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Blogbeiträge Februar 2010


25. Februar

Shippers

Ich bin bekennender Serienjunkie: Die frisch aus den USA heruntergeladene Folge meiner Lieblingssendung zu gucken wird - nach Absolvierung von Schreib- und Sportprogramm - oft zum Tageshighlight; beim Hanteltraining gibt's nebenbei auch schon mal eine Dailysoap. Da ich obendrein ein neugieriger Mensch bin, treibe ich mich hin und wieder sogar in Spoilerforen rum, um herauszufinden, wie es weitergeht. Dort trifft man wiederum nicht nur auf Prognosen, sondern auch auf ein interessantes Phänomen: das der "Shippers", der Internetuser also, die nicht nur Fan einer bestimmten Serie, sondern eines der dortigen Liebespaare sind. Seitenlang spekulieren sie darüber, wie, ob und wie lange besagtes Traumpaar zusammen kommen wird respektive bleibt.

Ich finde die Inbrunst spannend, mit der sämtliche Aspekte dieser Liebschaften durchgekaut werden - nicht selten inklusive nahezu ideologisch anmutender Zerwürfnisse von entsprechenden Shippers (so gibt es z.B. die Hameron-Fraktion, die Dr. House vorzugsweise mit Cameron zusammensieht, und andere, die für Huddy plädieren - also House und Cuddy -, und zwischen diesen Parteien herrscht nicht selten ein regelrechter Krieg). Besonders faszinierend ist für mich zudem, dass es bei weitem nicht jedes Serienpaar zu dieser Verehrung bringt. Als jemand, der in seinen Büchern ja auch immer mal wieder ums Thema Liebe kreist, frage ich mich: Warum gibt es im GZSZ-Forum nur ein paar Dutzend Statements zu Dominik und Jasmin, aber derer zigtausend zu Lenny und Carsten? Warum gibt es für manche dieser TV-Paare eigene Homepages (z.B. Neela und Ray aus ER), während andere nicht weiter beachtet werden? Und lassen sich daraus Rückschlüsse ziehen, wie die perfekte Lovestory (also solche mit Kreisch-, Schluchz- und Ohnmachtsalarm) funktoniert?

Zunächst einmal kann man m.E. die Gesetze des Fernsehens nicht so leicht auf Romane übertragen, da die visuelle Darstellung einen ganz anderen Sog entwickeln kann als die sprachliche vice versa. Außerdem spielt bei diesen TV-Paaren die Chemie der entsprechenden Schauspieler eine nicht unwesentliche Rolle. Und dennoch glaube ich einen gemeinsamen Nenne festzumachen, der bei fast allen der extrem beliebten Paare irgendwo zutrifft: Die Liebe ist hier eher einen Stör- als Komplementärfaktor.

Sprich: Wenn sich die Schmuckdesignerin zur Küste Cornwalls aufmacht, hat sie eigentlich alles, nur eben nicht den Traummann. Dass sie den schließlich findet und er ihr an Schönheit, beruflichem Erfolg und gesellschaftlichem Rang in etwa ebenbürtig ist, wird manche Zuschauerin warm ums Herz werden lassen - zu nahezu hysterischen Ausbrüchen von Shippers wird das hingegen nicht führen. Denn diese Art von Liebe gehört zum Lebensplan. Sie muss ein paar Hindernisse überwinden, aber letztlich erfüllt sie vor allem ein Kriterium: den Single, der auf der Suche ist, komplett zu machen. Sie bringt manches durcheinander, aber sie stellt die Grundfesten der Persönlichkeit nicht in Frage, sie hat weder therapeutischen noch (selbiges in religiöser Sprache ausgedrückt) erlösenden Charakter. Sie ist sozusagen politisch durch und durch korrekt. Ganz anders verhält sich das bei einer Liebe, bei der es nicht nur die/den intrigante/n Gegenspieler/in schadlos zu machen, sondern die inneren Barrieren zu überwinden gilt. Diese Liebe muss ein verhärtetes Herz erst quälend langsam aufbrechen lassen, in einem Egoisten erst nach und nach und mit vielen Rückschritten Verantwortungsgefühl erwecken, ein strukturiertes Leben mit ziemlicher Wucht, ja nahezu brutal aus der Bahn werfen. Nicht selten negiert diese Liebe auch grundlegende Prinzipien, die bisher das Leben des Protagonisten bestimmten - sei es seine Abscheu vor Homosexualität oder den Vorsatz, seinem Ehepartner immer treu zu bleiben. In dieser Form ist Liebe kein Heile-Welt-Requisit, sondern mit Schuld und Scheitern und Angst und Verzweiflung, aber eben zugleich mit Hoffnung und Sehnsucht behaftet.

