Klassik Radio Auf Klassik Radio liefen Anfang Juni diverse Beiträge zu "Im Land der Feuerblume" (Hintergründe und Textpassagen). Auf der Verlagshomepage kann man sich diese nun ahören, nämlich hier (einfach unten rechts klicken). bahn mobil Seit gestern ist sie allen Zügen der Deutschen Bahn zu lesen - die Juli-Ausgabe des Kundenmagazins "mobil". Als Buchpremiere wird diesmal - mit wunderschön illustrierten Textproben (hier) und einem Autoreninterview (hier) - "Im Land der Feuerblume" vorgestellt. Ich freue mich natürlich über jede PR-Maßnahme, doch diese ist etwas ganz Besonderes für mich. Auch heute bin ich noch oft mit der Bahn unterwegs, doch es gab Zeiten, da ich wöchentlich oft mehrmals einen Zug bestieg - als ich nämlich als Fernsehredakteurin regelmäßig Kurzbeiträge für RTL produzierte und zu Drehorte in ganz Deutschland reiste. Wohin ich auch unterwegs war - ob nach Hoyerswerda, Cuxhaven, Ulm oder Münster -: Wenn mein Griff zur Zeitschrift "mobil" ging, habe ich als erstes immer die Seiten mit der Buchpremiere aufgeschlagen und vor allem das jeweilige Autoreninterview regelrecht verschlungen. Meine eigene Schriftstellerkarriere stand damals ganz am Anfang, und einmal selbst mit einem Buch diese Aufmerksamkeit zu bekommen war nichts weiter als ein Tagtraum, der Entspannung vom Drehstress schenkte, an dessen Erfüllung ich aber nicht recht glaubte. Rückkehr Bei meiner Rückkehr in Frankfurt erwartete mich eine wunderbare Überraschung: Als ich aus der U-Bahn ausstieg, stand ich unmittelbar vor einem großflächigen Plakat für "Im Land der Feuerblume". Ich wusste zwar, dass diese Werbekation in diesen Tagen anläuft (sowohl deutschlandweit als auch in einigen Schweizer und österreichischen Städten), habe aber nicht gerechnet, so schnell auf ein Plakat zu treffen. Ebenfalls erfreulich: In der aktuellen Ausgabe der "Für Sie" wird der Roman als Lieblingsbuch der Redaktion beworben. Nachzulesen ist der Artikel hier. In der "Petra" wiederum ist eine halbseitige Anzeige zu finden. Was mich überdies natürlich auch sehr freut, ist die Tatsache, dass sich das Buch weiterhin - nunmehr schon die dritte Woche - auf der Bestsellerliste hält. Paris
Diese Worte stammen aus der Feder des Mönchs Abbo von Saint-Germain, und er schrieb sie im 9. Jahrhundert nieder . Paris war damals mehr oder weniger auf die Ile-de-la-Cité begrenzt, noch lange nicht Frankreichs Hauptstadt und wurde in den lateinischen Texten oft Lutetia genannt - der Name, dem ihr die Römer gegeben hatten. Zum Ruhm der Stadt trugen nicht zuletzt Klöster wie Saint-Germain-de-Prés bei - und ihre mächtigen Befestigungsmauern. Diese Mauern waren dringend nötig, als die Stadt von 885 bis 886 von den Wikingern belagert wurde. Am Ende zogen die Nordmänner zwar ab, ohnePparis eingenommen zu haben - zurück aber blieb eine traumatisierte Bevölkerung: Monatelange Angriffe, Hunger und Seuchen hatten viele Todesopfer gekostet. Vitré Die letzte Station meiner Tour durch die Bretagne war heute Vitré - eine (oftmals umkämpfte) Grenzstadt zwischen der Bretagne und der Normandie mit einer Burg aus dem 11. Jahrhundert und einer hübschen Altstadt. Bei der Burgbesichtigung haben mich die Gemächer im Turm am meisten interessiert. Richard sans Peur, ein Herzog der Normandie, der in den weiteren Teilen meiner Trilogie eine wichtige Rolle spielen wird, hat in seiner Burg in Rouen auch im Turm gelebt - nur, dass von diesem leider nichts erhalten ist. Vitré diente als guter Ersatz, um ein Lebensgefühl für eine solche Unterkunft mit engen Treppen, runden Zimmern und zugigen Latrinen zu bekommen. Nach Vitré ging es zurück nach Paris, wo ich zwei weitere Tage verbringen werde.
