Silvesterstatistik Heute geht nicht nur das Jahr zuende, sondern auch der erste Monat, da dieser Blog besteht. Das Ergebnis ist für mich rundweg positiv: Rund 3000 User haben diese Seite besucht - ein toller Ansporn, um auch weiterhin aus meinem Autorenleben zu plaudern. Für heute halte ich mich mal kurz, möchte die Gelegenheit aber nicht versäumen, Ihnen an dieser Stelle einen guten Rutsch und alles erdenklich Gute für das nächste Jahr zu wünschen. Vor allem eines soll in Erfüllung gehen: Mögen Sie jede Menge interessanter, inspirierender und berührender Bücher lesen!
Jahresrückblick Als
Autorin geht für mich ein ereignisreiches Jahr zu Ende. In Zahlen
ausgedrückt bedeutet das: - Zwölf Lesungen führten mich an verschiedene Orte: ob nach Berlin oder nach Leipzig, ins Allgäu oder nach Teneriffa u.v.a.m. - Zwei neue Bücher sind erschienen: im Mai "Die Regentin" und im November "Die Tochter des Ketzers" - Sechs neue Buchverträge wurden geschlossen: für drei Kinderbücher bei Carlsen, womit ein lang gehegter Traum in Erfüllung ging, mir ein zweites Standbein zu schaffen, und ebenfalls drei für Historische Romane, die wie gehabt beim btb-Verlag erschienen sind bzw. in den nächsten beiden Jahren erscheinen werden. Darüber hinaus wurden Lizenzverträge geschlossen: für eine russische Übersetzung bzw. die Club-Ausgabe von der "Chronistin". Ebenfalls an dieser Stelle zu erwähnen: Seit diesem Jahr werde ich von der Agentur Schlück vertreten - ein wichtiger Schritt, um mein Autorendasein ein Stückweit zu "professionalisieren". - mit Verkaufszahlen halte ich mich an dieser Stelle zurück, weil die Verlagsabrechnung noch aussteht, doch so viel sei schon mal verraten: Sie gehen in einen satten fünfstelligen Bereich. Insgesamt kann ich mit diesem Jahr mehr als zufrieden sei. Toi, toi, toi, dass es im nächsten so weiter geht: Und das ist nicht zuletzt auf die Menschen zurückzuführen, die an mich glauben, die mich unterstützen und die meine Bücher gerne kaufen, lesen und weiterempfehlen. An dieser Stelle darum ein dickes: DANKE SCHÖN!
Die Bücher des Jahres Obwohl natürlich auch noch in den verbleibenden Tagen viel Lesen angesagt ist, stehen für mich die persönlichen "Bücher des Jahres" bereits fest. Am meisten beeindruckt hat mich 2007 "Das Lügenhaus" von Anne B. Radge, die Geschichte einer norwegischen Familie, die ich quasi an Originalschauplätzen, nämlich während meiner Reise nach Norwegen verschlungen habe: Die großen Themen des Lebens sind darin wunderbar mit sehr detailgenauen Beschreibungen des Alltags verwoben. Darüber hinaus lese ich natürlich viel in "meinem" Genre: dem Historischen Roman. Hier gilt das Motto: Je dicker, desto besser. Zwei Bücher, die diese Forderung auf jeden Fall erfüllten: Rebecca Gablés neuer Roman "Das Spiel der König" (eine Pflichtlektüre, nachdem ich auch all ihre bisherigen Bücher begeistert gelesen habe) und "Die Madonna von Murano" von Charlotte Thomas, die m.E. fast noch spannender, sinnlicher und farbenprächtiger erzählt als erstere. Ebenfalls unbedingt zu erwähnen: Das Debüt meiner Kollegin Charlotte Lyne "Die Glocken von Vineta". Hier mochte ich vor allem die Gebrochenheit vieler Figuren und sehr ehrliche, nahezu naturalistische Beschreibungen der Zeit des Mittelalters, die nichts beschönigen oder verkitschen. Im Krimi/Thriller-Bereich freute ich mich sehr über neue Bücher meiner Lieblingsautorinnen: Zum einen "Nobels Testament" von Liza Marklund - einer Autorin, die ich darum so schätze, weil sie neben der Kriminalhandlung stets einen sehr realistischen Einblick in die Arbeit einer Journalistin und den Alltag einer berufstätigen Mutter gibt. Zum anderen "Blutmale" von Tess Gerritsen, die für mich ungeschlagen die "Meisterin der Spannung" bleibt.
