Neue Rezi und nochmal neues Design Sommerpause Ich bin nun schon seit einigen Tagen auf Heimaturlaub in Österreich. Obwohl die Arbeit auch hier nicht ganz ruht, ist dies dennoch eine Art "Sommerpause", in der ich meinen Blog erstmal ruhen lasse - abgesehen von topaktuellen News-Meldungen, so es denn welche geben sollte. Neues Design Nach einigen Stunden, in der ich meinen Beruf als Autorin kurzfristig mit dem eines Webdesigners getauscht habe, präsentiert sich die Autorenseite von Leah Cohn in neuem Design. Ziel war eine etwas übersichtlichere Gestaltung - insbesondere in Hinblick darauf, dass ich in nicht allzuferner Zukunft den zweiten Band der Nephilim-Reihe ankündigen werde. Der Titel von selbigem wird übrigens "Der Fluch der Abendröte" lauten, Erscheinungstermin ist voraussichtlich Mai 2011. Das Cover ist in den nächsten Wochen zu erwarten, und ich bin schon sehr gespannt darauf. Caravaggio Heute jährt sich der 400. Todestag von Michelangelo Merisi, besser bekannt als Caravaggio. Ich habe mich intensiv mit diesem Maler beschäftigt und ihn in den Mittelpunkt eines meiner Romane (Katharina Tills "Sünde") gestellt. Als Mensch ist er mir nicht sehr sympathisch, als Mann wirkt er eher abstoßend, aber sein Selbstverständnis als Künstler empfinde ich in vielerlei Hinsicht als wohltuend. Wer heutzutage Kunst schafft, ob hohe oder kommerzielle, gerät oft in einen ideologischen Kampf - nachzulesen in fast jedem Autorenforum und in zig entsprechenden Blogs. Die Gräben dieses Kampfes sind so tief, dass, wer hineinfällt, nicht einfach nur einen verstauchten Knöchel, sondern ein gebrochenes Genick riskiert. Gerade im eindringlichen Beteuern, dass es sie nicht geben dürfte, werden gerade in Deutschland immer wieder unvereinbare Gegensätze heraufbeschworen: Auf der einen Seite steht das Wertvolle, Zeitlose, Kluge, Einzigartige der Kunst - auf der anderen Seite das beliebige Massenprodukt, seelenlos und aus monetären Interessen hingerotzt. Zwei Arten von Künstler repräsentieren diese Extreme: Der eine, der kompromisslos nur sich und den eigenen Idealen gehorcht, der andere (streng genommen gar kein "echter" Künstler), der den Ansprüchen anderer, sprich: dem Markt dient. Ersterer leidet jahrelang an wenigen Sätzen oder Bildern, weil große Kunst immer viel Zeit braucht, viele Qualen verursacht und wenig Geld bringt. Zweiterer "haut" seine Bücher/Bilder einfach raus und leidet auch - zwar nicht an der Armut, jedoch am steten Unterbieten der eigenen Ansprüche. Doch nun zu Caravaggio, der m.E. sehr leichtfüßig über diese Gräben hinweg springt und dessen zugegeben wenig schöner Tod nicht darauf zurückzuführen ist, weil er unsanft in selbigen landete: Caravaggio hat einen eigenen Stil entwickelt, der viele Maler nach ihm nachhaltig beeinflusst hat, aber er ist ihm nicht in jedem Gemälde treu geblieben. Er hat einige Bilder gemalt, weil er schlichtwegs Geld brauchte, und wenn er hinterher gekotzt hat, so einzig, weil er dieses Geld versoffen, verspielt oder vehurt hat, und nicht, weil ihm diese Auftragswerke peinlich gewesen wären. Viele hoch dotierte Angebote hat er wiederum ausgeschlagen, weil er gerade keine Lust darauf hatte - Geld hin oder her. Seine Bilder galten als skandalös, und manchmal hat er sich aufgrund