|
Das erste Drittel Die - im übrigen pannenfreie Lesung mit einem sehr interessierten, fachkundigen Publikum - war nicht das einzige Highlight in dieser Woche. Gestern fand das andere - ganz still und heimlich - am häuslichen Schreibtisch statt: Mein Provence-Roman ist auf über 50.000 Wörter angewachsen. Und das ist etwa ein Drittel seines angestrebten (und ca. 600 Buchseiten umfassenden) Gesamtvolumen. Ein Drittel, die Hälfte, zwei Drittel - das sind die für mich entscheidenden "Marken", deren Überspringen immer ein Grund zur Freude und auch ein wenig zum Belohnen ist (heute z.B. mit einem "schreibfreien" Tag und einem Stadtbummel trotz Nieselregens). Jetzt mag natürlich die überraschte Frage auftauchen: Du hast doch erst vor einem Monat zu plotten und zu schreiben begonnen? Ist der Roman etwa in zwei weiteren Monaten fertig? Nun, hier gilt es zu relativieren: Die Arbeit an diesem Roman dauert in Wahrheit schon viel länger, und damit meine ich nicht nur das Recherchieren, sondern die dazugehörige "Kopfarbeit". Das Niederschreiben vieler Plotideen, die sich da über Monate entwickelt haben, geht meistens sehr schnell vonstatten. Was hingegen das eigentliche Schreibtempo anbelangt, habe ich die Erfahrung gemacht, dass das erste Drittel am schnellsten und am leichtesten von der Hand geht. Nicht nur, weil mich die "Energie des Anfangens" antreibt, sondern weil ich - wie hier schon erwähnt - nicht chronologisch schreibe und grade zu Beginn vor allem viele Schlüsselszenen entstehen. Und diese "emotionalen Highlights" des Romans fallen mir grundsätzlich leichter als der Rest. Also: Alais, Aurel und Emy werden mich schon noch ein langes Stück auf Trab halten. Aber zumindest habe ich jetzt das Gefühl, auf einem Fundament zu stehen und nicht mehr auf nackter Erde.
Lesungen Wie vor jeder Lesung, stelle ich mir auch für heute Abend mögliche "Worst-Case-Szenarien" vor. Ich bin für Lampenfieber zwar nicht sonderlich anfällig - durchaus aber fantasievoll, wenn ich mir ausmale, was alles schief gehen könnte. Und das ist bei etwa einstündiger Alleinunterhaltung viel: Schluckaufattacken, Hustenanfälle oder Lachkrämpfe gehören ins Repertoire des stets Befürchteten, Gottlob aber bislang noch nie Eingetroffenem. Unabhängig davon habe ich mit meiner bisherigen "Lesungskarriere" schon manch Skurriles erlebt: Verkleidete Narren an Weiberfasnacht zum Beispiel, die interessiert in die Buchhandlung lugten. Was an sich ja nicht weiter schlimm gewesen wäre. Nur dass dann einer dieser Narren zusammengebrochen ist, die Rettung kommen musste und direkt vor der Buchhandlung mit lautem Tuten hielt. Was zur Folge hatte, dass ich und meine Chronistin kurzwährend die Aufmerksamkeit des Publikums verloren, weil dieses gebannt nach draußen starrte. Es kann natürlich noch viel schlimmer kommen: Mit Schrecken denke ich an eine Lesung vor fast zehn Jahren in Kiel zurück. Damals war ich Künstlerstipendiatin im Kloster Cismar und schrieb noch keine Historischen Romane, sondern Texte über den Holocaust. Einen solchen sollte ich bei der Nacht der Museen vortragen. Was ich allerdings nicht wusste: Ich war die Notlösung. Eigentlich war ein bekannter deutscher Comedian eingeplant, der leider kurzfristig abgesagt hatte, und viele Zuschauer strömten herbei, um diesen zu sehen. Jetzt kann man sich leicht vorstellen, was geschah: Statt der Prominenz eine unbekannte Österreicherin. Statt Klamauk Holocaust. Das erste Drittel ging schon bei der Begrüßung, das zweite als ich zu lesen anfing, der Rest bei der Pause. Nein Stopp: Drei Menschen hielten es bis zum Schluss aus und applaudierten sogar herzlich (oder mitleidig - je nach Standpunkt des Betrachters). Drei von etwa fünfzig! Wenn man so etwas erlebt hat, weiß man zumindest eins: Der absolute Härtetext wurde bestanden. Nach so einem Alptraum kann es einfach nur mehr bergauf gehen (was bislang auch der Fall war).
