Frühlingsbeginn Das erste Sonnenbad auf dem Balkon liegt hinter mir. In diesem Jahr ist es besonders schön zu erleben, wie die Natur unter immer wärmeren Strahlen erwacht, künden doch nicht nur das zaghafte Grün der Wiesen und die ersten Knospen an den Bäumen von neuem Leben und Fruchtbarkeit, sondern auch mein stetig wachsender Körperumfang. Nicht ganz so warm wie hierzulande ist es am Schauplatz von Band 2 meiner Historischen Trilogie, an dem ich unter Hochdruck arbeite und der (a propos wachsender Umfang) kürzlich die 100.000-Wörter-Grenze überschritten hat. Im Norden Frankreichs mögen dieser Tage die Temperaturen zwar auch sehr moderat sein - aber im Kapitel, das ich gerade schreibe, schicke ich meine Protagonisten durch den herbstlichen Wald, was (ohne angemessene Outdoor-Ausrüstung) nicht gerade einer gemütlichen Wanderung gleichkommt, sondern eher einem Kampf auf Leben und Tod. Ansonsten sind die aktuellen Projekte, von denen ich hier kürzlich berichtete, entweder abgeschlossen (so das Kinderbuch Nr. 3, das ich diese Woche nach einem neuerlichen Überarbeitungsdurchgang an meine Lektorin schicken konnte) oder in einem Stadium, um fürs erste ruhen zu können (nämlich meine große Südamerika-Deutschland-Saga, für die ich alle wesentlichen "Eckdaten" recherchiert habe und deren grober Plot steht). Vergessene Kriege Es gibt historische Ereignisse, von denen jeder Grundschüler weiß, solche, die sich nur im Gedächtnis historisch Interessierter verankern, und nicht zuletzt "Fußnoten" der Weltgeschichte, die selbst an manchem studierten Historiker völlig vorbeigehen. Neuland dieser Art habe nun auch ich betreten, als ich mich in im Zuge der Recherchen für meine nächste Südamerika-Saga mit dem "Drei-Bund- bzw. Triple-Allianz-Krieg" beschäftigt habe, in dem sich von 1865-70 die sogenannte Triple-Allianz (bestehend aus Uruguay, Argentinien und Brasilien) gegen Paraguay behauptete. Letzteres setzte unter der Führung des despotischen Diktators Francisco Solano auf wirtschaftltiche Unabhängigkeit, was insbesondere den Briten, die den Außenhandel jener Regionen dominierten, ein Dorn im Auge war. Britische Waffenlieferungen waren es darum auch, die der Triple-Allianz trotz anfänglicher Verluste den Sieg bescherten. Für Paraguay fiel die Niederlage hingegen vernichtend aus: Gemessen an den Opfern des Krieges im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, war der Dreibund-Krieg der verlustreichste Krieg der Weltgeschichte. Da Solano zuletzt selbst 13-Jährige, Invalide und Greise in den Kampf schickte (im übrigen auch weibliche Soldatinnen), war die männliche Bevölkerung hinterher fast vollkommen ausgerottet. Historiker bezichnen dieses wüste Gemetzel darum als den ersten "totalen Krieg" der Geschichte. Von diversen Kriegsgreueln zu lesen, die übrigens auf allen Seiten begangen wurden, ist erschütternd - jedoch auch, sich der Frage zu stellen, warum ein derartiger Krieg völlig vergessen ist: An Epoche und außereuorpäischem Schauplatz allein kann es nicht liegen - der amerikansiche Bürgerkrieg, der fast zeitgleich stattfand, ist demgegenüber ein höchst populäres Thema, vielleicht auch, weil er in Unterhaltungsromanen und Fernsehserien seine Umsetzung gefunden hat. Wenn mein künftiges Romanprojekt auch nur ansatzweise für vergessene Kriege sensibilisieren könnte, wäre für mich ein wichtiges Anliegen erreicht. Blogbeiträge November 2009 |