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Blogeinträge Mai 2008

31. Mai 2008

Fertig...

...bin ich so ziemlich mit meinen Nerven, mit meinen Kräften - und mit der Rohfassung des Provence-Romans.

Eine anstrengende Woche liegt hinter mir, denn neben dem verdoppelten Tagespensum standen mehrere Fahrten nach Köln bzw. dortige Produktionen für Pro7 und N24 auf dem Programm. Im Moment macht sich darum weniger Euphorie, als vielmehr Erschöpfung breit, und auf der bevorstehende Reise nach Mallorca werden die ersten Tage weniger im Zeichen von  Recherchetouren stehen als vielmehr der Entspannung gewidmet sein.

Auf mehr als 177.000 Wörtern (etwas mehr als 600 Buchseiten) hat es das Manuskript gebracht und wird bei der Überarbeitung sicher noch an der ein oder anderen Stelle zulegen - dort nämlich, wo  Recherchen nachzutragen sind und ich in der Schreibphase nur drei Fragezeichen hinterlasse. Gerade in den Mallorca-Kapiteln klaffen viele solcher Löcher. 

Darüber, wie sie zu füllen sind, will ich im Moment jedoch nicht nachdenken, sondern mich lieber darüber freuen, dass nach sehr schreibintensiven vier Monaten (plus vorangegangener Recherche- und Plotphase) ein "vorläufiges Endergebnis" vorzuweisen ist.


27. Mai 2008

Delphine und andere Dummheiten

Am päpstlichen Hof zu Avignon wurden zu besonders feierlichen Anlässen auch schon mal Delphine verspeist - nebst Lachs und Stör eine Delikatesse, die nur den sehr Reichen und sehr Mächtigen vorbehalten blieb. Als meine Heldin Alais erstmals davon hört, weiß sie nicht, was Delphine überhaupt sind. Die Erklärung, die sie prompt bekommt: Natürlich, dass es Fische wären.

Heute weiß jedes kleine Kind, dass Delphine mit letzteren nur optische Gemeinsamkeiten haben, in Wahrheit aber der Gattung der Säugetiere angehören. Wenn man seine mittelalterlichen Protagonisten freilich über dergleichen sprechen lässt, muss man sich als Autor schon mal dumm stellen. Man muss Wissen leugnen und den handelnden Personen bewusst Sätze in den Mund legen, die heute in erster Linie von sträflich vernachlässigter Bildung künden würden - damals aber Selbstverständlichkeiten waren. Gleiches gilt z.B. auch für die Erklärung, wie Kinder erzeugt werden - im Mittelalter kursierten darüber diverse recht abenteuerliche Vorstellungen - oder wie sich Sonne und Erde zueinander verhalten.

Sich in die Mentalität damaliger Menschen hineinzufühlen, ist vor allem dann schwierig, wenn es um mehr als nur naturwissenschaftliche Fragen geht - wenn nämlich die "political correctness" auf dem Spiel steht. Wenn Alais Juden oder Heiden begegnet, so sind diese in ihrem Weltbild zunächst verachtenswerte Gottesmörder und Heiden - Menschen unterster Kategorie, denen man am besten aus dem Weg geht. Religiöse Toleranz mag zwar keine Erfindung der Neuzeit sein - der mittelalterliche Durchschnittsbürger ist wohl aber mit Hetzreden häufiger konfrontiert worden als mit zaghaften Überlegungen hinsichtlich einer unantastbaren Würde des einzelnen.

Es ist ein schmaler Grad, auf dem man als Autor balanciert, will man zum einen der Epoche des Romans gerecht werden, zum anderen aber manch Aussagen vermeiden, die den eigenen Grundüberzeugungen und Werten völlig zuwider gehen. Bei der Suche nach dem Kompromiss hilft vor allem auch eins: Die Hoffnung auf verständige Leser, die zweiteres nicht mit ersterem verwechseln.


25. Mai 2008

Filmepos

Zwecks Vorbereitung neuer Pro7-Filmtipps, deren Produktion kommende Woche ansteht, habe ich gestern das Filmepos "Der mit dem Wolf tanzt" gesehen. 