Terminänderung Eine dringende Durchsage in eigener Sache: die morgige Lesung findet nicht um 20.00 statt, sondern beginnt schon um 19.30! Morgen dann nochmals mehr zu diesem Thema...
Lesung und Coversuche Neben dem üblichen Tagespensum - im Moment schaffe ich es ganz gut, sogar über die festgesetzten 1.500 Wörter pro Tag hinauszukommen -, gilt es in diesen Tagen auch die Lesung vorzubereiten, die am Mittwoch in Frankfurt stattfindet (nähere Informationen finden Sie unter dem Link Termine). Ich habe bereits zwei Mal aus der "Tochter des Ketzers" gelesen, sodass das Konzept grundsätzlich steht, doch um es für mich spannend zu machen, versuche ich immer ein bisschen zu variieren. Ich habe deswegen eine neue Szene aufgenommen und dafür eine andere gestrichen. Zwischen den einzelnen Lesungssequenzen sind zudem "Erklärstücke" geplant: Nicht zuletzt zur Auflockerung erzähle ich etwas über die historischen Hintergründe des Romans oder Anekdoten von diversen Recherchereisen. Eine andere Sache, die mich in den letzten Tage beschäftigt: Die Covergestaltung für meinen Roman "Das Geständnis der Amme". Wie so oft ist es nicht leicht, ein passendes Motiv zu finden: Aus der Zeit des Romans (9. Jahrhundert) gibt es keine entsprechende Gemälde - bei jenen aus späteren Jahrhunderten schleichen sich wiederum schnell peinliche Anachronismen ein. Ein weiteres Problem: Unser Schönheitsideal unterscheidet sich wesentlich von dem vergangener Epochen - wahrscheinlich ein Grund, warum es bei den Covern von historischen Romanen so viele "kopflose" Damen gibt. Da ich diesmal ausnahmsweise selber Motivvorschläge machen durfte, habe ich mal eine Reihe schöner und historisch halbwegs korrekter Frauenköpfe zusammengetragen. Jetzt kenne ich wohl sämtliche Frauenporträts der Kunstgeschichte ;-) und bin auf das Ergebnis gespannt.
Danke Zwei Arten von Briefen lösen bei mir ein leicht mulmiges Gefühl aus: jene, die vom Finanzamt kommen und die Einkommenssteuer festlegen - oder jene vom Verlag mit der aktuellen Abrechnung. Beim Öffnen stellt man sich da unwillkürlich die bange Fragen: Sind es die Zahlen, die man sich erhofft, gewünscht hat? Letztere, die diese Tage bei mir eingetroffen sind, lösen vor allem Dankbarkeit aus: Dafür, dass irgendwo da draußen jede Menge Menschen meine Bücher kaufen (und später hoffentlich aus lesen :-) An Sie alle: Vielen Dank! Ich gebe mein bestes, um Sie auch weiterhin mit meinen Geschichten zu fesseln, zu unterhalten, zu berühren u.v.a.m.!
