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Als Zwei-Schicht-Betrieb... ...könnte man im Moment meinen Arbeitsalltag beschreiben. Die Fahnen von der "Gefährtin" sind abgegeben, das tägliche Pensum aber nicht geringer geworden: Am Vormittag schreibe ich am zweiten Teil der Saga; am Nachmittag ist die Überarbeitung des hier schon einmal erwähnten "Kunst-Krimis" angesagt, der im nächsten Winter unter Pseudonym beim btb-Verlag erscheinen wird. Dieses sowie der Titel stehen schon fest; das (sehr eindrucksvolle) Cover habe ich gestern zum ersten Mal zu sehen bekommen. Sobald all diese Infos offiziell sind, werde ich sie natürlich auch hier nachreichen. Wenn der "Kunst-Krimi" abgeschlossen ist, erwartet mich der Feinschliff vom ersten Teil der Saga: Mittlerweile haben meine Testleser die Lektüre abgeschlossen - und ihr Feedback war ein sehr positives. Nun gilt es an einigen Details zu werken - dann ist auch hier Abgabe angesagt. Wer glaubt, dass spätestens dann (wahrscheinlich Ende April) Langeweile einzieht, irrt. In den letzten Wochen hat sich einiges Aufregendes getan, was zukünftige Projekte anbelangt. Auch hier bin ich (vorerst) eine Geheimniskrämerin - doch so viel sei verraten: Ich werde weit über dieses Jahr hinaus als Autorin gut beschäftigt sein. Um mit dem Pensum gut zurechtzukommen und in meinem Leben etwas Platz zu schaufeln, damit es nicht nur für Beruf/Berufung aufgeht, habe ich meine journalistische Tätigkeit etwas reduziert. Aufgeben möchte ich diese natürlich nicht - dazu ist sie zu abwechslungsreich und interessant -, doch künftig ist es wohl passender, meine Fernsehprojekte nicht mehr als "Brotberuf" zu bezeichnen, sondern als Hobby ;-)
Die Fahnen... ...von der "Gefährtin des Medicus" liegen vor. Das Wochenende stand darum ganz im Zeichen von deren Sichtung. 670 Seiten umfasst dieser Roman - somit ist er mein bisher dickstes "Kind". Wie immer ist es spannend, die Geschichte in endgültiger Form vor sich liegen zu haben. Zugleich ist das der Moment, wo der lange Prozess des Loslassens endgültig abgeschlossen wird. Hier und da noch eine Korrektur anbringen - viel mehr wird von Mutter des geistigen Zöglings nicht mehr erwartet. Ein größeres Loch hinterlässt dieses Projekt freilich nicht, weil schon genügend andere meine Aufmerksamkeit einfordern. So macht der zweite Teil der Saga gute Fortschritte und ist mittlerweile auf einen Umfang von 60.000 Wörtern angewachsen (das ist etwas ein Drittel des geplanten Gesamtumfangs). Das meiste davon ist noch kein fertiger Text, sondern ein Konglomerat aus Szenenskizzen, Dialogen und Rechercheergebnisse - doch damit ist die Basis gelegt, dass der spätere Schreibprozess ganz zügig vonstatten gehen wird.
Gier Die letzten Tagen standen für mich wieder einmal ganz im Zeichen meines Brotberufs: Ich begleitete als Redakteurin neue Aufzeichnungen des Talkformats "N24-Ethik". Unter anderem war ein namhafter Börsenmakler zu Gast, und als die Gründe für die aktuelle Finanz- bzw. Wirtschaftskrise angesprochen wurden, kreiste das Gespräch sehr lange um das Thema "Gier" - einer der wesentlichen und leider meist destruktiven Antriebe des Menschen. Mir fiel in diesem Zusammenhang ein Zitat ein, das ich schon vor längeren Zeit einmal aufgeschnappt habe: "Gegen Gier sind nur zwei Gruppen von Menschen immun: Die Künstler und die Priester." Der Absolutheit dieser Aussage stehe ich etwas skeptisch gegenüber. Ich kenne genügend Vertreter zweiterer Zunft, um zu wissen, dass der Heilige Geist bei der Priesterweihe nicht automatisch gegen sämtliche (Tod-)Sünden immun macht. Und als Autorin stoße ich mich am Ideal vom brotlosen Künstler, den man ruhig - nämlich, weil er seine Arbeit so gern und leidenschaftlich macht - von Luft und Kreativität leben lassen kann. Seine gerechte finanzielle Entlohnung anzustreben und einzufordern, erscheint mir vielmehr unumgänglich, und natürlich kann das durchaus legitime Bedürfnis nach einem gutgefüllten Bankkonto auch bei einem Künstler den unheilvollen Drang nach immer mehr entfachen. Dennoch steckt für mich auch ein Fünkchen Wahrheit in diesem Zitat. Menschen, deren Fokus hauptsächlich auf etwas gerichtet ist, das weit über die materielle Welt hinausweist, sind wohl etwas widerstandfähiger gegen deren Verlockungen. Mein größter Luxus ist darum auch nicht die Schriftstellervilla samt Designermöbel und Whirlpool, sonder Zeit - viel Zeit, in der ich mich ohne materielle Sorgen und Ablenkungen dem Schreiben widmen kann. Geld ist also nicht der Endzweck. Es schafft bestenfalls die Basis, um das zu tun, was das Leben erst richtig bereichert.