Ganz abgesehen davon, dass die Szene, als der Wolf erschossen wird, eine Tierliebhaberin wie mich zu Tränen rührt, habe ich daraus vor allem eins  gezogen: Die Gewissheit, dass es nicht zwangsläufig permanenter Action, zig Handlungsstränge und einer unüberschaubaren Menge Protagonisten bedarf, um eine "große" Geschichte zu erzählen.

Der Film dauert an die vier Stunden; den Inhalt könnte man auf wenige Sätze runterbrechen; fast ausschließlich wird aus der Perspektive des Hauptprotagonisten erzählt und auch das übrige Personal ist relativ überschaubar - und dennoch ergibt sich, nicht zuletzt aus stimmungsvollen Einstellungen, eine großartige Sogwirkung. 

Manchmal kann weniger auch sehr viel mehr bedeuten.


22. Mai 2008

Fürsorgliche Männer

Weißbüschelaffenmännchen, das las ich gestern in einem Zeitungsartikel, sind aufgesprochene Vorzeigeväter. Wird ein Junges geboren, so gibt die Mutter die Milch - doch den Rest erledigt ausschließlich der Vater: Er schützt, pflegt, wärmt das Junge, und sobald es abgestillt ist, füttert er es auch. Die Evolution hat ihn auf diese Rolle entsprechend abgerichtet: Schon während der Schwangerschaft umnebelt ihn das Weibchen mit speziellen Duftstoffen - woraufhin in seinem Hirn prompt der Schalter "Vatersein" umgelegt wird.

Als ich das las, habe ich unwillkürlich an meinen Protagonisten Emy gedacht, der sich nicht zuletzt durch seine Fürsorglichkeit auszeichnet. Er versorgt nicht nur seinen (durchgeknallten) Chirurgen-Bruder mit den notwendigen Ingredenzien für diverse medizinische Rezepturen und später den päpstlichen Hof in Avignon als einer dessen Einkäufer mit Wein und Fleisch. Er ist es zudem, der meiner  Protagonistin regelmäßig eine warme Schüssel Eintopf vorsetzt, nachdem selbige mal wieder temperamentvoll und meist auch egozentrisch durch die Irrungen und Wirrungen der Weltgeschichte gehetzt ist.

Was mir dabei wichtig ist - sowohl für meinen Protagonisten als für die Väter, die im Weißbüschelaffen ihr "Role model" sehen: Sie sind alles andere als schwächliche Weicheier. Emy ist mir nicht zuletzt darum so lieb geworden, weil hinter vermeintlicher Ausgeglichenheit und Obsorgedrang eine ungemein starke, bestimmte Persönlichkeit steckt.


19. Mai 2008

Zum Lachen

Als ich in (blut-)jungen Jahren meine ersten Romanversuche in die - damals noch manuelle - Schreibmaschine klopfte, habe ich vor allem tragische Geschichten erzählt: von geköpften Königinnen, untergegangenen Städten und zwangsverheirateten Fürstentöchtern. Die damaligen Testleser - zu 100 % aus dem Familienkreis  stammend - meinten dazu nicht selten, dass dergleichen ziemlich harte Kost für ein junges Mädchen sei. "Schreib doch auch mal was Lustiges!", lautete der wohlgemeinte Rat, wohl insgeheim von der Furcht diktiert, mein nachpubertäres Leben würde in Düsternis versinken.

Ich muss gestehen: Bis heute habe ich mich nicht dran gehalten. Die Komödie ist einfach nicht mein Fach. Ich lese gern von schwermütigen Protagonisten in kräftezehrenden Extremsituationen - und deswegen schreibe ich auch darüber.

Dennoch passieren mir in letzter Zeit öfter "Betriebsunfälle" - dann nämlich, wenn ich eine an sich ernst angelegte Szene überfliege und plötzlich laut lachen muss. So geschehen bei der "Tochter des Ketzers" Caterina, die zwar wahrlich kein leichtes Geschick zu tragen hat, aber im Zusammenspiel mit ihrem Vetter Ray manchmal unglaublich komisch wirkt (zumindest für mich und - wie ich mir habe sagen lassen - manche Leser). Und wenn sich Alais, die Tochter der beiden, in meinem Provence-Roman mit dem von der Chirurgie besessenen Aurel rumplagt, passiert manchmal dasselbe.

