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Vorbereitung In diesen Tag gilt es nicht nur, das tägliche Schreibpensum abzuarbeiten, sondern mich auf gleich zwei Fernsehproduktionen vorzubereiten, die in der nächsten Woche anstehen. Zunächst gilt es, weitere "Filmtipps" für Pro7 zu schneiden; danach folgt die Aufzeichnung einer weiteren Staffel von der Talksendung "N24-Ethik". Falls jemand an meiner kreativen Arbeit jenseits der Schriftstellerei Interesse hat - hier der Link zu einem der letzten "Filmtipps": http://www.kirche.tv/Default.aspx?tabid=56&mFileId=3440&ctl2l=Details Ob ich in diesen Tagen zwischendurch zum Schreiben komme sei dahingestellt. Auf jeden Fall habe ich mir fest vorgenommen, in Produktionspausen an Exposés für künftige Projekte zu feilen. Unterdessen steht auch meine Reiseroute durch die Provence weitgehend fest. Mehr dazu dann am Ende der Woche, wenn sämtliche "brotberufliche" Pflichten erledigt sind und der Roman wieder konkurrenzlos im Mittelpunkt steht.
Landschaftsbeschreibungen Normalerweise ist mein Schreibtempo ziemlich zügig - doch es gibt in jedem Buch Sätze, an denen ich ewig sitze, darunter meist jene, mit denen ich Natur und Landschaft beschreibe. Es ist langweilig, wenn der Himmel nur blau, der Wind nur kalt, der Berghang nur schroff ist. Und es ist kitschig, wenn Sonnen rostrot verglühen oder Schaumkronen lustig auf dem Meer tanzen. Einen brauchbaren Mittelweg zu finden, fordert die Kreativität darum ziemlich heraus. Um diese Kreativität zu beflügeln, nutze ich gerne "Wartezeiten" - z.B. an der S-Bahnstation oder während einer Zugfahrt. Vor wenigen Tagen hat sich obendrein ein mehrstündiger Stau auf der Autobahn angeboten, um mir passende Landschaftsbeschreibungen auszudenken. Sollten Sie also irgendwann mal von einem Fahrer lesen, der im Stopp-and-go-Verkehr ins nächste Auto krachte, weil er nicht auf die Fahrbahn achtete, sondern ausschließlich auf den vors Lenkrad geklemmten Notizblick - dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass ich gemeint bin. Anders als der Handygebrauch ist "Schreiben am Steuer" schließlich noch nicht verboten ;-)
Wetterturbulenzen Während draußen ein Schneesturm in nahezu sibirischen Ausmaßen tobt, scheint in meinem Provence-Roman fast ausschließlich die Sonne. Die kann meine Heldin aber gar nicht richtig genießen - jagt sie doch von einem Abenteuer ins nächste und erleidet ob all der Aufregung auch ohne Gluthitze regelmäßig Schweißausbrüche. Als Autorin ist es natürlich reizvoll, "antizyklisch" zum Wetter zu schreiben, also im Winter an einem Roman, der im Süden spielt, und im Sommer an einem Roman aus dem Norden. Das tägliche Pflichtpensum steht dann nicht nur für Arbeit, sondern verheißt kleine Fluchten von aktuellen Klimaturbulenzen. Für meinen Provence-Trip, der langsam näher rückt, hoffe ich natürlich auf weitgehende Übereinstimmung von "Romanfeeling" und Wetterbericht.