Workaholic Ich fürchte, irgendwann im Verlauf des nächsten Jahres werde ich bei den anonymen "Schreibsüchtigen" landen und dort kleinlaut das Bekenntnis ablegen: Mein Name ist Julia Kröhn und ich bin workaholic. Durchgehend freie Tage gibt es in meinem Leben sehr selten. Entweder nimmt mich der Brotberuf in Beschlag oder es wird geschrieben oder zumindest recherchiert. Auch in den letzten ziemlich "familienlastigen" Tagen konnte ich mich zwischendurch nicht beherrschen, sodass mein - nunmehr schon drittes - Kinderbuch ein wenig Umfang zugelegt hat. Sehr aufschlussreich war zudem die Lektüre eines interessanten Fachbuchs über Chirurgie und Anatomie im Mittelalter. Auf der anderen Seite: Bislang hat diese Obsession keinen nennenswerten bzw. mir bekannten Schaden angerichtet. Alarmierende Leberwerte wie bei jenen, die vom Alkohol nicht lassen können, finden im Schriftstellerkörper nunmal keine Äquivalenz. Weniger zu schreiben wird darum ganz bestimmt nicht zu den Vorsätzen für das neue Jahr gehören. Rückblicke auf die großen Ereignisse des vergangenen können Sie hier übrigens in den nächsten Tagen nachlesen, wo es dann Zeit ist, die "Bilanz 2007" zu ziehen.
Selbstversuch Der Blick
auf die angezuckerte Winterlandschaft vor meinem Fenster erinnert mich an
einen Selbstversuch der besonderen Art, den ich einst in der
Weihnachtszeit zu Recherchezwecken unternommen habe. Dieser liegt
mittlerweile mehr als ein Jahrzehnt zurück, und das, was ich damals
geschrieben habe, würde ich heute nur mehr als "Romanversuche"
bezeichnen. Einer von
diesen war im Mittelalter angesiedelt, und es ging um eine Frau, die bei
einer Alpenüberquerung in einen Schneesturm gerät und bei einem Eremiten
Unterschlupf findet. Schon am nächsten Tag wird sie - obwohl adelig - zum
Wasserholen geschickt. Auch wenn dieser Romanversuch irgendwann in der Schublade versandete - viele Jahre später habe ich diese Erfahrung in einer Szene in der "Regentin" wieder aufgegriffen, wo das Wasserholen bei eisigen Temperaturen beschrieben wird. Trotzdem sehe ich von solchen Selbstversuchen mittlerweile ab - es sei denn, sie tragen sich in südlicheren Gefilden zu ;-) In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein Weihnachtsfest mit möglichst wenig Kälteschockerfahrung und harter Arbeit. Möge Ihr Körpereinsatz darauf beschränkt sein, Lebkuchen und Weihnachtsgans zu verdauen und den Christbaum vor dem Abfackeln zu bewahren!
Gerade entdeckt... ...habe ich im Internet die Taschenbuchausgabe von der Chronistin, die ab sofort beim Club Bertelsmann erhältlich ist. Ich freue mich, dass dem Buch auf diese Weise ein neuer Leserkreis erschlossen wird. Und ich finde es auch immer wieder faszinierend, wenn ein Buch ein Cover erhält (in diesem Fall schon das zweite). Für mich ist das so etwas wie die Kleidung, die entweder zu einem Menschen passt oder nicht. Das Club-Cover finde ich sehr angemessen, auch wenn ich dem Originalcover des Verlags dann doch den Vorzug geben würde. Ich bevorzuge Frauengestalten, die nicht "kopflos" dargestellt wird - obwohl Letztere oft etwas Geheimnisvolles ausstrahlen. In jedem Fall für gelungen ist m.E. das Schriftbild. Damit Sie sich selbst ein Bild machen können, sei das Cover an dieser Stelle präsentiert:
Geistesblitze Da es über die Weihnachtsfeiertage zu meiner Familie nach Österreich geht, steht mir heute eine längere Autofahrt bevor. Wenn dabei nicht lästige Staus zu erwarten stehen, die sämtliche Konzentration fordern, ist so ein stundenlanges Dahinrauschen auf der Autobahn eine der besten Gelegenheiten, sich ausführliche Gedanken über neue Romane zu machen. Nicht selten schlagen kreative Geistesblitze dann ein, wenn man sie nicht hartnäckig erwartet, sondern den Geist weitgehend auf "Durchzug" stellt. Nebst Autofahren ebenfalls gute Tätigkeiten, die diesem Zweck dienlich sind: Zähneputzen, Duschen oder auf die S-Bahn-Warten. Heute darum mit im Gepäck: ein paar vage Überlegungen zu meinem Provence-Roman, die unbedingt noch einer zündenden Idee bedürfen, um daraus spannende Eposoden zu machen. Und das Konzept für ein Kinderbuch, bei dem eine erste Idee noch auf Ausgestaltung wartet.