Da das Buch noch lange nicht auf dem Markt ist, will ich nicht spoilern. Zwei Lehren ziehe ich aber schon an dieser Stelle daraus: Komik entsteht meist durch Missverständnisse in der Kommunikation. Und für mich gilt: je sonniger und südlicher das Setting der Handlung, desto humoriger mancher Dialog.


14. Mai 2008

Pfefferminz und Orange...

...sind meine Lieblingseissorten. Das eine schokoladig-erfrischend, das andere fruchtig-säuerlich. Anders als in Südfrankreich ist es schwer, hier in Deutschland beide Sorten bei einem Eisstand vorzufinden. Was schade ist - jedoch kein ausreichender Grund, das in einem Blog-Beitrag zu thematisieren. 

Warum ich es dennoch tue, liegt nicht nur an aktuellem, wetterbedingtem "Eis-Hunger", sondern an ähnlicher Präferenz für die Konstellation von Hauptprotagonisten. Eigenwillig sollen die sein, nicht leicht zu kriegen - und sie müssen nicht unbedingt zusammenpassen. Sie dürfen ruhig ganz unterschiedlich "schmecken". Protagonisten, die sich schon auf ersten Blick wunderbar ergänzen, sorgen nicht wirklich für Spannung. Jene entsteht vielmehr aus Reibungsfläche - und diese aus Widersprüchlichkeit.

Nicht immer fordert das reine Gegensätze wie Sonne und Mond. Aber wenn der eine Prota von einem ganz anderen Ziel getrieben wird als der andere - der eine z.B. von Freiheit träumt und der andere von Heimat, der eine von einer gemeinsamen Zukunft und der andere von beruflichem Erfolg - dann ergeben sich wunderbare Konflikte. Und wenn die beiden auch hinsichtlich Naturell und Kommunikationsweise unterschiedlich ticken - dann wird daraus womöglich eine sehr spannende Geschichte.

Also: Nicht etwa die Kombi Pfefferminz und Schokolade, Orange und Zitrone - sondern jeweils ersteres bitte!


9. Mai 2008

Er wächst und wächst...

...und wächst und wächst. Mein Provence-Roman nämlich. In den nächsten Tagen wird er 140.000 Wörter auf dem Buckel haben - und würde damit nur mehr ein winzig kleines Stück vor dem angepeilten Endziel von 150.000 stehen. Allerdings habe ich noch etwas mehr zu erzählen als ursprünglich gedacht. Ein paar zusätzliche "Tausender" werden also noch dazukommen - so viel Flexibilität muss sein.

Fix geplant ist auf jeden Fall, dass die Rohfassung bis zu meiner Mallorca-Reise Anfang Juni steht - wobei die Kapitel, die auf der Insel spielen, dann noch diverse, vor Ort zu schließende Lücken aufweisen werden.

Der Hochdruck, mit dem ich arbeite, hat nicht nur damit zu tun, dass es sich in der Endphase meist leichter schreibt. Vielmehr stehen schon diverse andere Projekte in der Warteschleife. Beim Kinderbuch Nr. 3 fehlt noch der Feinschliff; das "Geständnis der Amme" wandert demnächst ins Lektorat. Darüber hinaus recherchiere und plotte ich  schon für ein neues Buch. Worum es genau geht, ist noch streng geheim. So viel aber sei verraten: Es geht um einen Stoff, der weder im Mittelalter noch in Frankreich wie meine bisherigen Historischen Romane angesiedelt ist. Eine höchst spannende und auch herausfordernde Abwechslung!


7. Mai 2008

Unvorstellbar

In meinen Historischen Romanen beschreibe ich manche Erfahrungen, die ich gut nachfühlen kann. Ich musste zwar noch nie eine Hungersnot überstehen, aber ich weiß, wie es sich anfühlt hungrig zu sein. Wie es sich anfühlt, unter brütender Sonne und mit Blasen an den Füßen zu gehen. Wie es sich anfühlt, zu frieren, weil Nässe und Kälte durch jede Ritze der Kleidung dringen.