Neue Ideen Woran man
am besten erkennt, dass ein Romanprojekt eigenständig laufen lernt und
Mamas Aufmerksamkeit nur mehr stundenweise braucht, nicht mehr nonstop Tag
und Nacht? Ähnlich ergeht es auch mir gerade: Die Arbeit am Provence-Roman hat so viel Routine gewonnen, dass mittlerweile neue Romanideen in meinem Kopf rumoren. Einige sind schon viele Jahre alt, sozusagen alte Bekannte, und verlangen nun lautstark, als nächstes das Licht der Welt erblicken zu dürfen. Andere kommen neu und unerwartet hinzu, zeigen aber nicht grade sonderliche Disziplin, sich hinten anzustellen. Eines dieser "Neo-Kinder" ist sogar so dreist, aus dem üblichen Mittelaltergefilde ausbrechen zu wollen. All diese
Ideen haben natürlich gleiches zu lernen wie die Autorin selbst: zu dem
Geschäft des Schreibens gehört unbedingt das Warten auf den richtigen
Moment. Guter Wein muss oft jahrelang im dunkeln Keller reifen, bis er
seinen Geschmack voll entfalten kann - gute Plots ebenso. Das wiederum
bedeutet, dass Mama manchmal die strenge Kerkermeisterin spielen muss ;-) Ostern... ...naht und damit ein paar Tage im Kreis meiner Familie in Österreich. Eine "schreibfreie Zeit" wird es jedoch nicht sein; diese ist erst für den Provence-Trip vorgesehen, wo sich die Arbeit am Roman dann ausschließlich aufs Aufnehmen von Sinneseindrücken an Originalschauplätzen beschränkt. Bis dahin - so zumindest das erklärte Ziel - soll das Manuskript auf 100.000 Wörter anwachsen und somit die Hälfte klar überschritten sein. (Zum Vergleich: Mein bislang umfangreichster Roman "Die Regentin" zählt ca. 164.000 Wörter.) Neben dem üblichen Tagespensum stand heute eine Umstrukturierung des bisher Geschriebenen an. Bislang war das Buch in vier große Blöcke unterteilt - nun wurden sechs daraus, weil sich inhaltliche Bögen ein wenig verlagert haben und manch eine Sequenz länger wurde als geplant. Die Unterteilung dieser Blöcke in Kapitel ist aber noch ausständig - und wird erst dann nachgeholt, wenn das Rohmanuskript steht.
Mittelalterliche Chirurgie In den letzten Wochen habe ich einen Kaiserschnitt vollzogen, ein Bein amputiert und einen komplizierten Schädelbruch geheilt. Natürlich nur als Autorin ;-) - als solche jedoch zunehmend von dem Können mittelalterlicher Chirurgen fasziniert. Natürlich war ihr damaliges Wissen begrenzt; viele Arzneien gab es nicht; entsprechend viele Krankheiten und Verletzungen galten darum als unheilbar. Dennoch bewundere ich die damaligen Ärzte vor allem für ihren Instinkt und ihren Hausverstand, mit dem sie sich an neue Operationsmethoden wagten und sich nicht selten gegen eine Mehrheitsmeinung stellen mussten. Denn nicht nur Aberglaube war weit verbreitet, sondern teilweise auch Behandlungsmethoden von schlecht oder gar nicht ausgebildeten Quacksalbern, die an Absurdität kaum zu überbieten sind. Ein Beispiel: Die antiseptische Wundbehandlung. Nicht nur für uns ist es selbstverständlich, dass man frische Wunden möglichst sauber zu halten hat, damit sie sich nicht entzünden - auch Henri de Mondeville, einer der größten Chirurgen des 13. Jahrhunderts, setzte sich dafür ein. Damit stieß er freilich auf manch Widerstand - gab es doch tatsächlich Gelehrte, die vermeinten, eine Wunde könne nur mit Hilfe von Eiter heilen. Um für diesen zu sorgen, wurden Wunden sogar noch vergrößert und mit allen möglichen Fremdkörpern verunreinigt. Kaum auszumalen, wie viele Menschen daran gestorben sind. "Mein" Aurel wird selbstverständlich zu den vernünftigeren, fortschrittlicheren Medizinern zählen!