Ernährung in der mittelalterlichen Provence Zu einer wahren Fundgrube entwickelt sich das Buch über Lebensmittelversorgung und Essgewohnheiten in der mittelalterlichen Provence, das ich gerade lese. Viele wichtige Details aus dem Alltagsleben sind dort zu erfahren: Sei es, wie die Holzöfen beschaffen waren, mit denen damals Brot gebacken wurde; sei es, welche Weine bevorzugt am päpstlichen Hof von Avignon getrunken wurden (nämlich die teuren aus Burgund); sei es, auf welche Weise in feinen Kreisen Fischgerichte zubereitet wurden (z.B. in Mandelsauce oder mit Zitronenpanade). Obwohl Alltags- und Sozialgeschichte nicht länger ein Stiefkind der Geschichtswissenschaft ist, stößt man während der Recherche gerade in diesem Bereich auf viele Lücken. Die Ereignisgeschichte lässt sich meist lückenlos erschließen - aber beim konkreten Alltag der Menschen bleiben viele Fragen offen. Als Autor ist man nicht selten gezwungen, Schlussfolgerungen zu ziehen, die auf mehr als wackeligen Beinen stehen. Umso besser darum, wenn es konkrete Forschungsergebnisse gibt. Denn das macht m.E. auch die "Würze" eines historischen Romans aus: Nämlich einen glaubwürdigen Einblick in die Lebensgewohnheiten einer vergangenen Epoche zu geben. Und dieser Einblick wird umso sinnlicher, wenn man nicht allgemein von "Gewürzen" schreibt, sondern von Safran und Ingwer, wenn man nicht nur den Tisch erwähnt, an dem die Heldin gerade sitzt, sondern auch das Holz, aus dem er besteht und die Farbe, in der er gestrichen wurde, oder wenn der Markthändler nicht einfach nur Fisch anbietet, sondern frische Forellen aus der Rhône.
Musik Einige meiner Romane sind für mich untrennbar mit der Musik verknüpft, die ich während ihres Entstehungsprozesses immer mal wieder gehört habe. So habe ich die Arbeit am zweiten Teil meiner Kinderbuchreihe - gestern ging das Manuskript übrigens ins Lektorat - mit sehr viel Barockmusik unterlegt, passend zur Epoche, in der das Buch großteils spielt. Mein absoluter Favorit: "Lascia ch'io Panga" aus Georg Friedrich Händels Oper Rinaldo. Doch nicht immer ist es Musik aus der entsprechenden Zeit, die inspirierend wirkt. Bei einem meiner ersten Romanversuche im noch jugendlichen Altar habe ich Schumanns Klavierkonzert in A-Moll rauf- und runtergehört, bei einem weiteren dann viel Rachmaninov (hier vor allem das zweite Klavierkonzert). Meine absolute Lieblingsmusik für Sterbeszenen: das Adagio aus Mahlers Fünfte. (Das hat wohl auch Luchino Visconti so gesehen, als er sie zur Filmmusik vom "Tod in Venedig" gemacht hat.) Doch nicht nur Klassik ist bei mir gefragt. Ähnlich wie viele Liebespaar oft "ihr Lied" haben, gibt es bestimmte Melodien und Songtexte, die für mich untrennbar mit einem meiner Romane verbunden sind. Der Song von "Engelsblut" war "Engel" von Rammstein. Zur "Regentin" gehört "Woran hält sich die Liebe" von Rosenstolz. Und beim eben abgeschlossenen "Geständnis der Amme" war Hans Zimmers Soundtrack von "King Arthur" angesagt.