Auch wenn ich solche Erfahrungen nur ansatzweise teile, nicht in der Absolutheit des mittelalterlichen Menschen, der alldem viel länger, viel hoffnungsloser ausgesetzt war - zumindest sind sie mir nicht völlig fremd. Andere hingegen sind schlichtweg unvorstellbar - z.B. das Wüten einer Seuche wie die Pest. 

In meinem Lebenshorizont gibt es nichts, was ich mit dem Gefühl vergleichen könnte, ohne Hilfe der Hightech-Medizin  sämtliche Freunde und Angehörige einen qualvollen Tod sterben zu sehen. Einen Tod, der weder durch fiebersenkende, noch schmerzstillende Mittel abgemildert werden kann. Einen Tod, der völlig unwillkürlich und wahllos zuzuschlagen scheint und vor dem man sich nicht schützen kann.

Im letzten Teil meines Provence-Romans sieht sich meine Heldin Alais plötzlich dieser "Großen Sterblichkeit", wie die Leute den schwarzen Tod damals nannten, ausgeliefert. Und ich stehe als Autorin vor der Herausforderung, diese Erfahrung weder anmaßend noch  naiv, effekthaschend noch oberflächlich zu beschreiben, also Authentizität anzustreben - und zugleich vor diesem Anspruch zu kapitulieren. Denn als moderner Mensch wird man nie wirklich begreifen können, was der Ausbruch der Pest für den mittelalterlichen Menschen bedeutet hat.

Hier gilt es, sich an Grenzen des Genres zu erproben. Sie wahrzunehmen, sie auszuloten, sich den Kopf daran anzustoßen - und schließlich zu respektieren, dass man sie nicht einfach überwinden kann. 


5. Mai 2008

Das Geständnis der Amme

Auf dem Weg vom fertigen Manuskript zum fertigen Buch gibt es einige ganz besondere Highlights für die Autorenseele: die Vertragsunterzeichnung, die Abgabe, der erste Blick aufs Cover, der Erhalt der Druckfahnen, der Augenblick, da man das Buch in Händen hält oder kurz darauf in der Buchhandlung sieht.

Ähnliches habe ich heute erlebt: Bei thalia.de habe ich zufällig die erste öffentliche Ankündigung meines neuen Romans "Das Geständnis der Amme" entdeckt. Dieser an sich ganz banale Akt fühlt sich wohl ähnlich an wie jener Moment einer fortschreitenden Schwangerschaft, da die Umwelt "es" plötzlich sehen kann. 

Noch dauert es, bis mein Buch-Baby tatsächlich auf die Welt kommt - doch für mich ist das der Anlass, es hier auf der Homepage unter dem Link "Historische Romane" schon mal genauer vorzustellen.


2. Mai 2008

Mittelalterfeeling...

...lässt sich nicht nur in Südfrankreich erhaschen, sondern auch hier in Deutschland. Der gestrige Feiertagsausflug führte mich zur Burg Eltz - eine der besterhaltenen und darum sehr beeindruckenden Burganlagen Deutschlands. 

Dem diplomatischen Geschick der Grafen von Eltz ist es zu verdanken, dass die Burg nie ernsthaft zerstört wurde. Darüber hinaus hatten die Burgherren ein überdurchschnittliches Interesse an technischen Neuerungen. Das beweist z.B. die Plumpskloanlage - solcherart konstruiert, dass sie regelmäßig von Regenwasser durchgespült wurde.

Davon überzeugt, dass es auch mal interessant wäre, in vergangener Zeit zu leben anstatt nur darüber zu schreiben, hat sie mich freilich nicht. Die prächtigen Schauräume mögen schön anzusehen sein - allein die Vorstellung, sich darin an kalten Wintertagen in rauchverpesteter Luft aufzuhalten, lässt mich höchst dankbar (und verweichlicht) die Annehmlichkeiten des 21. Jahrhunderts genießen.



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