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Blogeinträge August 2008


29. August

Von schwarzen Löchern und Inglorious Basterds

Im letzten Eintrag habe ich dieses Phänomen ja schon erwähnt - die akute Depression, die einem Schriftsteller nach Abschluss eines Buchprojekts oder einer dessen wichtigsten Phasen droht. Eine unbekannte Größe sind diese schwarzen Löcher auch in meinem Leben nicht, aber mit der Schreibroutine hat sich entsprechende Übung eingestellt, sie zu überbrücken - indem ich nämlich Tage ohne Schreiben ähnlich strukturiere wie die mit dem Schreiben und Leerläufe gerne für Liegengebliebenes und Aufgeschobenes wie Steuerkram oder allfällige Artztermine nutze. Darüber hinaus ist zur schönen Gewohnheit geworden, jede erreichte Etappe zu feiern - mit einem Stadtbummel, einem guten Essen oder einem Kinobesuch.

Sehr passend also, dass letzte Woche das neueste Machwerk von Quentin Tarantino ins Kino gekommen ist: der Nazi-Streifen "Inglorious Basterds". Es gibt viele gute Gründe, diesen Regisseur nicht zu mögen - und wer sich von diesen Gründen bisher hat überzeugen lassen, der wird sich auch von diesem Film nicht zum Fan bekehren lassen. Ich persönlich hingegen bin von Tarantinos anarchischem Umgang mit Dramaturgie, historischen Fakten und Polcitcal correctness immer wieder fasziniert. Nicht, dass ich mir nicht bei jedem seiner Filme (und auch bei diesem) zwischendurch gedacht habe: Wie grauenhaft eklig! Oder: Was für ein Schwachsinn! Und dennoch: Ich kenne keinen Filmemacher, der die Kunst beherrscht, im selben Atemzug wie ein Elephant durch den Porzellanladen zu trampeln und mit subtilsten, nuancenreichsten Zwischentönen zu arbeiten. Bei dem die Persiflage immer zugleich Todernst ist. Und bei dem die - ohne Zweifel auch stattfindende - Gewaltverherrlichung zugleich einen nüchternen und darum unglaublich ehrlichen Blick auf diese Gewalt wirft. Zumindest mir persönlich geht dieser mehr unter die Haut als jede sittlich erhabenere Deutung, die sich gern mal hinter erhobenem Zeigefinger, Abscheu oder Moralinsäure verschanzt.

Ich frage mich nun: Wie würde ein Buch aussehen, das von einem Autor à la Tarantino geschrieben worden ist, einem Autor also, der Genres und Themen wild durcheinander mixt, sich weder um einen anständigen Rhythmus beim Erzähltempo noch den durchgängigen roten Faden schert und der die Literaturgeschichte gleichermaßen zitiert wie karikaturiert? Wäre so ein Buch genial, widerwärtig oder einfach nur totlangweilig?


26. August

Die Fahnen...

...meines Caravaggio-Romans "Sünde" liegen vor. Es ist immer wieder faszinierend, seine Geschichte im "fertigen Kleid" zu sehen. Solange auf Manuskript-Seiten gebannt, ist es ausschließlich die eigene - in Form der künftigen Buchseite kriegt sie einen offiziellen Charakter. Besonders gelungene Sätze wirken dann irgendwie noch besser.

Die Fahnen durchzugehen, bewahrt mich im Moment zudem vor einem Leerlauf oder dem oft zitierten "schwarzen Loch". Die Rohfassung meiner Saga 2 steht nämlich - und den Beginn der Überarbeitung habe ich erst für Anfang September eingeplant. Und rein gar nichts zu tun, wirkt für mich meist eher als Lähmung denn als Erholung.


21. August

Restlos begeistert...

...bin ich vom Cover-Entwurf zu meinem Roman, den ich hier im Blog als "Projekt Aurora" bezeichnet habe. Mit der "Verpackung" einer Geschichte ist es ja so eine Sache - marketingstrategische Gesichtspunkte und Autorenvorlieben passen nicht immer zusammen. Zwar habe ich mich bis jetzt mit jedem meiner Cover mehr oder weniger anfreunden können, doch geliebt habe ich nicht jedes und so gelungen wie dieses fand ich keines zuvor - schlichtweg weil noch nie so viele Motive des Romans in der Gestaltung aufgegriffen wurden: das Genre, das Hauptthema, der Schauplatz, die Musik, die Heldin...und all das in meiner Wunschfarbe. Wenn Sie sich jetzt wundern, wie aus so vielen Details ein homogenes Ganzes werden kann, muss ich Sie leider auf später vertrösten. Zeigen kann ich Ihnen das Cover erst dann, wenn das Erscheinen des Buchs im kommenden März ganz offiziell in den Verlagsvorschauen angekündigt wird.


18. August

Familiengeschichten

Ich habe von kleinauf nicht nur gerne Geschichten erzählt, sondern auch gerne Geschichten gehört - und zwar wahre, nicht erfundende: Die meiner Familie nämlich. Ich kann mich an etliche Nachmittage erinnern, da ich mit meinen Großeltern zusammensaß und alte Fotoalben, Urkunden und andere Zeugnisse der Vergangenheit durchstöberte. Dabei erfuhr ich nicht nur Geschichten aus der Jugend meiner Großeltern, sondern überdies vom Leben und Schicksal diverser Vorfahren.