Vampire Gesellschaftsreporter sind wie Vampire, heißt es. Sie heften sich an die Fährte von Prominenten und versuchen möglichst viel Leben aus ihnen herauszusaugen, um hinterher die Spalten der Klatschpresse damit zu füllen. Gefragt ist dabei selten banaler Alltag, sondern vielmehr die großen Krisen des Lebens: Liebe und andere Schicksalsschläge eben. Je existenzieller – desto besser. Der gnadenlose und immer irgendwie auch ausbeutende Blick von Yellow-Press-Journalisten wird m.E. nur von einem Berufsstand getopt: den Schriftstellern. Auch wir gieren nach jedem Tröpfchen Leben. Und weil das, was wir aus den eigenen Adern ziehen selten ausreicht um ganze Bücher zu füllen, werden wir zu aufmerksamen Beobachtern, die ihre Mitmenschen stets danach „abscannen“, ob sie brauchbare Geschichten liefern. Auch für uns sind Eckdatengespräche und Alltagsbefindlichkeiten nicht sonderlich inspirierend. Aber die großen Themen – alle also, die Antwort auf die Fragen geben: „Wie funktioniert das Leben?“, „Was treibt den Menschen?“ – werden dankbar seziert. Ein kleiner Tipp darum: Wenn sie Schriftstellern eine Freude machen wollen, dann erzählen Sie ihm bitte nicht, wie viel PS das neue Auto hat, das sie sich unlängst gekauft haben. Oder wo man den zur Zeit günstigsten Laptop kaufen kann. Oder dass die neue Mietwohnung Dachschrägen hat, die den Möbelkauf beim IKEA erschweren. Erzählen Sie, wie Sie sich gefühlt haben, als sie Ihre Katze einschläfern mussten. Als sie auf der Karriereleiter nicht den erwarteten Schritt nach oben machen konnten. Als sie ihren Ex mit einer neuen Flamme gesehen haben. Erzählen Sie von Liebe und Leidenschaft. Von Scheitern und Wut. Von Trauer und Begeisterung. Erzählen sie von allem, was starke Gefühle und philosophische Reflexionen verspricht. Denn Schriftsteller sind Lebensjunkies.
Meine "Große" Den neuen Buchkatalog von meinem Verlag (nämlich vom Mai bis Oktober 2008) gibt es jetzt auch als PDF-Datei zum Runterladen: http://www.randomhouse.de/content/download/vertrieb/vorschauen/btb_tb_fj2008.pdf Im Monat Mai stolpert man darin sehr schnell über die Taschenbuchausgabe von "Die Chronistin", die dann - etwas kleiner und billiger als die Quality-Paperback-Ausgabe - erscheinen wird. Dieses Buch war mein erster großer Mittelalterroman - weswegen ich meine dortige Protagonistin Sophia insgeheim meine "Große" nenne. Ich freue mich sehr darüber, dass sie durch diese Taschenbuchausgabe noch mal neue Aufmerksamkeit bekommt. Ich halte Sophia für meine sperrigste, härteste und zugleich verlorenste Protagonistin - und gerade darum greift mein "mütterlicher Schutzinstinkt" bei ihr am stärksten, wenn manch Lesermeinung lautet: Die ist aber unsympathisch. Nun, mir war sie das nie: Ihr lebenslanger, sehr schonungsloser Kampf um Anerkennung als Intellektuelle hatte für mich als ihre Schöpferin etwas ebenso Faszinierendes wie Mitleierregendes. Und ich hoffe, so wird es Mai all jenen gehen, die dann mit ihr Bekanntschaft schließen.
Adventsfeier Obwohl das Fest fast schon vor der Tür steht - ein richtig weihnachtliches Gefühl hat mich dieses Jahr noch nicht erfasst. Wenn ich bei Einkäufen zufällig in das Gewühle des Frankfurter Weihnachtsmarktes gerate, dann erfasst mich persönlich eher die Anwandlung einer Agoraphobie als Adventsstimmung. Dennoch: Ein vorweihnachtliches "Event", auf das ich mich wie jedes Jahr freue, ist die Adventsfeier im Frankfurter Büro, für das ich als freie Journalistin arbeite. Diese steht für heute Abend an. Da ich an vielen Projekten von zu Hause aus arbeite bzw. mich diverse Fernsehproduktionen meist nach Köln führen, bin ich nur selten in diesem Büro. Darum ist das heute eine schöne Gelegenheit, Kollegen zu treffen und mit ihnen zu plaudern.