Cap Fréhel, Fort la Latte und Mont-Saint-Michel Die Küste der Bretagne ist unglaublich abwechslungsreich: Rund um das Cap Fréhel hat das Gestein die Form von vielen kleinen Ziegelsteinen.
Ich liebe nicht nur Steilküsten, sondern auch Burgen und Schlösser. Wenn beides an ein- und demselben Ort zu finden ist wie beim Fort la Latte gleich in der Nähe des Cap Fréhel, ist ein Besuch unumgänglich - obwohl dieses Bauwerk, das im 14. Jahrhundert entstanden und unter Louis XIV. erweitert worden ist, wohl in keinem meiner Romane je eine Rolle spielen wird. Aber wer weiß...
Fast auf den Tag genau vor fünf Jahren war ich das erste Mal auf dem Mont-Saint-Michel. Damals ging ich mit der "Chronistin" schwanger und kam just im Refektorium zur Entscheidung, wer meine Klostermorde begehen würde, nämlich (Achtung Spoiler!) die Äbtissin selbst. Heute ging mir vor allem durch den Kopf, was ich in der Zeit, die seitdem vergangen ist, alles geschrieben habe - nämlich unglaublich viel. Fest steht: Wenn ich jemals wieder einen Klosterkrimi schreibe (die Idee zu einem existiert vage), wird dieser auf dem Mont-Saint-Michel spielen.
Pointe de Saint-Mathieu und Côte de Granit Rose Auf einer Landzunge westlich von Brest hat der Heilige Tanguy im 6. Jahrhundert ein Kloster gegründet - zwecks Aufbewahrung der Reliquien des Heiligen Matthäus. Inmitten derRuinen dieser Abtei, die während der Französischen Revolution zerstört wurde, steht heute ein Leuchtturm - ein irgendwie seltsamer, weil widersprüchlicher Anblick. Sehr eindrucksvoll ist in jedem Fall auch hier die Küste. Was in meinen Augen als überaus schön gilt, war für den Mönch des 7. Jahrhunderts freilich eine raue, lebensfeindliche, unwirtliche Umgebung. Während heutzutage Hotels und Villen möglichst in Strand- oder Klippennähe erbaut werden, war die Bereitschaft, am Meer zu leben, damals ein Ausdruck für Weltentsagung und Askese - verhieß ein Ort wie dieser doch Einsamkeit und vielerlei Gefahren. Einmal mehr zeigt der Blick auf die Mentalitätsgeschichte: Alles ist relativ...
Weiter ging es zur Côte de Granit Rose mit ihren vielen bizarren Steingebilden inmitten türkisblauer Fluten. Der Wind und das Meer sind oft die besten aller Künstler. Und wie bei jedem großen Kunstwerk, kann man nur eines tun: Davor stehenbleiben. Ehrfürchtig schweigen. Und staunen.
Pointe du Raz und Halbinsel Crozon Im zweiten Teil meiner historischen Trilogie steht eine Frau ohne Vergangenheit im Mittelpunkt der Geschichte: Sie weiß nicht, wer sie ist und von wem sie abstammt. Bruchstückhaft sind ihre Erinnerungen an die Kindheit - nur ein Bild steht ihr klar vor Augen: Wie sie über eine Blumenwiese läuft.
Eigentlich habe ich nach dem Pointe du Raz erwartet, dass es landschaftlich keine Steigerung mehr gibt - doch der Pointe de Pen'Hir scheint fast noch spektakulärer. Dazu kann man einfach nur sagen, dass dieser Ort a) zum Weinen schön ist und b) es einer hohen Lebenserwartung sehr förderlich ist, wenn man hier rutschfest und schwindelfrei ist. (Also besser doch nicht weinen, weil das den Blick zu sehr verschleiert.)
