungsaufbau oder sprachlicher Finesse nicht nur klug, sondern auch unverzichtbar. Mit einer - scheinbar zwingenden - Regel habe ich mich persönlich jedoch nie anfreunden können: Wenn nämlich die - sowohl körperliche als auch moralische - Unversehrtheit des Helden eingefordert wird. Manch Ecke und Kante (bei männlichen Protagonisten dürfen es meist ein paar mehr sein als bei weiblichen) mag demnach geduldet sein - nicht jedoch, wenn die Hauptfigur als Beinamputierter durch die Szenerie humpelt oder, was sogar noch schwerer wiegt, zu arrogant, zu eitel, zu geizig, zu habgierig, zu egoistisch etc. Was diese Todsünden anbelangt scheint selbst die katholische Kirche versöhnungsbereiter als ein Publikum, das sich nach Feierabend vor allem eins wünscht: eine - sittlich und optisch - tadellose Identifikationsfigur, die zum Träumen animiert (natürlich von einer guten, heilen Welt) und keine akute Depression heraufbeschwört. In der amerikanischen Unterhaltungsindustrie nehme ich diesbezüglich jedoch schon seit Jahren einen Paradigmenwechsel wahr. Nicht nur, dass selbst James Bond nicht mehr gepflegt Martini schlürft (ob nun geschüttelt oder gerührt), sondern sich den Schädel mit irgendeinem Zeugs volldröhnt, um danach zwar körperlich immer noch behände, aber psychisch ziemlich angeschlagen durch Szenerien aus dem Luxusreisekatalog zu stolpern, die er im Weltschmerz gar nicht erst wahrnimmt. Vor allem aktuelle US-Fernsehserien (von denen man im übrigen dramaturgisch enorm viel lernen kann) setzen beharrlich auf ambivalente, facettenreiche "Typen", denen stets etwas Kaputtes anhaftet. Doctor House aus der gleichnamigen Serie ist sicher bekanntestes Beispiel dafür, wie man aus einem tablettenabhängigen Misanthropen einen Publikumsliebling macht. Aber auch in weichgespülteren Ärzteformaten wie Grey's Anatomy straucheln die Protagonisten durch ihr Berufs- und Privatleben, sind auch mal fies und zickig, egoistisch und rachsüchtig, machen Fehler und scheitern. Die meisten Ermittler in Krimiserien haben desgleichen einen Knacks (ob in CSI, Criminal Minds oder Dexter - letzterer überhaupt gleich ein Psychopath, der Mörder nicht nur jagt, sondern auch aufschlitzt). Und in Californication - der männlichen (und härteren) Variante von Sex and the City - säuft, kokst und kotzt David Duchovny als Schriftsteller Hank Moody regelmäßig gegen seine Schreibblockaden an. Letztere
mögen bitte nicht auf mich überschwappen und natürlich lassen sich
Trends im Fernsehen nicht eins zu eins auf den Buchmarkt übertragen.
Dennoch sehe ich diese erfolgreichen Versuche, beste Unterhaltung
auch fernab des "Heile-Welt "- oder "Larger-than-Life"-Prinzips
zu stricken, als sehr ermutigend. Schreibstopp Nicht nur aufgrund diverser "brotberuflicher" Termine in dieser Woche habe ich das Schreiben vorerst eingestellt. Nachdem die erste Hälfte der Saga steht (zumindest in der Rohfassung) und auch der Plot für die zweite Hälfte abgeschlossen ist, habe ich beschlossen, in diesem Jahr keine neuen Texte mehr zu produzieren, sondern nur mehr vorhandene zu "schleifen". Neben der Saga nehme ich mir auch den Provence-Roman noch einmal von: Nach Feedback des Testlesers und mehreren Monaten Pause, hat in diesen Tagen sozusagen die "letzte Runde" begonnen. Ich werde das ein oder andere einarbeiten und korrigieren - dann wandert das Manuskript endgültig ins Lektorat. Dieser letzte Besuch bei meinen Protagonisten stimmt mich äußerst nostalgisch: Nach anfänglichem Fremdeln setzte rasch alte Vertrautheit wieder ein - und insbesondere Erinnerungen an die schönen Recherchereisen. Im trüben, grauen Frankfurter November erwacht die Sehnsucht nach der Provence und nach Mallorca ziemlich heftig...