Noch von meinem Hotelzimmer in Berlin aus... ...folgt dieser Bericht über die gestrige Lesung: Alles in allem lief es sehr gut. Für mich war besonders spannend, dass eben nicht nur aus den Büchern gelesen, sondern eifrig diskutiert wurde. Der Moderator Knut Elstermann stellte interessante Fragen an meinen Kollegen Carlo Feber und mich: Einerseits verleitete uns das dazu, ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern und vom Arbeitsalltag eines historischen Romanautors zu plaudern. Andererseits führte das auch zu manch tieferer Reflexion über das Genre. Das Fazit (übrigens auch noch mal beim anschließenden Beisammensein mit lieben Autorenkollegen aus Berlin bekräftigt): Der Historische Roman sollte eine möglichst ähnliche Vielfalt aufweisen wie das Krimi-Genre, wo die Bandbreite vom Groschenroman bis zur Hochliteratur reicht. Strikte Vorgaben seitens Agenten und Lektoren, wonach ein Heldin auf jeden Falls strahlend und das Ende in jedem Fall happy sein müsste, gehören hoffentlich bald der Vergangenheit an. Eine - für mich nicht unwichtiger - Frage am Rande: Nicht selten sind es die "Die -in"-Romane von weiblichen Autoren mit einer vorrangig weiblichen Zielgruppe, die als Schund abgetan werden. Gäbe es gleiche - nicht selten verächtliche - Einstellung zu diesen Büchern, wenn es sich dabei um "Der -Medicus/Kartograph/Kreuzfahrer/Gesandte"-Romane von männlichen Autoren für eine männliche Zielgruppe handeln würde?
Steckdose Auf Zugfahrten bin ich fast nie ohne Laptop unterwegs. Ganze Romankapitel sind während mehrstündiger Fahrten von Frankfurt nach Österreich schon entstanden. Auch bei meinem heutigen Trip nach Berlin ist Arbeiten angesagt - vorausgesetzt, die bange Frage, ob es im Zug eine Steckdose gibt, lässt sich mit Ja beantworten. Das ist nämlich immer das erste, worauf ich beim Einsteigen in einen ICE achtet: Handelt es sich um einen der neuen Sorte, bei denen jeder Sitzplatz mit Stromversorgung ausgestattet ist, oder eben nicht? Falls zweiteres der Fall ist, muss ich mich leider auf den Akku verlassen und der lässt die Autorin nicht selten schon nach anderthalb Stunden im Stich. Wollen wir hoffen, dass sich die Deutsche Bahne heute (und morgen bei der Rückfahrt) als gnädig erweist. Dann kann ich nämlich in aller Ruhe, den zweiten Teil meines Kinderbuchs überarbeiten, vielleicht sogar schon mal den Plot des dritten in Angriff nehmen und weitere Rechercheergebnisse für meinen Provence-Roman zusammentragen. Im Notfall gibt es aber auch eine "stromlose" Beschäftigung: Ein Buch über den Schwarzen Tod im Mittelalter geht ebenfalls mit auf die Reise.
Lesung in Berlin Morgen geht's also, wie hier schon erwähnt, in die Landeshauptstadt Berlin. Um 20.00 findet in der Literaturwerkstatt ein Themenabend rund um den Historischen Roman statt. Ich werde etwa 20 Minuten aus der "Tochter des Ketzers" lesen, mein Kollege Carlo Feber aus seinem historischen Kriminalroman "Die leinenweiße Braut". Anschließend folgt - moderiert von Knut Elstermann - eine Diskussion über das Genre. Eine der wichtigsten Fragestellungen laut Programm: Ist der historische Roman die glückliche Verbindung von Unterhaltung und Belehrung in der Literatur? Dieses Thema ist sozusagen mein "Steckenpferd". Ich bin darum sehr gespannt, welche Erkenntnisse der Abend bringen wird. Schöner Nebeneffekt: Ich werde anschließend einige meiner Berliner Autorenkollegen treffen. Die meisten von ihnen kenne ich aus diversen Autorenforen im Internet, und auch wenn ich den ein oder anderen auch schon persönlich kennen gelernt habe, sind solche Treffen "in natura" sehr selten und gerade darum so erfreulich. Da ich für gewöhnlich Lesungen im zeitlichen Umfang von etwa einer Stunde mache, galt es natürlich, für den morgigen "Auftritt" die Textstellen (und die Erklärungen über historische Hintergründe, die ich dazwischen einfüge) zu reduzieren. Meine Wahl ist nun auf zwei Szenen gefallen, die ich dem Publikum präsentieren werde: die eine steht fast zu Anfang des Buchs, als das behütete Leben meiner Protagonistin Caterina völlig aus dem Takt gerät, nachdem ihr Vater der Ketzerei bezichtigt wird. Die andere schildert die erste Begegnung mit ihrem Vetter Raimon, genannt Ray, die so ganz anders als erhofft ausfällt.