Seelenräume Wir Autoren sind Berufspendler. Wenn es für unsere Wegstrecken Flugmeilen oder Bonuspunkte gäbe, wären Lufthansa und Deutsche Bahn wohl schon bankrott. Allerdings sind es keine realen Kilometer, die wir rücklegen. Wir sind vielmehr in den Etagen, die die unterschiedlichen "Seelenräumen" verbinden, unterwegs. Ein Roman besteht aus sehr viel mehr als Buchseiten, die man mit Wörtern füllt - er ist eine eigene kleine Welt für sich: mit seinen Bewohnern, seinen Landschaften, seinen Gerüchen, seiner Atmosphäre, seinen Farben, seinem Klima. Das alles gilt es - bevor es überhaupt in eine Geschichte überführt werden kann - zu erfühlen. Vielleicht wäre der für dieses Phänomen passende Ausdruck auch "Gehirntourismus": In einem Monat reise ich auf einem mittelalterlichen Segelschiff nach Mallorca; im nächsten hüte ich Schafe in der Steppe; im wieder nächsten befinde ich mich hinter Kirchenmauern im Rom der Renaissance. Zu diesem Wandeln in fiktiven Welten gesellen sich dann noch tatsächliche "Lebensräume" - privater oder beruflicher Natur. Das macht das Leben manchmal anstrengend, aber eben auch facettenreich. Und lässt mich an das Augustinus-Zitat denken, das ich auch meinem Roman "Die Tochter des Ketzers" vorangestellt habe: "Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon." Man könnte es auch neu schreiben: "Jedes Buch ist eine Welt. Wer nie liest (oder schreibt), muss auf die tollsten Reisen verzichten."
Verzicht In der Recherchephase trage ich wahllos alle Fakten und Hintergrundinformationen zusammen, die für den Roman relevant sein könnten. Geht es dann aber darum, die Geschichte damit "aufzufüllen", gilt es nicht nur Prioritäten zu setzen, sondern auch zu selektieren, sprich: Rechercheergebnisse ggf. in die Tonne zu kippen, weil sie weder notwendiges Fundament der Geschichte sind noch selbige um farbenprächtige Details bereichern. Sie in den Roman zu integrieren wäre ein für den Leser lästiges Infodropping. Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden ist hier die eine Herausforderung. Die andere, ungleich größere aber heißt: auf hart Erarbeitetes zu verzichten. Hinzunehmen, dass sich ein bestimmter Arbeitsaufwand (u.U. ein ganzes Buch zu lesen) als für das Endergebnis bedeutungslos herausstellt. Ich glaube, dass kein Autor von rechercheintensiveren Genres gänzlich davor gefeit ist, in eine klassische Anfängerkrankheit zurückzufallen: nämlich in seinem Roman damit protzen zu wollen, was er alles gelesen, herausgefunden, gelernt hat. Als einzig probates Gegenmittel scheint mir, sich immer wieder vorzusagen, dass die Recherchen der Geschichte dienen müssen - nicht umgekehrt. Sprich: Ich recherchiere, um einen Roman möglichst authentisch schreiben zu können. Ich schreibe keinen Roman, um zu beweisen, wie viel und gut ich recherchieren kann und was ich alles weiß.
Die Recherchen... ...für den zweiten Band der Saga sind abgeschlossen. Nun steht an, all die gesammelten Informationen in den schon fertigen Plot einzufügen, sodass sich die Grundstruktur der Geschichte und die historischen Hintergründe zu einem möglichst harmonischem Ganzen zusammenfügen. Erst dann folgt der eigentliche Schreibprozess. In den letzten Wochen habe ich nicht nur wissenschaftliche Literatur zum Thema gewälzt, sondern auch viele Romane über das (von mir noch geheimgehaltene) Land gelesen, in dem die Sagas angesiedelt sind - vor allem Romane aus der Feder dessen großer Dichter. Was mich immer wieder aufs Neue fasziniert, wenn man sich mit Literatur aus einem anderen Kulturkreis auseinandersetzt: diese fühlbaren Unterschiede, was Erzählweise, -sprache und -struktur anbelangt. Insbesondere die dramaturgischen Regeln, die ich aus europäischen und nordamerikanischen Büchern kenne, möchte ich nicht missen - aber es erweitert den Horizont, zwischendurch auch mal Texte zu lesen, die scheinbar ohne diese auskommen.
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Dezember 2008
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