Kommen bzw. bleiben sie zusammen?, lautete die Grundfrage der meisten Shippers. Sie kann wohl auch so übersetzt werden: Gibt es tatsächlich diese absolute, ebenso zerstörerische wie erneuernde und in jedem Fall zutiefst faszinierende Macht, die auch mein Leben bis ins Letzte erfassen und mitreißen könnte?


19. Februar

Technik und Gefühl

Eiskunstlaufen ist die einzige Sportart, die mich so begeistert, dass ausnahmsweise auch ich mal Eurosport einschalte. Selbstverständlich verfolge ich darum die entsprechenden Wettkämpfe bei den Olympischen Spielen in Vancouver. Bei den Herren wurde Ewan Lynacek Olympiasieger - ganz knapp vor Evgeni Pluschenko, dem eigentlichen Favoriten. Wiedie meisten Kommentatoren bin ich mit dieser Entscheidung nicht ganz einverstanden: Lynacek mag zwar das künstlerisch "rundere" Programm abgeliefert haben - aber ein 4-Fach-Sprung, wie ihn sein Konkurrent fehlerfrei aufs Eis legte, fehlte in seiner Kür. Und damit hat er m.E. die Goldmedaille nicht verdient. Was Eiskunstlaufen betrifft, sage ich ganz klar: Technik geht vor Gefühl, sportliche Höchstleistung vor der Kunst.

Beim Lesen sieht das ganz anders aus. Immer wieder gibt es Bücher, bei denen es sprachlich und dramaturgisch haken mag, und die dennoch die Seele berühren. Bücher, die es hinsichtlich ihrer literarischen Wertigkeit nie in den Kanon großer Werke schaffen und die dennoch lange und nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Bücher, bei denen - um in der Sprache des Eiskunstlaufs zu bleiben - die "technischen Komponenten" nicht die Höchstnoten einbringen, umso mehr jedoch die B-Note.

Warum das ist? Ich glaube aus zweierlei Gründen.
Beim Eiskunstlaufen, wie auch generell beim Sport, haben am Treppchen nur wenige Platz und es gibt nur einen Lorbeerkranz zu vergeben. Da muss es, um Ungerechitgkeiten vorzubeugen, klare Definitionen geben, was eine Top-Leistung ist und was nicht. In der Kunst lässt sich Qualität ungleich facettenreicher bewerten, weil auf ein endgültiges Ranking verzichtet wird. Dass perfekte Technik allein nicht ausreicht, um gekonnt auf der Klaviatur der Gefühle zu spielen, liegt m.E. wiederum daran, dass sich im Sport eine Elite trifft - fiktive Geschichten hingegen Realität und somit auch Mittelmäßigkeit spiegeln, sie also in einer Welt stattfinden, die sich fernab von Superlativen vollzieht.


15. Februar

Wunderkind

Die Kulturseiten in Zeitschriften und diverse Autorenforen scheinen momentan nur um ein Thema zu kreisen: Helene Hegemanns Roman "Axolotl Roadkill", die Plagiatsvorwürfe, die Rolle, die der Vater beim Medienspektakel spielt, und die Frage, ob das alles nun Sensation oder Skandal ist und ob die Literaturkritiker nun echte Kenner oder vielmehr Höflinge des nackten Kaisers sind, die die nicht vorhandenen Klamotten preisen. Was mich persönlich in diesem Kontext am meisten ärgert ist der Begriff "literarisches Wunderkind". Er erscheint mir nämlich als völlig absurd.

Ja, es gibt - egal ob in der Kunst, in der Wissenschaft oder im Sport - Menschen, die von Natur aus besser sind als andere. Die etwas schneller lernen und darum etwas schneller können. Die beim Eiskuntlaufen in Nullkommanichts den dreifachen Achsel draufhaben, die im Vorbeigehen eine Symphonie komponieren und die in Sekundenschnelle (und ohne Taschenrechner) sechstellige Zahlen multiplizieren. In diesem Kontext von Genie oder eben Wunderkind zu sprechen geht in Ordnung. Ebenso stimme ich der Behauptung zu, dass manche Menschen ein größeres Talent zum Autor haben als andere, dass sie dramaturgische Strukturen müheloser durchschauen und mit Sprache so leichthändig zu jonglieren imstande sind wie andere mit fünf Bällen. Das mag ungerecht erscheinen, aber wir sind nunmal nicht alle gleich: Wir kommen mit einem unterschiedlichen IQ zur Welt und mit einer unterschieldich ausgeprägten Anlage zur Cellulite.