der heftigen Reaktionen breit schlagen lassen, ein Motiv so oft neu zu malen und zu entschärfen, bis es dem Kunden zusagte. Bei anderen Bildern beharrte er auf seine Sichtweise - und nahm inkauf, dass sie wieder aus Kirchen verschwanden. Er hat zeitgenössische Künstler der Unfähigkeit und Feigheit bezichtigt, weil sie zu wenig Herzblut darauf verwendeten, originelle Wege der Kunst zu beschreiten - aber er selbst hat sein Blut oft lieber in Straßenschlachten und Rauferein verloren als vor der Staffelei. Dort verbrachte er nur sehr wenig Zeit, denn Caravaggio hat sehr schnell gemalt und nicht immer im nüchternen Zustand. Er war ein Exzentriker, ein eitler Gockel, ein Egomane, doch ich denke, er ist des Nachts häufiger von Liebhabern (Frauen wie Männer) wachgehalten worden, als von den tiefschürfenden Gedanken, ob und wie er seinem großen Talent gerecht wird. Mit seiner Disziplin- und Sittenlosigkeit, dem Exzessiven und Gewalttätigen kann ich wenig anfragen. Die Widersprüchlichkeit und Gleichzeitigkeit der Motive, die ihn antrieben, gefällt mir hingegen. Anekdoten Das Recherchieren für einen Roman hat viel mit wissenschaftlichem Arbeiten zu tun, aber eben nicht alles. Hier wie dort gilt es Fakten zu sammeln. Doch während sich diese Fakten in der Wissenschaft möglichst objektiv und neutral zu pr äsentieren haben, ist man als Romanautor stets auf der Suche nach skurilen Anekdoten, anhand derer man diese Fakten quasi "herunterbrechen", sprich: nüchternes Wissen in unterhaltsame Geschichten verpacken kann. Ein Beispiel: Wie schon im letzten Beitrag erwähnt, beschäftige ich mich zur Zeit intensiv mit der Medizingeschichte des 19. Jahrhunderts. Geprägt war diese v.a. durch enorme Fortschritte auf den Feldern der Bakteriologie und Virologie, die es ermöglichten, den Kampf gegen Volkskrankheiten wie Tuberkulose, Syphilis oder Diphterie aufzunehmen. Viele Mediziner setzten dabie auf das "try and error"-Prinzip: Sie erprobten Behandlungsmethoden nicht nur direkt an ihren Patienten, sondern oft auch an sich selbst, indem sie sich z.B. Seren spritzten und über körperliche Reaktionen genau Buch führten. Die wissenschaftliche Neugierde überwog dabei die Angst um schädliche Langzeitwirkungen. Diese weitverbreitete Mentalität, diese Mischung also zwischen Ehrgeiz, Mut, Leichtsinn und Skrupellosigkeit lässt sich gut mit einer Episode aus dem Leben des Dr. Moritz Schiff ausdrücken. Selbiger hat herausgefunden, dass die damals übliche Totalentfernung der Schilddrüse bei entsprechenden Krankheiten sehr negative Folgen zeitigte, weil die Schilddrüse offenbar irgendwelche ominösen, aber für den Körper lebensnotwendige Botenstoffe freisetzt. Zu dieser Erkenntnis kam er freilich erst, als er sich das Extrakt von Hundehoden injizierte und danach gesteigerte sexuelle Kräfte an sich feststellte - ein eindeutiger Beweis für das Wirken dieser Botenstoffe, auch als Hormone bekannt. Wie damals eine Schilddrüsen-OP ablief, werde ich bald vergessen haben - die Geschichte mit den Hundehoden wahrscheinlich nie. Auf der Jagd Wenn ich für einen Roman recherchiere, fühlt es sich manchmal so an, als wäre ich auf der Jagd und müsste mich durchs Dickicht quälen, um besonders scheue Tiere zu erlegen. Oder als würde ich Pilze suchen, die