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Burnout Nein, keine Angst, darunter leide ich noch nicht. Allerdings wird gerade in einem Forum über das Burnout-Syndrom unter Autoren diskutiert und wie es sich vermeiden lässt. In der Tat halte auch ich die schreibende Zunft für potenziell stark Betroffene. Zum einen liegt das daran, dass viele Autoren nicht hauptberuflich an ihren Romanen werken, sondern das mit Brotberuf und familiären Verpflichtungen zu vereinbaren haben. Zum anderen halte ich das Schreiben für sehr kräftezehrend - verlangt es doch so viel Hirn, Herzblut und Seele. Beispiel gefällig? Ich will mal meinen Brotberuf mit dem Autorenjob vergleichen. Morgen steht wieder mal ein Schnitttag in Köln an. Der Wecker wird zeitig am morgen klingeln; mit der S-Bahn geht es eilig zum Bahnhof, von dort an den Rhein. Im Zug werden noch die Konzepte überarbeitet. Dann wieder S-Bahn, Schnittstudio, mehrstündiges hochkonzentriertes Arbeiten mit dem Cutter, Fahrt zum Tonstudio, Vertonung mit Sprecher und Toningenieur, anschließend Fahrt zum Bahnhof, Rückfahrt nach Frankfurt, S-Bahn nach Hause. Kulinarisch betrachtet ist wohl Fastfood angesagt: eine Butterbreze zum Frühstück, ein Chinagericht zum Mittagessen. Mit Vitaminen ist es da eher mau bestellt. Im Vergleich dazu hört sich ein reiner "Schriftsteller-Tag" nahezu paradiesisch an: Ich stehe auf, wann ich will und gehe zu Bett, wann ich will. Ich arbeite etwa sechs Stunden am Text. Es bleibt genügend Zeit, in der Küche zu stehen und Gemüse und Obst zu schnipseln. Ja, sogar eine Tasse Kaffee auf dem Balkon ist drin und zwischendurch sind meine Pilates-Übungen angesagt. Ich kann zwischendurch fernsehen, lesen und im Internet surfen. Trotzdem: Der Schriftsteller-Tag ist für mich anstrengender, auch wenn das schwer zu erklären scheint. Auf dem Weg nach Köln ist alles vorgegeben. Beim Arbeit am Buch muss ich mir hingegen selbst den Rhythmus suchen und mich zu jedem Arbeitsschritt selbst motivieren. Im Schnitt und Tonstudio gibt es Cutter, Toningenieur und Sprecher, die Verantwortung mittragen. Bei meinem Buch bin es nur ich. Kollegentratsch lockert die Stimmung auf. Mit mir selber rede ich allerdings nicht und der Austausch mit meinen Protas ist nie einfach nur nett und lustig, sondern immer existenziell bewegend. Ein Pro7-Filmtipps ist das Ergebnis von Teamarbeit und ihre Qualität hängt nicht selten davon ab, wie Pro7 sein Programm gestaltet. Das Buch hingegen bin ich. Julia Kröhn. Jede einzelne Zeile. Fazit: Sich selber zu "verschenken" ist zehrender als nur seine Arbeitszeit.