Fremdelphase Bei jedem neuen Roman gibt es einen Zeitpunkt, da die sogenannte "Fremdelphase" einsetzt. Zunächst erfüllt mich ein neues Werk mit jeder Menge Euphorie. Alles ist noch im Fluss, noch neu, noch fremd; die ersten tapsigen Gehversuche im Manuskript sind kleine Abenteuer; jeden Tag gibt es eine weitere spannende Facette der Protagonisten zu entdecken. Irgendwann aber setzt so etwas wie Routine ein. Der erste Flow hat sich gelegt. Aus dem prickelnd Unbekannten ist Alltag geworden. Und immer dann beginne ich mich nach meinem letzten Roman zurückzusehnen, der nicht nur um vieles vertrauter, sondern auch um vieles besser erscheint. Das neue Manuskript hingegen riecht plötzlich wie ein fremdes Kind, das man betreuen muss, obwohl man insgeheim lieber mit dem eigenen spielen möchte. Da ich mittlerweile schon so viele Romankinder geboren habe, fällt es mir leichter, dieses Gefühl einzuordnen. Als ich über Bathildis in "Die Regentin" schrieb, habe ich insgeheim meiner Sophia aus der "Chronistin" nachgetrauert - um schließlich aber doch ganz im Neuen aufzugehen. Und Ray und Caterina aus der "Tochter des Ketzers" waren zunächst noch so präsent, dass sie mir meinen Blick auf Judith und Balduin - die Helden aus dem "Geständnis der Amme" - ziemlich vergällten. Dennoch wurde daraus schließlich ein inniglich geliebter Roman (ich kann sein Erscheinen im kommenden Herbst kaum abwarten). Wenn mich jetzt darum, obwohl in der Provence herumschweifend, manchmal die Sehnsucht nach der Karolingerzeit packt, kann ich das gut relativieren. Je mehr berührende Szenen im neuen Roman entstehen - desto mehr wird sich die Aura des Vorgängers abstreifen lassen.
Chronologie Wenn ich früher an Romanen gearbeitet habe, habe ich stets mit der ersten Szene begonnen und sie streng chronologisch zuende geschrieben. Mittlerweile habe ich diese Arbeitsweise radikal geändert: Nicht zuletzt dank eines ausgefeilten Plots, ist es mir möglich, jederzeit in die Handlung "einzusteigen", mir also durchaus schon in der Anfangsphase des Schreibens eine Szene vorzunehmen, die im fertigen Buch erst im zweiten Drittel zu finden sein wird. Welchen
Zweck das hat? Derart unchronologisch verfahre ich jedoch nur, solange Handlung und Protagonisten noch etwas diffus sind und ich Geschichten mit starkem "Reiz" brauche, um sie mir quasi einzuverleiben. Nachdem etwa ein Drittel geschrieben ist, gehe ich zurück auf den Buchanfang und schreibe dann chronologisch weiter.
"Leichen" im Keller Im Zuge einer großen "Frühlingsputzaktion" bin ich gestern im Kellerabteil meiner Wohnung auf ca. 10 Mappen gestoßen, die meine ersten Romanversuche enthalten. Entstanden sind diese zwischen meinem 14. und 20. Lebensjahr; zum Großteil sind es Historische Romane, die in ganz unterschiedlichen Epochen spielen: Mein erster Roman ist während der Französischen Revolution angesiedelt; zu finden gibt es aber auch Werke aus der römischen Antike, dem Alten Ägypten oder dem 19. Jahrhundert. Wenn ich diese alten Texte durchblättere befallen mich sowohl Stolz, Nostalgie als auch Belustigung. Letztere vor allem darum, weil vieles so unausgegoren, nahezu stümperhaft ausgefallen ist. Doch obwohl keine dieser Seiten jemals in Buchform gedruckt werden wird, halte ich jede einzelne für unverzichtbar: Durch diese jahrelange Arbeit an Erstlingswerken erlangte ich zum einen die Gewissheit, Buchprojekte konsequent durchziehen zu können, und zum anderen viel Schreibroutine und Erfahrung beim Konzipieren und Realisieren von Geschichten. Worüber ich auch rückblickend auch sehr dankbar bin: Damals konnte ich mich ohne jegliche Vorgabe von Verlagen oder dem Buchmarkt so richtig "austoben" konnte, z.B. wie erwähnt von Epoche zu Epoche springen, aber auch mal ein ganz anderes Genre versuchen. Auch wenn ich mich damals natürlich sehr über eine Veröffentlichung gefreut hätte - ich finde es dennoch gut und richtig, dass es in meinem "Autorenleben" diese experimentelle Phase ganz ohne kommerzielle Zielsetzung gab.