Der glücklichste Moment Wenn ich dieser Tage von Freunden und Kollegen für das Erscheinen meines "Neuen" beglückwünscht werde, bekomme ich oft zu hören, dass dies nun doch die Krönung, das absolute Highlight meiner Arbeit sein müsste. Ich leugne es nicht: Es ist in der Tat immer noch ein schönes Gefühl, den eigenen Roman in der Buchhandlung zu sehen, sich vorzustellen, wie fremde Menschen danach greifen, ihn lesen, von der Geschichte berührt werden. Dennoch: Der schönste und glücklichste Moment meiner Arbeit ist das nicht. Das I-Tüpfelchen vielleicht, das berühmte Salz in der Suppe - aber nicht eigentlicher Ansporn, wenn es darum geht, nach Vollendung eines Manuskriptes das nächste anzufangen. Das sind vielmehr andere, weniger öffentlichkeitswirksame Augenblicke, von denen oft niemand erfährt, weil ich sie für mich behalte. Eine Hierarchie selbiger erstellen kann ich nicht - dazu sind sie zu gleichwertig -, zumindest aber versuchen, sie mal aufzulisten: Der erste
Tropfen Herzblut Der erste
Atemzug des Protagonisten Der
Schreibrausch Die
Lektüre von Lieblingsszenen
Das Geständnis der Amme
Paralleluniversum Ende November werde ich an einem Linzer Gymnasium zwei Schulklassen Einblick in meine Arbeit als Autorin geben. In diesen Tagen bin ich darum - nebst Abarbeiten vom üblichen Tagespensum - hauptsächlich damit beschäftigt, Vortrag und Lesung vorzubereiten. Viele Leute verbinden mit meinem Beruf vor allem eines: das Schreiben. Doch auf dem Weg von der ersten Idee zum fertigen Buch, den ich gerade skizziere, ist dieses Schreiben zwar hauptsächlicher, aber bei weitem nicht ausschließlicher Teil des Arbeitsprozesses. Darüber hinaus steht viel Lesen an (von Rechercheliteratur), viel Reisen (an Originalschauplätzen) - jedoch auch viele Entscheidungen. Welches "Genre im Genre" wählt man (wird es z.B. ein Historischer Liebes-, Abenteuer- oder Kriminalroman)? Über welchen Zeitabschnitt wird man seine Protagonisten begleiten (nur mehrere Wochen oder gar mehrere Generationen lang)? In welcher Epoche siedelt man die Geschichte an? Berichtet man über rein fiktive oder historisch belegte Protagonisten? Welche Erzählperspektive wählt man, welchen Romanaufbau, und schließlich: welcher Umfang wird angepeilt? All diese Entscheidungen treffe ich nicht am Schreibtisch. Es sind vielmehr Fragen, mit denen ich wochen-, monate-, manchmal sogar jahrelang schwanger gehe. Einen Berufsautor würde ich darum gar nicht mal unbedingt als "schreibenden Menschen" bezeichnen, sondern vielmehr als einen, der ständig in einem Paralleluniversum lebt.
Von Autoren und Läufern Dieser Tage, da ich regelmäßig meine Jogging-Runden im Wald drehe, fallen mir viele Gemeinsamkeiten zwischen Sport und Kunst auf. Die Lebens- und Ausdrucksweise ist eine andere (ich kann ein Lied davon singen :-), aber das, was von einem Schriftsteller gefordert wird, ist oft gleiches, was auch ein Leistungssportler mitzubringen hat. 1. Ausdauer Für einen sportlichen Wettkampf trainiert man nicht drei, vier Tage und dann ist es gut, sondern monate-, jahrelang, immer wieder. Auch Bücher schreiben ist kein Schnellschuss. Wer hier auf rasche Ergebnisse hofft und wem der lange Atem fehlt, ist fehl am Platz. Was man sich also von Beginn an aneignen bzw. antrainieren muss: eine möglichst gute Kondition. Und auch damit ist es in drei, vier Tagen nicht getan. Neben Talent bedarf es darum vor allem einer Sache: Routine! 2. Vor dem Spiel ist nach dem Spiel Ich kenne keinen Autor, der sich nach einem erfolgreich veröffentlichten Buch zurücklehnt und sagt: So, das war's, ich hab's allen gezeigt, jetzt mache ich etwas anderes. Wer erst mal Blut geleckt hat, will vielmehr immer mehr: den noch größeren Verlag, die noch besseren Verkaufszahlen und natürlich das noch bessere Buch. Sich mit Gewesenem zufrieden geben, sich auf Lorbeeren ausruhen? Das ist wohl auch dem Sportler fremd, der den eigenen Level mindestens halten, am liebsten aber noch verbessern möchte. Der einzige Unterschied ist hier, dass der Geist ein etwas längeres Haltbarkeitsdatum hat als der Körper: Es gibt 70Jährige Autoren, die erst dann ihre besten Bücher schreiben, aber keine 70jährigen Olympiasieger. 3. Disziplin Es gibt
unterschiedliche Methoden, sich jeden Tag aufs Neue an den Laptop zu
zwingen - die ein oder andere habe ich hier bereits geschildert. Ähnlich
schwer ist es oft, ich zum Training aufzuraffen. Selbstverständlich:
Manchmal ist weder das eine noch das andere Überwindung, bringt vielmehr
Spaß und den "Kick" für den Tag. Aber: Wer Profiautor oder
Profisportler ist muss sich auch dann aufraffen, wenn es schwer fällt,
wenn man mal keine Lust hat, wenn - je nachdem - Hirn oder Beine zu lahmen
scheinen.
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