Die Gefährtin des Medicus So lautete der Arbeitstitel des Provence-Romans - und bei dem ist es nun auch geblieben. Mittlerweile steht zudem der genaue Veröffentlichungstermin fest: Das Buch kommt - passend zur Ferienzeit, die manche Urlauber ja an die südlichen Schauplätze des Romans führt - im Juli 2009 auf den Markt. Diese Woche habe ich den Cover-Entwurf bekommen - und bin ziemlich begeistert. Die Frau, die darauf zu sehen ist, entspricht meiner Alais ganz wunderbar! Ein sinnlich-frivoler Wesenzug, die einfache Herkunft, aber vor allem die Fixiertheit auf den wichtigsten Mann in ihrem Leben - dem Cyrurgigus Aurel - kommen gut zur Geltung. Wenn der Entwurf erstmal die Vertreterkonferenz im Herbst passiert hat, werde ich ihn natürlich an dieser Stelle zeigen. Einstweilen geht es mit der Überarbeitung des Romans gut voran. Fast vier von insgesamt sieben Teilen sind abgeschlossen. Wenn ich - ca. Mitte August - mit dem Feinschliff fertig bin, folgt noch eine letzte Lesung in einem "Rutsch". Dann geht das Manuskript an meine zwei Testleser, und - sobald die anschließend noch notwendigen Korrekturen vorgenommen worden ist - ins Lektorat. Zeitdruck gibt es dabei keinen, weil der offizielle Abgabetermin erst Ende Dezember ist. Bis dahin werde ich wohl längst im nächsten Projekt stecken
Fortschritte Im Moment baue ich entweder IKEA-Regale zusammen oder verliebe mich neu in meinen Provence-Roman. Zu einem Drittel ist die Überarbeitung der Rohfassung nun abgeschlossen - eine zeitintensive, hochkonzentrierte Arbeit, die nur langsam voranschreitet, aber manch Glücksmoment mit sich bringt. Immer dann nämlich, wenn ich das Gefühl habe, auf eine wirklich "große Szene" zu stoßen. Ich finde, dieser Roman unterscheidet sich von vielen seiner Vorgänger. Meist steht die große "Lebenstragik" meiner Heldinnen am Anfang selbiger und wandelt sich erst langsam in eine erlösendere Sicht der Dinge. Dieses Buch hingegen hat trotz aller Dramatik und einer gewissen "Blutrünstigkeit" im ersten Drittel (geht es doch zuförderst um mittelalterliche Chirurgie) einen zunächst sehr heiteren Grundton. Die Protagonistin erscheint mir da nicht nur eigenwillig, sondern vor allem oberflächlich. Die Herausforderungen ihres Lebensthemas - der Suche nach Freiheit - ziehen sich erst nach und nach enger um sie wie ein Lasso. Diese "Verdichtung" gefällt mir, und das halte ich für gut gelungen. (Gerade in der Entstehungsphase eines Romans muss sich der Autor ja auch mal selber lobend auf die Schultern klopfen :-) Mal schauen, was später die Testleser dazu sagen werden.
Bücher Nichts schmückt meiner Ansicht nach eine Wohnung mehr als ganz viele Bücherregale (inkl. entsprechendem Inhalt natürlich ;-). Sind viele andere Pflichten, die ein Umzug und die Einrichtung einer neuen Wohnung mit sich bringen auch lästig, macht mir das Neusortieren meiner kleinen Bibliothek umso mehr Spaß. Unglaublich wie viel Mittelalterlektüre in den letzten Jahren zustande gekommen ist! Nicht ganz so umfangreich sind meine eigenen "gesammelten Werke". Bis ich damit ein ganzes Regal füllen kann, wird es wohl noch ein paar Jährchen dauern. Den zu diesem Zweck notwendigen Umfang bleibe ich übrigens nicht schuldig: Mein Provence-Roman legt bei der Überarbeitung noch mal ein paar Seiten zu anstatt abzumagern.
Simultan... ...überarbeite ich zur Zeit meinen Provence-Roman und gehe die lektorierte Fassung vom "Geständnis der Amme" durch. Dabei springe ich nicht nur zwischen zwei Epochen - Früh- und Hochmittelalter - hin und her, sondern zwei sehr unterschiedlichen Geschichten. Mein Karolingerroman ist - vielleicht von der nördlicheren Umgebung inspiriert - düsterer und tragischer; der Provence-Roman zwar nicht unbedingt "heiler", aber doch skurriler. Die Figuren aus ersterem können mich zu Tränen rühren, die aus zweiterem nicht selten zum Lachen. Eine gute Mischung also - und auch mein nächster Mittelroman, der in meinem Kopf langsam Konturen annimmt, soll wieder für entsprechende Abwechslung und Individualität sorgen.