Scheitern Beim letzten Eintrag habe ich die "großen Themen", die sich durch meine Bücher ziehen, bereits angesprochen. Ein weiteres, das gerade auch bei besagter Identitätsfindung einen wichtigen Aspekt ausmacht, ist das Scheitern. Viele meiner Protagonisten können und wollen etwas – und kriegen es, ganz banal gesagt, einfach nicht gebacken. Sophia aus „Die Chronistin“ ist eine Hochbegabte – nur leider in einer völlig falschen Zeit. Und Aurel aus meinem Provence-Roman hat ein ähnliches Geschick zu ertragen. Er will in einer Epoche zum großen Chirurgen werden, als diese Zunft entweder belächelt oder mit Misstrauen bestraft wurde. Zwar standen an angesehen medizinischen Fakultäten wie Salerno oder Montpellier durchaus auch Fächer wie Anatomie auf dem Lehrplan – doch es wurde stets mit Skepsis betrachtet, wenn Ärzte zu massiv in den Krankheitsverlauf eingriffen. Denn das bedeutete immer auch, Gott ins Handwerk pfuschen. Chirurgie wurde zudem als "schmutziges" Handwerk betrachtet, da es mit dem verunreinigenden Blut zu tun hatte. Klerikern wurde deren Ausübung beim 4. Laterankonzil (1215) sogar aus diesem Grund verboten. Aurel sieht das anders. Er will - ähnlich wie ein anderer großer Medicus seiner Zeit, Henri de Mondeville - den Krankheiten auf den Grund gehen und sämtliche Körperfunktionen durchschauen. Seine Hybris ist zunächst grenzenlos. Bis er – nicht nur einmal – auf die Nase fällt. Inwiefern
dieses Thema auch ein Autobiographisches ist?
Die großen Themen Unabhängig der vielfältigen Stoffe, die ich bereits bearbeitet habe, gibt es gleichbleibende Themen, die sich wie ein roter Faden durch alle meine Romane ziehen. Oft war das gar nicht bewusst intendiert - erst im Vergleich kristallisieren sich Gemeinsamkeiten heraus. Eines dieser "großen Themen" ist die Suche nach der eigenen Identität. Sie mag von meinen Protagonisten ganz unterschiedlichen angegangen werden - doch für jeden geht es nicht zuletzt um die Erkenntnis, wer man ist, welche Talente in einem stecken und wie man möglichst konstruktiv damit leben lernt. Zweiteres erscheint mir die ungleich größere Herausforderung zu sein. Sich selber einzuschätzen ist leichter als sich auch mit seinen "dunklen Seiten" anzufreunden. Und die wohl größte Lebensprüfung: Sich mit all dem zu versöhnen, was nicht "glatt" läuft; mit Versäumnissen und dem Verkümmern manch guter Anlage Frieden zu schließen.
Die Magie der ersten Sätze Auch wenn ich immer noch mit der "Plot-Konstruktion" beschäftigt bin - zwischendurch ist das Konzept so weit gediehen, dass ich einzelne Ziegel in das Gerüst einfüge. Es sind noch keine vollständigen Szenen, die ich schreibe, aber Dialoge, Landschaftsbeschreibungen, einzelne Cliffhanger. Auf diese Weise beginnen die Protagonisten zu leben - und wie jedes Mal ist das ein magischer Augenblick. Man kann sich vieles ausdenken und zurechtlegen, doch erst mit dem Schreiben wird offenbar, in welche Richtung sich ein Protagonist tatsächlich entwickelt, wie nah er mir sein wird, wie sympathisch. Auch wenn die Persönlichkeit durch und durch geplant ist, kommen beim Schreiben doch Eigenschaften dazu, mit denen man nicht gerechnet hat. Eine der weiblichen Protagonistinnen z.B. hat sich plötzlich als eine herausgestellt, die gerne und viel isst, die dabei weder Maß noch Manieren kennt. Emy wiederum - auch das wusste ich vorher noch nicht - hat ebenfalls guten Appetit. Obwohl ziemlich dürr isst er seinem Bruder Aurel gerne mal die Schüssel leer. Gut, dass ich so viel über provençalische Küche im Mittelalter recherchiert habe...