Termine Heute kommt ein gewisses "Terminhopping" auf mich zu: Nach einem Arzttermin zum Routinecheck, geht's zur Deutschen Bibliothek, um meinen Benutzerausweis zu verlängern. Anschließend muss ich rasch nach Hause, wo ein Techniker meinen maroden Kabelanschluss reparieren soll. Die Zeit, die bleibt, möchte ich dafür nutzen, meine nächste Lesung vorzubereiten. Diese findet am Mittwoch in Berlin - Näheres dazu erfahren Sie morgen an dieser Stelle. Ebenfalls für heute fix eingeplant: weiteres Exzerpieren der wissenschaftlichen Literatur für meinen Roman - in den letzten Tagen bin ich damit gut vorangekommen. Angenehmer Nebeneffekt: Da es viele der Bücher nur auf französisch gibt und ich bei der Lektüre manche Vokabeln nachschlagen muss, frische ich auf diese Weise gleich mal wieder meine Sprachkenntnisse auf. Was mich im
Augenblick sehr, sehr freut: Die drei wirklich guten Amazon-Rezensionen,
die die "Tochter des Ketzers" bislang bekommen hat. Es ist nicht
nur schön, wenn Lesern das Buch gefällt, sondern wenn man als Autorin
das Gefühl hat, dass sie auf die gleichen Dinge Augenmerk legen wie man
selbst, es quasi in jenem "Geist" gelesen haben in dem man es
selber schreiben wollte. An Studentenzeiten... ...erinnert mich die Tätigkeit, die heute auf dem Programm steht. Ähnlich wie ich damals stundenlang in der Bibliothek saß, um für Seminararbeiten Bücher zu exzerpieren, gilt es heute, aus der wissenschaftlichen Literatur die wichtigsten Stichworte und Zitate für meinen Provence-Roman abzuschreiben. Alle Infos und Fakten werden in einer Word-Datei gesammelt. Sobald die Recherche abgeschlossen ist, füge ich diese Ergebnisse dann in den Plot ein - also dem Grundgerüst des Romans, wo jede Szene genau festgelegt ist. Beim Schreiben erspart das viel Arbeit, weil man so jederzeit auf die historischen Hindergründe des Buchs zurückgreifen kann und nicht permanent zehn Bücher gleichzeitig wälzen muss. Insgesamt ist dieses Exzerpieren aber eher eine mühselige und langweilige Arbeit, weil sie leider so gar keine Kreativität erfordert. Anders als in Studentenzeiten erledige ich sie heute von zu Hause: Denn die etwa zehn bis fünfzehn wichtigsten Bücher zur Recherche, kaufe ich immer. Nur für den Rest stehen später ausgedehnte Bibliotheksbesuche an. Zum einen sind diese Werke dann griffbereit, falls ich noch etwas nachschlagen muss. Zum anderen sind sie später im Bücherregal eine schöne Erinnerung an die Arbeit am Roman.