Überarbeitung Heute gibt es - aufgrund der Produktion eines Internetformats, das meinen Tag bestimmen wird - mal wieder eine Schreibpause. Das ganz ohne schlechtes Gewissen, denn das Manuskript nähert sich nach schreibintensiven Wochen langsam, aber sicher der Hälfte seines voraussichtlichen Umfangs. Warum das relativ schnell geht, liegt daran, dass in dieser Phase der Arbeit des Romans tatsächlich nur daran schreibe - und nichts sonst daran mache. Sprich: Ich überarbeite die einzelnen Szenen nicht, korrigiere nicht einmal Fehler und lese fertige Textstellen nur überflugsartig - ganz anders als viele Autorenkollegen, bei denen das Feilen Teil des Schreibprozesses ist. Ich habe nämlich für mich die Erfahrung gemacht, dass ich mich im Umgang mit dem Rotstift später viel freier fühle, wenn die Rohfassung schon mal abgeschlossen ist. Angenommen, eine Szene fällt mir sehr schwer. Unmittelbar danach würde ich dann erwarten, dass man ihr das anmerkt, sie sich schwer liest; ich würde bei jedem Satz ein ungutes Gefühl haben. Zugleich würde ich bei einer Szene, die Unmengen Schweiß und Blut gekostet hat, sehr zögern, einfach mal eine halbe Seite zu löschen, vielmehr um jede Silbe kämpfen. Ganz anders ist das einige Monate später: Da lasse ich das Buch als Gesamtes auf mich wirken, bewerte und bearbeite einzelne Stellen nicht mit dem Hochgefühl oder den Schwierigkeiten, mit denen sie während des Schreiben behaftet waren, und kann deswegen sehr objektiv Kürzungen oder wesentliche Änderungen vornehmen. Was für so eine Arbeitsweise natürlich Voraussetzung ist: Dass man sich und seinen eigenen Fähigkeiten, einen zufriedenstellenden Roman zu schreiben, trauen kann. Sonst würde ich permanent mit der Panik kämpfen, das Projekt klammheimlich und unbemerkt in den Sand zu setzen ;-)
Wege zum Glück Keine Angst. Das ist nicht der Titel eines neuen Romans von mir. Sondern eine Telenovela, die täglich um 16.15 im ZDF läuft. Hinsichtlich der Banalität von Handlung, Protagonisten und Dialoggestaltung mit „Sturm der Liebe“ (ARD, 15.15) vergleichbar. Was das nun mit mir als Autorin zu tun hat? Jeder, der in mir die aufrechte Bildungsbürgerin sieht, die sich in Musestunden ausschließlich mit wissenschaftlicher, schöngeistiger Literatur oder aber gepflegter Fernsehunterhaltung, wie man sie von Arte, Phönix oder 3sat kennt, abgibt, möge jetzt nicht weiterlesen. Allen anderen sei gestanden: Manchmal gucke ich eine dieser Telenovelas. Und zwar wenn ich an akutem Schreibkater leide. Einen Schreibkater zu haben bedeutet – wie der Name schon sagt -, dass man zuviel getrunken...äh geschrieben hat. Über einen längeren Zeitraum mehr als 2000 Wörter am Tag in die Tasten zu hacken, führt bei mir u.U. zu einem Zustand der Erschöpfung, in dem sich das Hirn wie leer anfühlt. Das Schlimme ist: Es ist zu leer, um es gleich wieder aufzufüllen – denn dazu fehlt die Kraft. Also muss ich es noch leerer rinnen lassen. Und das gelingt am besten beim Gucken von Telenovelas, die so schlicht gestrickt sind, dass man immer wieder einsteigen kann, den Bösewicht sowie die Herzensgute sofort erkennt und mühelos vorhersehen kann, was als nächstes kommt. Und dabei wird dann Gymnastik und Hanteltraining gemacht (sodass dann irgendwann der echte Muskelkater den Schreibkater ablöst). Danach bin ich geistig so fit, dass ich weitere 2000 Wörter schreiben kann. Naja. Fast.