sich unter Blättern und Erde verstecken. Beides ist mühsam - aber beides schenkt ein unglaubliches Triumphgefühl, wenn man sein Ziel erreicht hat: sprich beim Wälzen von Unmengen an Bücherstößen das wesentliche Detail gefunden hat, das für die jeweilige Geschichte unverzichtbar ist. Nicht immer ist der Rechercheaufwand gleich hoch. Es gibt Themen, bei denen ich relativ rasch Antworten auf offene Fragen finde. Wenn ich z.B. über die Wikinger in Nordfrankreich lese, ist die größte Herausforderung, dass die meisten entsprechenden Werke auf Französisch abgefasst wurden. An sich ist diese Lituratr aber zahlreich vorhanden und übersichtlich sturkturiert. Dass mir das Thema bereits sehr vertraut ist, ist ein zusätzlicher Vorteil. Die Recherchen zu "Chile 3" gestalten sich hingegen als unglaublich anspruchsvoll. Zum einen muss ich mich mit Themen beschäftigen, zu denen ich nicht die geringste Affinität habe (z.B. den Abbau von Salpeter in der Atacama-Wüste, der zu Beginn des 20. Jahrhundert die chilenische Wirtschaft maßgeblich ankurbelte). Zum anderen gibt es zu vielen Themen so gut wie gar keine Literatur und man muss um mehr als nur eine Ecke denken, um zum Ergebnis zu kommen. Ein Beispiel: Wie wurdem um 1908 in Santiago de Chile Krankenschwestern ausgebildet? Diese Arbeit geht also über schlichtes Exzerpieren weit hinaus, ist quasi Recherche auf höchstem Niveau - aber genau das entfacht meinen Ehrgeiz bzw. meine "Beutegier". Thalia und CORINE Im aktuellen Magazin von Thalia wird u.a. auch "Im Land der Feuerblume" vorgestellt. A propos Thalia: Mein Roman hat es auch dort unter die Top 100 im Bereich Belletristik geschafft - nämlich auf Platz 46. Und noch eine gute Nachricht gibt es zu vermelden: Nachdem die Klassik Radio Hörer ihr Voting abgegeben haben, gehört "Im Land der Feuerblume" nun zu den fünf Nominierten für den Publikumspreis der CORINE 2010. Mehr dazu hier. Hitzewelle Schreiben ist wahrlich keine körperlich fordernde Tätigkeit, aber bei diesen Temperaturen ist selbst die geringste Bewegung - und sei es nur, in die Tasten zu hauen - schweißtreibend. Gut also, dass diese Tage nicht sonderlich arbeitsreich ausfallen: Leah Cohn Bd. 2 wurde bekanntlich noch vor dem Urlaub abgegeben, nun trat nach dem letzten Feinschliff auch der erste Teil der Historischen Trilogie seinen Weg ins Lektorat an. Jetzt gilt es noch ein paar letzte Korrekturen bei meinem Kinderbuch durchzuführen, ehe es langsam wieder nach Chile geht - und das passt irgendwie zum Wetter: Der dritte Teil spielt nämlich u.a. in der Atacama-Wüste, wo es noch heißer ist als hier... Ansonsten nutze ich die Zeit für Aufgeschobenes: Rechnungen schreiben, Umsatzsteuererklärungen ausfüllen - und auch mal die Fülle an Rezensionen, die sich unter diversen Autorennamen in den letzten Jahren angesammelt haben, zur sortieren und in einem eigenen Ordner abzuheften. Das sind halbwegs hitzefreundliche Tätigkeiten - ansonsten werden gegen die heutigen 37 Grad (!) bewährte Gegenmaßnahmen ergriffen: 1) Den Balkon meiden, weil dort akute "Röstgefahr" besteht. 2) Jede Tasse Kaffee mit einem Eiswürfel bestücken. 3) Alles Fette, Warme aus dem Speiseplan streichen und diesen hauptsächlich auf Erdbeeren und Wassermelone reduzieren. Blogbeiträge November 2009 |