Über das Küstenstädchen Camaret-sur-Mer ging es schließlich weiter zu den Ruinen der Abtei von Landévennec. Deren Gründer, Saint-Guénolé, habe ich gestern schon erwähnt. Obendrein habe ich behauptet, dass seine Knochen von den wilden Nordmännern verbrannt worden seien - eine Information die ich der Lektüre diverser Sekundärliteratur zum Thema entnahm. Im hiesigen Museum freilich hieß es, dass nicht die Wikinger, sondern vielmehr die Französischen Revolutionäre die Knochen auf dem Gewissen haben. Das lehrt mich einmal mehr, jede Information mehrfach zu überprüfen, und zugleich, dass es Freveltaten dieser Art wahrlich in jeder Epoche gab. So oder so - die Wikinger waren hier, haben gemordet und verbrannt, und das war für mich ein Anlass, kurz innezuhalten und beim Anblick zerstörter Mauern an einen meiner Protagonisten zu denken: Thure heißt der, und ihm hätte dergleichen gefallen (nicht die Mauern per se, sondern das Werk der Zerstörung).
Concarneau und Penmarc'h
Weiter ging es nach Penmarc'h. Beim Pointe de la Torche habe ich leider kein Foto vom dortigen prähistorischen Grabhügel gemacht (stattdessen nur von den wunderschönen Sandstränden), weil ich selbigen allen Ernstes für eine Bausünde der französischen Armee hielt. Mein Sensus für geschichtsträchtige Orte (in diesem Fall banausenhaft wie der von Obelix) scheint von den Sturmböen förmlich fortgeweht worden sein. Äußerst windig (es herrschten nahezu patagonische Verhältnisse) war es auch bei den Felsen des Heiligen Guénolé. Dessen Kloster in Landévennec wurde 913 von den Wikingern zerstört. Obendrein haben die Scharen aus den Norden auch gleich die Gebeinde des Heiligen verbrannt, die als Reliqueien verehrt wurden. Die Kirche hat daraus ihre Lehren gezogen: Wenn Mönche fortan überstürzt aus ihren Klöstern flohen, nahmen sie stets die Reliquien mit sich. Ebenso auf dem Programm standen überdies die Kirche Notre-Dame de Tronoan, deren Kalvarienberg der älteste der Bretagne ist und wo in heidnischen Zeiten die Göttin Venus verehrt wurde, sowie der Phare d'Eckmühl. Dessen Namen ist den Österreichern zu verdanken oder vielmehr, dass diese Napoleon mehrmals unterlagen: Deswegen kam nämlich ein französischer Genereal in Besitz dieses Orts - und seine Tochter hat später den Leuchtturm dem Gedenken ihres Vaters gewidmet.
Belle-Ile und Quiberon Ich habe eine Vorliebe für Inseln, liebe überdies schroffe Felsküsten und fahre gerne mit dem Schiff - Grund genug, heute den logistischen Kraftakt zu unternehmen und samt Auto mit der Fähre auf die Belle-Ile zu fahren. Dort war es - wie der Name zurecht verheißt - wunderschön, außerdem sehr einsam und windig. Während meinen Klippenwanderungen hatte ich zwei künftige Protagonistinnen im Kopf: Morana und Ameria. Ihre Namen klingen ähnlich, die Geschichten, in denen sie auftauchen werden, sind jedoch grundverschieden. Auf jeden Fall passt die Küste der Belle-Ile - wild, schroff, mächtig, feindselig, karg - wunderbar zu ihnen.
Locmariaquer und der Golf von Morbihan Allgegenwärtig sind rund um Locamariaquer und Carnac die Zeugnisse der Megalith-Kultur in Form von Menhiren, Dolmen oder dem sogenannten Tumulus. Welche Funktion diese Steinformationen einst vor vielen tausend Jahren hatten, ist bis heute nicht geklärt. Die Kirche hatte bei der späteren Missionierung jedenfalls eine eigenwillige Erklärung parat: Demnach wären die Steine römische Heiden, die vom Heiligen Cornély aufgrund ihres falschen Glaubens in selbige verwandelt worden wären. Gegen manchen, sehr unchristlich anmutenden Brauch hatte die Kirche freilich keine Chance: Frauen, die sich ein Kind wünschten, rieben sich offenbar - in der Hoffnung, dass das die Empfängnis erleichtern würde - jahrehundertelang an den Menhiren. Wem's gefällt... An diesen geschichtsträchtigen, geheimnisumwitterten Orten mag man meinen, dass ich jede Menge Inspiration für etwaige Mystery-Romane bekommen habe. In der Tat würde die Existenz der körperlich so starken Nephilim erklären, wie man seinerzeit die Menhire aufgerichtet hat. Doch wenn ich ehrlich bin, war ich heute in Gedanken vor allem auf den Osterinseln, wo wahrscheinlich eine weitere meiner Chile-Sagas spielen wird und wo es bekanntlich ähnliche Steinriesen gibt, die manches Rätsel um Entstehung und Bedeutung offen lassen.