Reiseplanung Während das Manuskript immer weiter wächst (und ebenso mein Verdacht, dass geplanter Umfang nicht ausreichen wird, um die Geschichte zu erzählen, sondern wohl ein paar zusätzliche Seiten draufkommen), steht in diesen Tagen auch an, meine zwei Recherchereisen zu planen. Anfang April geht es wie schon erwähnt in die Provence. Flug ist gebucht, ebenso Hotels für die ersten Reisestationen Montpellier und Avignon. Wie es danach weiter geht, will ich offen lassen und dann vor Ort spontan entscheiden. Ebenfalls eifrig gewälzt wird ein Reiseführer von Mallorca, wohin es meine Helden für kurze Zeit verschlägt - und wo es für mich dann voraussichtlich im Juni gilt, Originalschauplätze zu erforschen. Das sind ohne Zweifel die sonnigsten Nebeneffekte dieses Berufs :-)
Die Moral von der Geschicht' Wer Menschen von etwaigen Wertekodexen überzeugen will, sollte meiner Meinung nach eher Prediger als Schriftsteller werden. Der erhobene Zeigefinger und ein belehrender Unterton haben m.E. in einem Roman so gar nichts zu suchen. Und dennoch: bestimmte Grundsätze und Weltanschauungen fließen selbstverständlich in Bücher ein. Ich selbst kann den feministischen Anteil meiner Seele nicht leugnen, wenn ich durch meine Bücher blättere. Und will mich nicht damit abfinden, dass HeldInnen von vielen Lesern weniger zugestanden wird als Helden, dass beispielsweise meiner "Regentin" Bathildis ihr störrisches Verhältnis gegenüber den König häufig angelastet wird, wohingegen eben jenem König viel bereitwilliger nachgesehen wird, dass er sie gegen ihren Willen und ergo gewaltsam zur Frau macht. Mein schlimmster "Tabubruch" ist wohl aber die Tatsache, dass viele meiner Protagonistinnen ihre Kinder nicht automatisch lieben können - so wie's der vermeintlich "guten Frau" im Blute liegt: Sophia geht mit ihrer Tochter mehr als nur rüde um, Bathildis vernachlässigt die erste beiden Söhne und auch meine jetzige Heldin Alais disqualifiziert sich frühzeitig als Trägerin des Mutterverdienstkreuzes. So lange ich schreibe, denke ich allerdings gar nicht daran, auf diese Weise Sympathiepunkte zu verspielen. Da geht es mir vor allem darum, eine Situation konsequent und das Verhältnis meiner Protagonistin zu ihrer Umwelt als innerhalb dieser Situation stimmig zu beschreiben. Wenn manch LeserIn der HeldIn meiner Bücher jedoch Egoismus vorwirft, dann wird mir klar, dass ich ganz bewusst und deutlich dafür einstehe: Nicht, dass ein Frauenleben erst taugt, wenn es sich möglichst selbstbezogen, rücksichtslos und bösartig vollzieht - jedoch dass Menschen, egal ob Männlein oder Weiblein, nicht geboren werden, um die Erwartungen und Vorstellungen anderer an sie zu erfüllen, sich vielmehr frei entfalten sollten - Scheitern, Fehlverhalten und Schlampenanteil inbegriffen.
Wie viel Seele... ...eines Autors steckt eigentlich in einem Protagonisten? Diese Frage wird mir oft gestellt, von mir sehr gerne analysiert und meist so beantwortet, dass Schreiben immer auch eine Art Therapie ist: Denn die lange Beschäftigung mit Protagonisten trägt nicht selten zur Selbsterkenntnis bei. Darüber hinaus scheint mir die Überlegung relevant: Ist es womöglich nicht nur der Autor, der einem Protagonisten seine Seele leiht und sich darum in ihm wiederfindet, sondern beginnt der Protagonisten nach einer Weile auch auf den Autor abzufärben? Anders gefragt: Wird man im wirklichen Leben egoistischer, wenn man über Wochen und Monate über einen egoistischen Protagonisten schreibt? Wird man grausamer, wenn man - z.B. im Thrillergenre - die Psyche eines Massenmörders seziert? Hellt es die eigene Laune auf, wenn man Späße eines Gauklers erfindet? Ich glaube, der Grad des Abfärbens hat viel mit der Nähe zu tun, die man zwischen sich und seinem Protagonist zulässt. Bei manchen Figuren ist es so, dass man sie eher sachlich beobachtet und beschreibt, entweder aus Selbstschutz oder weil sie einem fremd bleiben. Bei anderen schwappen Emotionen förmlich auf einen über, und plötzlich bewertet man Situationen des eigenen Lebens nicht mehr mit eigenen Augen, sondern denen der Romanfigur. Diese Erfahrung ist es auch, die mich über ein früheres Statement an dieser Stelle, herzlich lachen lässt: Damals habe ich dreist behauptet, Alais aus dem Provence-Romane sei mir von all meinen Protagonistinnen am unähnlichsten. Das muss ich nun gründlich relativieren: In vielem mag sie ganz anders ticken als ich - aber es gibt eine ganz große Parallele: den Drang nach Unabhängigkeit und Unkonventionalität, den wir beide zu leben versuchen.
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