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Vampire Zur Zeit gönne ich mir den Luxus, mal 1 1/2 Tage blau zu machen, was angesichts meiner weitgehend wochenend- und feiertagslosen Lebensgestaltung eine Ausnahme ist - und zugleich sehr notwendig: Denn auch ich erreiche hin und wieder den Punkt, wo ich nicht einfach nur zu müde zum Schreiben, sondern zu müde zum Denken bin. Diesen kurzen Break vom Autorenalltag nutze ich, um mich mit zwei weiteren Ablegern des aktuellen Vampirtrends zu beschäftigen: Der Fernsehserie "Vampire Diaries", die auf Pro7 läuft, und dem ersten Band der House-of-Night-Reihe von P.C. Cast. Zwar ist von meiner Seite nicht geplant, diesen Trend künftig auch zu bedienen - aber als Leah Cohn bewege ich mich bekanntlich innerhalb der Parameter dieses Genres: Normale Menschen treffen auf Unsterbliche / Lovestory zwischen den Repräsentaten zweier unterschiedlicher "Rassen" / Uralter Kampf von Gut und Böse / Tragisches Lebensgefühl der vermeintlich Verfluchten / Diverse Superhelden-Eigenschaften, die erst nach und nach offenbar werden usw. Da gibt es also die ein oder andere Inspiration. Lustig fand ich, dass der Vampir-Bösewicht aus "Vampire Diaries" fast denselben Satz ausspricht wie ich ihn auch meinem Antagonisten in den Mund gelegt habe. Auf den Einwand, dass es nicht besonders nett sei, jemanden zu töten, sagt Damon (Pro 7): "Es sind ja nur Menschen!" und Caspar (Leah Cohn): "Es geht doch nur um einen Menschen, nichts weiter." Neuer Werkstattbericht Es scheint wieder einmal ein kleines Up-date darüber fällig, womit ich gerade beschäftigt bin: Die Arbeit an Chile-Saga Nummer 2 ist nun endgültig abgeschlossen. Vor der Abgabe an den Verlag wird sie von einer Testleserin noch einmal auf Rechtschreib- und Grammatikfehler durchforstet. Ich selbst bin unterdessen von Südamerika wieder nach Europa zurückgekehrt, genauer gesagt nach Nordfrankreich, wo bekanntlich meine historische Trilogie spielt. Die Recherchen sind - zumindest fürs erste - abgeschlossen. Während des Schreibprozesses werden immer noch offene Fragen auftauchen und dann geklärt werden müssen. Vorerst aber gilt es nun, die Rechercheergebnisse ins schon vorhandene "Plotgerüst" einzutragen und aus beiden Zutaten - der erfundenen Geschichte und den historsichen Fakten - ein möglichst harmonisches Ganze zu machen. In diesen vorläufigen "Szeneskizzen" bleibt zwar vieles offen, was erst beim späteren Schreibprozess konkretisiert werden wird, aber der Fahrplan ist bereits festgelegt, sprich: es wird immer klarer, wohin der Zug geht, wo er hält, wie viele Waggons er hat und welche Passagiere er mitnimmt. Und zugleich wird das Schienennetz noch einmal gecheckt, damit es später nicht zu (dramaturgischen) Entgleisungen kommt. Diesen ganzen Prozess - Grobplot, Recherche, Einfügen der Recherche, Feinplott - mache ich schon für alle drei Bände. Das ist vor allem aus zeitökonomischen Gründen sinnvoll: Da es um ein- und dieselbe Epoche geht und die meisten Quellen und Fachbücher, die ich lese, für alle drei Bände relevant sind, wäre es unsinnig, die Recherchen voneinander abzugrenzen. Auf diese Weise ist mir der politische, alltags- und mentalitätsgeschichtliche Backround wiederum so präsent, dass es ebenso ratsam ist, dieses Wissen schon jetzt für die Plotarbeit zu nutzen und nicht darauf zu warten, bis ich es vergessen habe und mich dann erst wieder mühsam in meine Notizen einarbeiten muss. Der letzte Grund für diese Vorgangsweise ist schließlich, dass es ein paar durchgängige Protagonisten gibt, die in allen Bänden auftauchen, und ihre Geschichte sich zu einem ungleich homogeneren Ganzen zusammenfügt, wenn sie in einem Rutsch durchdacht wird. Für jemanden, der nicht mal ein Buch im Voraus plant, sondern wild aus dem Bauch heraus drauf losschreibt, mag es natürlich unvorstellbar sein, schon so weit im Voraus die Eckdaten einer Geschichte zu bestimmen. Aber das ist eine Typfrage. Es gibt schließlich auch Leute, die am ersten Urlaubstag mit gepacken Koffern zum Flughafen fahren und schauen, welche Lastminute-Reise noch buchbar ist, und andere, die schon im Januar die Hotelkataloge für den nächsten Weihnachtsurlaub wälzen. Hier gilt wie so oft: Chacun à son goût! Alleinsein Ich muss gestehen, dass ich in diesem Moment ein wenig mit der "Blog-Faulheit" geschlagen bin. Das liegt daran, dass nach dem abwechslungsreichen Dezember die Tage nun wieder üblicher Arbeitsroutine folgen und die ist - von Außenstehenden aus betrachtet - nicht besonders spannend. Ich gehöre nunmal zu den Autoren, die keine kreativen oder sonstwie aufregenden Exzesse bieten können, sondern