Nantes Nach einer langen Zugfahrt (inkl. eines Zwischenstopps in Paris) bin ich in Nantes gelandet. Viel Zeit für eine Besichtigung blieb nicht, und morgen geht es schon mit dem Leihauto an die Küste - doch ich konnte die Abendstunden nutzen, um einen ersten Eindruck von dieser Stadt an der Loire zu gewinnen. Historische Interessierte werden beim Klang dieses Namens sofort an Henri IV. und das Edikt von Nantes denken. Ich hingegen habe eher die Wikinger im Sinn, die im 10. Jahrhundert nicht nur die Normandie heimsuchten, sondern auch die Bretagne, und die mehrmals Nantes überfielen. Der kurzlebige bretonische Wikingerstaat in den 20er Jahren des 10. Jahrhundert fand hier sein Herrschaftszentrum. Allerorts präsent ist in Nantes auch Anne de la Bretagne (1477-1514) - die letzte Herzogin der Bretagne, durch deren Heirat mit dem französischen König dieses Gebiet seine Unabhängigkeit verlor. Wenn ich Annes Namen höre, denke ich freilich weniger an die hohe Politik als vielmehr an die große Tragödie ihres Lebens: Von den 11 Kindern, die sie geboren hat, sind nur zwei erwachsen geworden - die anderen wurden tot geboren oder starben unmittelbar nach der Geburt. Dazu kommen diverse Fehlgeburten. Auch in einer Zeit, in der die Kindersterblichkeit sehr hoch war und man stets mit dem Schlimmsten rechnete, muss das ein bestürzendes Schicksal gewesen sein.
Recherchereise Die nächsten elf Tage werde ich unterwegs sein - hauptsächlich in der Bretagne und dann noch kurz in Paris. Dieser Trip wird gleich in zweierlei Hinsicht eine Techerchereise sein: Zum einen spielt (zumindest teilweise) der zweite Band meiner Historischen Trilogie in der Bretagne. Und auch wenn ich demnächst erstmal nur den ersten Teil abgeben werde und die Arbeit am zweiten erst im nächsten Frühling beginnen wird, ist es mir wichtig, schon jetzt viele Eindrücke und auch konkrete geschichtliche Informationen zu sammeln, um dann mehrere Monate damit schwanger zu gehen. Zum anderen habe ich Paris und die Bretagne als mögliche Schauplätze für Leah-Cohn-Fortsetzungen im Kopf. Das ist zwar noch nicht spruchreif - noch liege ich hier in Endzügen mit Band 2 -, doch nach diesem ist klar, dass Hallstatt als Handlungsort fürs erste ausgereizt ist. Wie immer werde ich an dieser Stelle eine Art Reisetagebuch führen, in dem ich von einzelnen Stationen berichte und Fotos einstelle. Ob und wie regelmäßig ich das tun werde, kann ich aber nicht versprechen - das ist vom WLAN-Angebot in den französischen Hotels abhängig. Zum Abschied an dieser Stelle noch die zwei neuesten Rezension von Leah Cohns "Kuss des Morgenlichts": Einmal aus der Frankenpost, und einmal aus Nautlius - Abenteuer & Phantastik. (Zweitere stammt übrigens aus der Feder meiner Autorenkollegin Olga Krouk, deren Romane "Schattenseelen" und "Nachtseelen" schon seit langem auf meinem SUB stehen.) Bestseller Ich freue mich über eine wirklich tolle Neuigkeit: Carla Federicos "Im Land der Feuerblume" hat es auf Anhieb auf die Bestsellerliste geschafft - und zwar auf Rang 23. Nachdem Leah Cohn ja immerhin zweimal "klopfen" durfte, habe ich es damit erstmals unter die Top 50 gebracht. Die Erfüllung, die ich beim Schreiben finde, lässt sich natürlich nicht mit Zahlen ausdrücken - ob diese nun die konkreten Buchverkäufe, ein entsprechendes Ranking oder die Höhe eines Vorschusses betreffen. Dennoch: Um besagte Erfüllung genießen zu können, sind dem Schreiben förderliche Rahmenbedingungen äußerst hilfreich - und zu diesen zählt nicht zuletzt der wirtschaftliche Erfolg eines Buchs. Und so sinnstiftend das Schreiben im stillen Kämmerlein an und für sich schon ist, bleibt doch das Ziel dieser Arbeit, möglichst viele Leser zu gewinnen. Tolle Verkaufszahlen sind zwar noch keine Garantie dafür, dass ein Buch gefällt - in jedem Fall aber, dass das Thema Interesse geweckt hat. Es gibt überdies einen weiteren Grund, warum mich diese Platzierung so sehr freut: In den Roman ist die eine oder andere Geschichte meiner Vorfahren mit eingeflossen. Und das Pseudonym "Carla Federico" habe ich gewählt, um meine verstorbenen Großväter Karl und Friedrich zu würdigen. Der Erfolg des Buchs ist für mich so etwas wie ein Ausrufezeichen hinter diesem Trachten, Erinnerungen an frühere Generationen lebendig zu halten und deren Lebensleistung Respekt zu zollen. Rezensionen In der Wetzlarer Neuen Zeitung gibt es eine Hörbuchkritik zum "Kuss des Morgenlichts": Nachzulesen hier. Auch in der Mai-Ausgabe des Liebesroman-Magazins "Love Letters" wird der Roman besprochen. Mehr dazu hier. Von Carla Federicos Seite gibt es ebenfalls etwas zu berichten: In der aktuellen Ausgabe des Hugendubel-Magazins "Büchermenschen" wird "Im Land der Feuerblume" unter den Topfavoriten des Lesesommers vorgestellt, nämlich hier. Außerdem befindet sich das Buch in der dazu gehörenden Werbebroschüre mit den Tb-Empfehlungen 2010: Hier ist eine Kopie davon. Tischlein deck dich! Wenn man für ein festliches Abendessen den Tisch deckt, geht man logischerweise der Reihe nach vor: Man schrubbt nochmal die Tischplatte ab, bügelt das Tischtuch und die Servietten, poliert Gläser und Besteck, legt alles auf seinen Platz, arrangiert die Blumen und Kerzen. Und erst wenn alle Gäste eingetroffen sind und an ihrem Platz sitzen, trägt man den ersten Gang auf. Leider hat das Romanschreiben mit Tischdecken wenig zu tun. Gerade zu Beginn des Buchs kann man eben nicht der Reihe nach vorgehen. Am einfachsten wäre es zwar, zunächst alle Protagonisten in Ruhe einzuführen, anschließend den Schauplatz zu beschreiben und eine Übersicht über die politischen Hintergründe zu geben, und erst dann - sobald die Eckdaten einer Geschichte etabliert sind - mit der Action loszulegen. Aber das wäre für den Leser vor allem eins: langweilig. Beim Romanschreiben muss man sich folglich zu etwas durchringen, was im Alltag nicht nur nicht üblich, sondern obendrein widersinnig ist: Direkt in medias res gehen. Unmittelbar in die Handlung einzusteigen und erst nach und nach den Rest erklären. Sprich: Das Hauptgericht auf den ungedeckten Tisch servieren. Den Boden zu wischen, noch ehe die Teppiche zur Seite gerollt wurden. Das Bett zu überziehen, solange noch jemand drin liegt. Die ungeschälten Kartoffel zu braten oder den ungeschälten Spargel zu kochen. Diesen Sprung ins kalte Wasser nicht zu wagen, ist ein typischer Anfängerfehler. Aber auch für fortgeschrittene Autoren ist die Versuchung, den Auftakt mit langatmigen "Erklärsequezenzen" zu gestalten, groß. Ich gebe zu, dass ich mich da immer wieder neu am Riemen reißen muss, ihr nicht zu erliegen - oder schlimmstenfalls teures Lehrgeld in Form von mehrmaligen Überarbeitungen zu zahlen habe. Blogbeiträge November 2009 |