Ähnlichkeiten Noch nie hatte eine Protagonistin so wenig mit mir gemein wie Alais aus dem Provence-Roman. Das ist eine Erkenntnis, die sich im Moment immer mehr verdichtet und die die Arbeit an diesem Buch noch spannender macht. Ich habe zwar noch nie eine Romanfigur absichtlich so konzipiert, dass man darin ganz deutlich "Julia Kröhn" erkennen konnte - und doch stimmten diverse Aspekte von deren Charaktere mit meinem überein. In der Bereitschaft von der "Chronistin" Sophia kompromisslos ihren Weg zu gehen, auch mal gegen den Strom zu schwimmen und sich keiner Konvention zu beugen, habe ich mich wiedererkannt. Bei Bathildis aus der "Regentin" war es die Ambivalenz zwischen dem Leben in der Vorstellung und in der Realität, die mir vertraut vorkam. Caterina, die "Tochter des Ketzers" wiederum, entwickelt sich von dem behüteten, weltfremden Mädchen zu einer starken Frau, die für sich selbst einstehen und Verantwortung zu übernehmen lernt - auch darin sehe ich Parallelen zu meinem Leben. Am nahsten von allen war mir der Charakter von Königin Judith aus dem "Geständnis der Amme". Ich glaube, in keinem anderen steckt so viel von meiner Persönlichkeit. (Alle, die mich kennen und das gerne überprüfen wollen, müssen sich allerdings noch bis zur Veröffentlichung im Herbst gedulden :-) Alais jedoch ist so völlig anders als ich: Sie sucht förmlich Menschenaufläufe, will möglichst viel lautes, pralles, aufgewühltes Leben erhaschen. Sie ist ungern allein, kann nicht still sitzen, ist gestählt, wendig und bewegungshungrig. Das Lesen fällt ihr schwer, für alles, was sie nicht unmittelbar selbst betrifft, interessiert sie sich so gar nicht. Sehr schlecht bestellt ist es auch um ihre Menschenkenntnis. All das
sind Eigenschaften, bei denen ich für mich fast immer das
entgegengesetzte Ende der Skala ankreuzen würde. Und genau das ist es
auch, was den Reiz dieser Protagonistin für mich ausmacht. Ein wenig ist
das so wie im gegenwärtigen Karneval: Man verkleidet sich, ist jemand
ganz anderer und lässt so richtig die Sau raus, was man im Alltag niemals
tun würde. Namensgebung Mehr als 30 Protagonisten wird mein Provence-Roman haben. Das bedeutet auch, dass ich mir jede Menge Namen ausdenken musste. Bei den Hauptfiguren war das ganz leicht: Alais und Aurel gehörten schon seit langem zu "Namensfavoriten". Diese trage ich oft jahrelang im Kopf - bis sie sich dann bei einem konkreten Roman zur Taufe anbieten. Der dritte Hauptprotagonist heißt bekanntlich Emeric, und hier gestaltete sich die Namensgebung schon schwieriger. Als ich eine Liste mit alten, im okzitanischen Raum gebräuchliche Vornamen gelesen habe, ist er mir zwar sofort ins Auge gesprungen. Doch Emeric hat sich als erstaunlich eigenwillig erwiesen, sich zwar pro forma damit einverstanden erklärt, aber verlangt, dass er den Spitznamen "Emy" bekommt. Keine Ahnung, warum er das unbedingt wollte. Aber als Autorin beugt man sich ja gerne den Launen seiner Geschöpfe :-) Obendrein gab es natürlich noch eine Reihe von Nebenfiguren zu benennen. Bei manchen ist mir der passende Name im gleichen Atemzug eingefallen, als diese Protagonisten auch nur angedacht waren. Bei anderen hatte ich den Vorteil, dass es historische Persönlichkeiten sind, deren Name ohnehin feststeht (der päpstliche Kämmerer z.B. , der im Buch eine ebenso tragende wie unheilvolle Rolle spielen wird, heißt Gasbert de Laval). Hin und wieder ist es aber schier zum Verzweifeln: Da will einem einfach kein passender Name einfallen! So geschehen bei einem florentinischen Kaufmann, dem ebenfalls eine Schlüsselrolle zukommt. Wochenlang habe ich über dessen Namen nachgedacht. Vor einigen Tagen kam mir dann ganz plötzlich in den den Sinn: Hyacinth. Nach längerem Nachdenken ist Giacinto draus geworden. Und mittlerweile kann ich mir gar nicht vorstellen, dass er anders heißt.
|