„Erfolg bedeutet, dass auch die Zwetschge Sumsi über Sie eine Meinung hat.“ - eine Satz von Daniel Kehlmann aus seiner Dankesrede beim „WELT-Literaturpreis 2007, darauf Bezug nehmend, dass eine Internetuserin mit Nickname Zwetschge_Sumsi in einem der vielen Bücherforen seinen Roman für dumm befunden hat. Das ist wohl ein Nebeneffekt des World-Wide-Web – für einen Autor ebenso wunderbar wie gefürchtet: dass nicht mehr nur Literaturkritiker die Qualität oder Nicht-Qualität von Büchern laut verkünden, sondern letztlich jedermann dazu berufen ist, Rezensionen zu verfassen. Der masochistische Autor googelt regelmäßig nach seinen Namen. Masochistisch deshalb, weil er nicht selten Nadelstiche für sein Ego einfängt. Ob bei Amazon, Büchereule & Co. oder in vielen Blogs – manchmal muss man schon damit kämpfen, was man da um die Nase gehauen bekommt. Dass man ein Buch geschrieben hat, mit dem der Leser nicht warm wurde. Dass man grässliche Protagonisten geschaffen, die einfach nur unsympathisch sind. Nicht selten auch jene Leser, die Romane gerne auf etwaige Fehler hin sezieren und triumphierend aufschreien, wenn sie einen solchen zu finden vermeinen. Besonders bitter: Wenn jemand das Buch gar nicht erst zu ende gelesen hat, sondern es so furchtbar fand, dass er es abbrechen „musste“. Oder wenn es heißt: Von dieser Autorin lese ich nie wieder was. Das ist wie lebenslänglich. Da hat man’s ein für allemal verbockt – mag man sich noch so abstrudeln bei weiteren Manuskripten. Die einzige Hoffnung (weswegen ich hier von lebenslänglich schreibe, nicht von der Todesstrafe): Der Leser vergisst den Namen der ungeliebten Autorin in einigen Jahren und greift versehentlich doch noch mal zu einem Opus. Was bei solchen Stimmen aus dem Internet hilft? Tief durchatmen, sich klar und deutlich sagen: man kann niemals ALLE Leser glücklich machen, wahrscheinlich nicht mal VIELE, aber EINIGE eben dessen. Und dessen begeistertes Feedback, das sich in den Irrungen und Wirrungen des WWW ebenso häufig finden lässt, wiegt vieles wieder auf.
Ruhepause Eine solche war eigentlich für den Dezember geplant. Nach dem enormen Schreibpensum in diesem Jahr, wollte ich mich in diesem Monat eigentlich nur mit Liegengebliebenem wie Steuererklärungen, meinem Brotberuf und Weihnachtseinkäufen beschäftigen. Aber so ganz kann ich dann doch nicht vom "Kreativen" lassen. Was momentan angesagt ist? Zum einen feile ich am zweiten Band meiner Kinderbuchreihe. Die Rohfassung ist fertig, mit der Überarbeitung will ich bis Ende des Monats fertig sein. Zum anderen stapelt sich am Schreibtisch jede Menge Recherche-Material für meinen nächsten Historischen Roman. Der Arbeitstitel lautet "Die Gefährtin des Medicus", aber da dieser bekanntlich sehr vorläufig ist, spreche ich von diesem Buch immer als von meinem "Provence-Roman". Im Süden Frankreichs wird er nämlich spielen (mit Ausnahme einiger Kapitel, die auf Mallorca angesiedelt sind) - und ich freue mich schon auf entsprechende Recherchereisen im nächsten Jahr. Die Protagonistin heißt Alais (deren Mutter ist übrigens Caterina aus der "Tochter des Ketzers"), und ihr Schicksal ist eng verknüpft mit Aurel Astarde, einem ehrgeizigen Wanderchirurgen, der seinem - in der damaligen Zeit oft verachteten - Berufsstand zu neuen Ehren verhelfen und durch neue Operationsmethoden dem Tod ein Schnippchen schlagen will. Die Sachbücher, die ich zur Zeit lese, kreisen dementsprechend um die Themen Chirurgie und Medizin im Mittelalter. Zudem gilt es sich mit der Provence im Mittelalter, dem Papsttum in Avignon und dem Ausbruch der Pest im 14. Jahrhundert zu beschäftigen.