die Thomas Mannsche Strukturiertheit (selbiger ist für seinen starren Arbeitsrhythmus schließlich bekannt) samt einhergehendem Unwillen zur Flexibilität an den Tag legen. Diese gleichförmige Tagesgestaltung geht nicht selten mit einer Einigelungstendenz einher - und dieses Eremitentum, das für andere eher als Strafe gelten würde, ist für mich einer der schönsten Nebeneffekte meines Jobs. Regelmäßiges Alleinsein ist für mich kein Opfer, das für den Autorenberuf erbracht werdne muss (von ein paar Autorenpaare abgesehen, sind die wenigsten von unsereins Teamplayer), sondern verspricht Genuss und Erholung. Und es ist für mich auch die Voraussetzung, um meine "Abenteuer im Kopf" erleben zu können. Natürlich gilt hier keine Ausschließlichkeit. Um mich hier noch einmal auf einen Dichter mit Vornamen Thomas (diesmal aber Bernhard und nicht Mann) zu beziehen: Der sagte mal, dass für sein Schreiben der Wechsel von aktivem Stadtleben und zurückgezogenem Landleben unabdingbar sei. In Geselligkeit würde sein Kopf mit diversen Eindrücken vollgestopft werden - in der anschließenden Eremitenphase dann wieder leerrinnen. Und irgendwo in diesem Prozess des Rein und Raus' fließen dann auch die Geschichten. Lieblingsszenen Bekanntlich beschäftige ich mich gerade mit dem letzten Schliff der Chile-Sage Nr. 2 - und freue mich immer ganz besonders, wenn ich beim Durchlesen/Durcharbeiten auf jene Szenen stoße, die sich als meine Lieblingsszenen herauskristallisiert haben. Welche zu einer solchen taugt, ist beim Plotten noch völlig unklar, und meistens merkt man es nicht einmal beim Schreiben, dass gerade eine ensteht. Doch wenn die Rohfassung erstmal vorliegt, erkennt man nach und nach die "Highlights" des Romans - Szenen, die nicht nur als besonders gelungen erscheinen, sondern mich als Autorin selbst tief berühren. Szenen, bei denen ich heulen könnte oder bei denen ich das Gefühl habe: Ja, diese Geschichte ist großartig geworden! Ich habe mir nun überlegt, ob alle Lieblingsszenen aus eigenen oder auch fremden Büchern etwas gemein haben - ob es also ein Grundmuster gibt, das dahinter steckt, ein ganz bestimmtes Motiv, das immer wieder aufs Neue rührt. Ich glaube ja. Zumindest mich persönlich bewegt es immer dann am meisten, wenn ein Mensch - aus welchen Gründen auch immer - über sich hinauswächst und Facetten seines Wesens zeigt, die bis dahin brach lagen. Das kann in ganz unterschiedlichen Situationen sein - Gänsehaut ist aber immer garantiert: Wenn die ängstliche, geduckte Frau, die jahrelang vom Mann drangsaliert wird, plötzlich den Rücken strafft und sich sagt: Jetzt ist genug. Wenn im Opportunisten, der bis dahin leichtfertig einem diktatorischen System dient, plötzlich die Stimme des Gewissens laut wird und er weiß: So kann ich nicht weitermachen. Wenn der vermeintlich emotionslose, harte, skrupellose Großvater beim Anblick seines Enkelkindes plötzlich wieder tiefe Gefühle erlebt. Wenn ein Paar, das vom Stolz und Trotz davon abgehalten wurde, seine Liebe zu bekennen, sich am Ende doch zur Ehrlichkeit durchringt - und sich verletzlich gibt. Diese Liste könnte endlos fortgesetzt werden - der Grundduktus ist der gleiche: Es geht darum, sich zu überwinden, über den eigenen Schatten springen, verkrustete Denkmuster aufzubrechen, die Wahrheit zu erkennen und danach zu handeln, kurz und gut: ein "ganzheitlicher" Mensch zu werden. Zugegeben: Gerade bei den oben angeführten Beispielen ist die Kitschgefahr unendlich groß und liegt das Abdriften in Plattitüten so bedrohlich nah. Doch wenn sich diese umschiffen lassen, die Gefühle des Protas ebenso "echt" rüberkommen wie die Gefühle, die im Leser ausgelöst werden, dann sind das schlichtweg "große" Szenen. Wieder mal Chile Nach meinem Weihnachtsurlaub in Österreich, bin ich nach Frankfurt zurückgekehrt, wo erstmals keine neuen Reisen anstehen - ausgenommen natürlich jene, die in meinem Kopf stattfinden. Was diese anbelangt habe ich dem Pendeln zwischen Nordfrankreich (für die historische Trilogie) und dem Hallstättersee (für Mystery 2) vorerst eine Ende gesetzt und statt dessen zwei Ozeane zurückgelegt: Zur Zeit befinde ich mich wieder mal in Chile, genauer gesagt in Patagonien, wo der zweite Teil meiner Saga angesiedelt ist. Nach der Fertigstellung im September ruhte das Manuskript für einige Monate - nun gilt es, die Anmerkungen meiner Testleser einzuarbeiten und dem Text vor Verlagsabgabe den letzten Schliff zu geben. A propos Chile: Zu "Im Land der Feuerblume" wird es eine Leserunde bei den Büchereulen geben, zu der man sich schon jetzt anmelden kann - und zwar hier. Blogbeiträge November 2009 |