Dennoch: Literatur ist m.E. viel mehr als ein Produkt von "Gutschreibenkönnen" (so dies denn überhaupt noch ein Kriterium dafür ist, ein Werk in die Bestsellerlisten zu pushen). Und die Basis dafür, dass man nicht nur seine persönlichen Erlebnisse auskotzt, sondern kraft seiner Fantasie ein Drahtseil über den Alltag spannen kann, um darauf zu tanzen, bietet nicht zuletzt die Lebenserfahrung. Menschen zu durchschauen, sich selbst zu reflektieren, Gefühle in all ihren Facetten zuzulassen und zu erleben, sich an den großen Fragen der Menschheit abzuarbeiten - warum bin ich, wozu bin ich, wie habe ich zu sein und worauf läuft es hinaus? - das alles macht diese Lebenserfahrung aus und das alles ist nichts, für das es einen Schnellkurs gibt. Für all die"Fertigkeiten", zu denen man es auf diesem Terrain bringen mag, haben die Götter nun wirklich kein Ausnahmetalent zu verteilen, sondern vor dem Preis den Schweiß gesetzt.

Selbstverständlich will ich die Lebensweisheit nicht ausschließlich am Alter festmachen: Es gibt bornierte 70jährige, die nie erwachsen geworden sind und überaus weise junge Menschen. Aber Teenager sind es nicht - und sollen, ja dürfen es m.E. auch nicht sein. Egal, ob sie nun Drogen konsumieren oder Sex in allen Varianten praktizieren - beim Flug ins Erwachsensein gibt es keine Concorde, die die Schallgeschwindigkeit überschreitet. Und die Basis für wunderbare, wenn auch nicht Wunderkinder-Literatur ist m.E. das Erwachsensein und das Weiterhin-Wachsen-Können des Autors.


13. Februar

Bösewicht

Chile-Saga Nr. 2 ist mittlerweile nochmal auf Schreibfehler gecheckt, entsprechend korrigiert und nun beim Verlag abgegeben worden. Ich bin gespannt auf ein erstes Feedback. Unterdessen geht es rasant mit der Trilogie weiter. Die Plotphase (für alle drei Bücher) ist abgeschlossen, nun ist das Schreiben (am ersten Band) in vollem Gang: Auf knapp 70.000 Wörter ist das Manuskript bereits angewachsen.

Obwohl die Halbzeit somit bald überschritten ist, hält die Lust am Schreiben unvermindert an. Das liegt zum einen daran, dass mir dieser Stoff schon seit vielen Jahren unter den Nägeln brennt, zum zweiten, dass ich mich nach längerer Unterbrechung wieder auf vertrautem Mittelalter-Terrain breit machen kann, und zum dritten am Bösewicht dieses Buchs. Für gewöhnlich bevorzuge ich ja tragische Antagonisten -also solche, die nicht durch und durch böse sind, sondern im Grunde des Herzens ihrer Erlösung harren. Dieser T (ich nenne ihn mal nach dem Anfangsbuchsstaben seines Namens) ist da anders: nämlich eine wahrhaft verkommene Seele, und das auf eine sehr anarchische, kranke, durchgeknallte Art.

Je mehr Zeit ich mit ihm verbringe, desto weniger kann ich mich seiner Faszination entziehen. Im wirklichen Leben kann ich gut und gern auf sie verzichten - aber als Autorin habe ich ohne Zweifel eine großer Schwäche für die "bad guys".


8. Februar

Buchtrailer und Lesung

Neues gibt es von der "Leah-Cohn-Front" zu berichten: Zu "Der Kuss des Morgenlichts" gibt es nun auch einen Trailer, den Sie hier sehen können (einfach rechts auf den entsprechenden Link klicken).

Zudem steht der Termin für die erste Lesung fest: Sie findet am 20.04.2010 um 19.00 im Rahmen der Vattenfaller Lesetage in Hamburg statt. Genaue Infos finden Sie wie immer unter der Rubrik Termine. In jedem Fall freue ich mich auf einen Abstecher in die Hansestadt.


3. Februar

Besucherrekord

Im Januar wurde meine Homepage von so vielen Usern aufgerufen wie noch nie zuvor - insbesondere mein Blog verzeichnet mit 3000 Aufrufen einen neuen Rekord. Auch wenn ich nicht ganz so viel Zeit darauf verwende wie aufs Verfassen meiner Bücher - jede Menge Leser freuen eine Autorin natürlich immer ;-)
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich für Ihr Interesse, meinen Arbeitsalltag zu begleiten, bedanken!

Ansonsten muss ich mich heute kurz fassen. Ich bin mal wieder in Köln, um neue Pro7-Filmtipps zu schneiden - darunter einen für den gefühlten 100. Film, in dem ein abgewrackter Sportstar im Knast landet, dort die Häftlingsmannschaft trainiert und selbiger wie sich selbst diverse Werte und neuen Lebenssinn vermittelt. Und natürlich gewinnt seine Mannschaft am Ende - ganz knapp und hochdramatisch - das Spiel. Nichts, was vom Hocker reißt... Allerdings ist es immer wieder lehrreich, Dramaturgiemuster - und seien sie noch so schlicht und vorhersehbar - zu entschlüsseln.


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