Pferde Meine neue Wohnung bietet die optimale Geräuschkulisse für das Schreiben Historischer Romane. Autos sind so gut wie gar keine zu hören - stattdessen regelmäßiges Hufgetrampel und Wiehern der Pferde vom nahe gelegenen Reitstall. Wenn man die Augen schließt, könnte man sich glatt in vergangene Epochen zurückversetzt fühlen. Mit dieser "Atmo" im Hintergrund lassen sich anstehende Arbeiten gleich viel stimmungsvoller erledigen: Zum einen hat Kinderbuch Nr. 3 in den letzten Tagen seinen Feinschliff erhalten (da die Rohfassung relativ "rund" war, war das weniger arbeitsintensiv als erwartet). Zum anderen steht gleiche Nachbearbeitung beim Provence-Roman an. Allein schon seines Umfangs wegen wird das allerdings eine Sache von mehreren Wochen, wenn nicht sogar Monaten sein.
Leserunde Wen es interessiert: Unter www.leserunden.de findet gerade eine Leserunde zu meiner "Chronistin" statt. Wie immer trete ich sehr gerne in direkten Kontakt mit meinen Lesern, um detailliert das Buch zu besprechen. Ich denke, es gibt kaum eine bessere Möglichkeit, so "nahe" an seine Leser heranzukommen. Da es um die Chronistin geht, die oft zu polarisieren wusste, habe ich mich darauf gefasst gemacht, mich auch mal schützend vor meine - zugegeben: alles andere als liebe und leichte - Protagonistin zu stellen. Auch wenn ich die Beweggründe ihrer Untaten und ihr egozentrisches Wesen keineswegs gutheiße, ist es mir doch ein Anliegen, beides zumindest verständlich zu machen. Zu meiner Freude ist das bis jetzt noch nicht nötig. Aber noch fehlen ja zig Kapitel und somit zig der besagten Untaten ;-)
Vergleiche Marathonläufer (dieses Beispiel ist der Dichte dieser Sportlergattung in meiner Familie geschuldet) haben es leicht. Die Stoppuhr ist ein ebenso verlässlicher wie objektiver Verbündeter, wenn es darum geht, den Besten zu küren. Es gibt immer einen, der am schnellsten war, und einen, der als letzter ins Ziel kommt. Wenn jemand am Formtief leidet, von außergewöhnlichen Wetterbedingungen außer Schach gesetzt wird oder an Verletzungen laboriert, werden Sportlerkollegen ihn vielleicht bemitleiden - am Ergebnis ändert das nichts. In der Kunst verhält es sich ganz anders. Wer kann schon ein für allemal festlegen, ob ein van Delft der bessere Maler war als ein van Gogh, ein Caravaggio das größere Genie als ein Picasso? Man kann Details vergleichen, Ähnlichkeiten und Unterschiede festmachen - doch ein Ranking lässt sich nicht so ohne weiteres festlegen. Ähnlich ergeht es Autoren, wenn sie sich untereinander vergleichen. Die Kriterien für die Qualität eines Buches und noch mehr jene, die seinen Erfolg ausmachen, sind extrem irrational. Wenn Kollege A mehr Vorschusshonorar erhält als Kollege B - ist er dann der bessere? Wenn einer mit dem ersten Buch in die lichten Sphären des Bestsellerhimmels hochschießt, wohingegen ein anderer noch mit dem zehnten auf der untersten Treppe der Karriereleiter hocken bleibt - ist er dann der bessere? Und kann man einen spannenden Thriller nach gleichen Gesichtspunkten bewerten wie einen farbenprächtigen historischen Roman? Nicht zwangsläufig, und genau diese Unberechenbarkeit des Literaturmarkts, zugleich aber auch die Vielfalt von Genres und Qualitätskriterien können nicht selten auch zu negativen Gefühlen führen: zu Frustration, zu Neid, zu Missgunst. Bis zu einem gewissen Grad halte ich es für unerlässlich, sich mit anderen Autoren zu vergleichen, zu analysieren, was diese in ihren Büchern anders oder vielleicht sogar besser machen, die unterschiedlichen Möglichkeiten auszutarieren, am Buchmarkt Fuß zu fassen. Doch zu einer Obsession darf das m.E. nicht werden. Manchmal gilt es vielmehr, sich gänzlich davon frei zu machen, sich hinter den Laptop zu setzen und ganz alleine zu sein: mit sich und der Geschichte, die kein anderer, nur man selbst auf diese Weise, nämlich auf unvergleichliche Weise erzählen kann.
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