Gewinnspiel und Buchtitel Alle Interessierten seien hiermit auf ein Online-Gewinnspiel verwiesen, bei dem man momentan auf www.histo-couch.de mitmachen kann. Dabei kann man Bücher von mir gewinnen - vorausgesetzt, man kann folgende Frage richtig beantworten: Wo spielt Julia Kröhns neuer Roman "Die Tochter des Ketzers"? a) Lyon b) Lourdes c) Languedoc. Ein wenig schmunzeln musste ich über diese Antwortmöglichkeiten dann doch...;) Mittlerweile sind weitere historische Romane von mir mehr oder weniger fix ins Verlagprogramm eingeplant. Im Mai 2008 erscheint als etwas billigere und kleinere Taschenbuchausgabe noch einmal "Die Chronistin". Voraussichtlich im Dezember 2008 folgt dann der neue Roman, an dem ich in diesem Jahr gearbeitet habe: "Das Geständnis der Amme" . Eigentlich war mein Arbeitstitel - und auch mein Favorit - "Der Krieger und die Königin". Doch mit der Alternative, die ich nicht zuletzt auch selbst vorgeschlagen hat, kann ich gut leben. Der interessierte Leser mag sich natürlich fragen, wie zwei so unterschiedliche Titel zu ein und demselben Buch passen und was Krieger und Königin mit einer Amme zu tun haben. Nun, im Zentrum der Handlung steht die - historisch belegte - Liebesgeschichte zwischen Graf Balduin von Flandern, dem "Krieger", und der Tochter von Karolingerkönig Karl dem Kahlen, Judith von Wessex, "der Königin", die sich über alle Standesunterschiede und politische Hindernisse hinweg eine gemeinsame Zukunft erkämpfen. Der Roman beginnt aber lange vor der ersten Begegnung von Judith und Balduin - dann nämlich, als letzterer gerade erst geboren ist und der Obhut einer Amme - Johanna - anvertraut wird. Johanna spielt auch lange nach seiner Kindheit eine wichtige Rolle ist Balduins Leben, ist quasi seine mütterliche Beraterin, die ihn zu bestimmten Entscheidungen drängt. In Judith sieht sie prompt eine gefährliche Rivalin hinsichtlich ihres Einflusses. Und neben König und Bischöfen wird darum Johanna eine gefährliche Gegenspielerin des jungen Paares, die bei der Wahl ihrer Mitteln nicht gerade zimperlich ist... Kaffeesatzlese Es gibt Phasen im Leben von Schriftstellern, wo selbige viel mit Hobby-Astrologen gemein haben: Dann nämlich, wenn ein neues Buch auf dem Markt ist. Die einen versuchen aus einem dreizeiligen, völlig allgemein gehaltenen Tageshoroskop einen möglichen Lottogewinn herauszulesen; die anderen aufgrund fadenscheinigster Indizien Verkaufszahlen des neuen Buchs zu ergründen. Wohlgemerkt: Solange es keine offiziellen Daten vom Verlag gibt, ist das reine Kaffeesatzleserei – was allerdings nicht bedeutet, dass das sensible Autorenherz darauf verzichtet. Mich zum Beispiel findet man seit Erscheinen der „Tochter des Ketzers“ in diversen Buchhandlungen. Dort wird zunächst überprüft, ob das Buch vorrätig ist. Falls nicht, ist das schon mal eine Katastrophe. Falls ja, ist es damit auch noch nicht gut. Denn ist es schlecht platziert – Katastrophe. Ist es jedoch gut platziert, im Sechserstapel, direkt auf Augenhöhe – nun, dann ist es womöglich erst recht eine Katastrophe: denn WIE kann es sein, dass noch sechs Bücher da sind? Hat es womöglich noch KEINER gekauft? Wird es - gute Platzierung hin oder her - ein Ladenhüter? Trotz aller Gemeinsamkeiten stößt hier der Vergleich mit dem Hobby-Astrologen auf seine Grenzen: denn während der meist das Positive aus den "Den-Löwen-erwartet-heute-das-Liebesglück-Zeilen" mitnimmt, ist der bibbernde Autor meist Berufspessimist.
Vielleicht wäre vor zwei Tagen, als sich das erste Türchen des Adventkalenders öffnete, der passendere Termin gewesen, um erstmals diesen Blog zu „bestücken“ – nun wird es eben heute nachgeholt. An dieser Stelle künftig nachzulesen: Hochgeistige Reflexion zum Schriftstellerdasein bis hin zur Ausweidung von Akutdepressionen bei Schreibblockaden. Ebenso Erfolgsmeldungen bei neue Buchverträge oder Klagelieder bei Flops. Naja, letzteres nicht. Das ist wohl aus marketingtechnischen Gründen nicht anzuraten ;-) In jedem Fall: Sie sind herzlich eingeladen, mir beim Schreiben über die Schultern zu sehen! |