Nicht jede dieser Geschichten ist romantauglich - viele aber doch. Denn unter meinen Vorfahren ist fast jeder Menschenschlag zu finden und keiner von ihnen war langweilig: Von verarmten Adeligen bishin zu Todschlägern, von emanzipierten Frau bishin zu hellseherischen Männern, von Mutigen, Ambivalenten, Durchgeknallten, Labilen, Jähzornigen, Willensstarken, Geschwätzigen, Ehrenhaften usw. Diese vielen kleinen Geschichten haben nicht nur mein Interesse an der "großen Historie" geschürt, sondern darüber hinaus das Bewusstsein gestärkt, dass selbige nichts weiter ist als die Fülle der vielen kleinen, subjektiven Erzählungen - eine Einsicht, die man auch als Paradigma für den historischen Roman bezeichnen könnte, der schließlich das Allgemeine mit Hilfe des Individuellen zu beschreiben versucht.

Und noch etwas anderes habe ich gelernt: Wie ungemein machtvoll, weil langlebig diese Geschichten sind - getreu dem Sprichwort, dass ein Mensch erst dann tot ist, wenn niemand mehr seine Geschichte erzählen kann. Und dass lebendige Erinnerung u.U. bedeutet, lieber über einen Toten zu sprechen, seine Geschichte folglich zu würdigen und zu kommunizieren, als lediglich Blumen an sein Grab zu bringen.

Mein Apell an Sie also: Hören Sie natürlich nicht auf, Romane zu lesen, nicht zuletzt meine! ;-) Aber nutzen Sie das nächste Familientreffen, um mit den älteren Generationen über ihre Vergangenheit zu sprechen und all das Aufregende, Skurile, Tragische, Beängstigende, Schöne, Schreckliche, all diese Schätze der Vergangenheit, die nur Sie entdecken können, weil es nur Ihre Familie ist, für kurze Zeit ans Tageslicht zu holen!


11. August

Eine Frage der Kondition

Unlängst stolperte ich über einen uralten Tagebucheintrag und musste schmunzeln. Im Alter von etwa 15 Jahren berichte ich u.a. vom aktuellen Stand meines Romanprojekts - ich glaube, das war damals das zweite in meinem Leben. Vom Stoff fasziniert ging es gut voran, das Pensum war festgelegt und wurde meist eingehalten (2 Seiten pro Tag) und dennoch gab es da etwas, was mir Sorgen bereitete. Wortwörtlich steht in meinem Tagebuch zu lesen: "Ich habe Angst, dass es mich nicht mehr freut."

Diese Angst ist - so amüsant ich diesen Satz heute als hauptberufliche Autorin finde - durchaus berechtigt. Ich glaube nämich, dass die Fertigstellung vieler Romane nicht etwa an mangelnder Fantasie oder unzulänglichem Sprachvermögen scheitert, sondern an der fehlenden Kondition. So kenne ich viele Leute, die nicht nur regelmäßig verkünden, auch gerne mal einen Roman schreiben zu wollen, sondern die ersten Seiten von selbigem bereits in der Schublade liegen haben. Doch darüber hinaus sind sie nicht gekommen. Weil eintrat, was ich schon damals als 15Jährige als große Gefahr ansah: Die Lust ist der vergangen. Der Prozess, diese im Kopf so wunderbar klingende Geschichte auch auf Papier festzuhalten, dauert viel zu lange. Schon nach dem ersten Kapitel erscheinen eine andere Geschichte und andere Figuren so viel interessanter.

Ich gebe zu: Auch ich habe manche solcher Leichen im Keller. Nicht einfach nur unveröffentlichte Manuskripte - sondern abgebrochene. Was daran liegen mag, dass man sich Kondition - ob im Sport oder im Schreiben - eben nicht von einem zum anderen Tag zulegt. Hier wie dort hilft nur eines: regelmäßiges Training. Zwang, Disziplin, Schufterei. Schweiß und Tränen. Sich auch dann durchzubeißen, wenn es einen nicht freut. Was das anbelangt, ist frühes Romanschreiben übrigens eine gute Schule fürs Leben - ein Kurs im "Langen-Atem-Haben" sozuagen.

Vielleicht wäre es eine gute Idee, bei Ehevorbereitungsseminaren, die auf eine - wenn möglich - lebenslange Gemeinschaft vorbereiten, zu empfehlen: Laufen Sie erstmal einen Marathon - oder schreien Sie einen Roman!


9. August

Lizenz

Eine freudige Nachricht erreichte mich Ende letzter Woche. Nachdem der Buchclub schon im Frühling entschieden hat, meine "Tochter des Ketzers" im Rahmen der Buchreihe "Mägde, Hexen, Königinnen" herauszubringen, steht nun fest, dass es auch eine weitere Lizenzausgabe der "Chronistin" geben wird - diesmal in der Reihe "Mittelaltermorde".


5. August

Reportage

Gestern sah ich durch Zufall im Fernsehen eine Reportage über das Land, in dem meine Saga spielt. Diese kam gerade recht - stehen doch im Manuskript ein paar Landschafstschilderungen an. Obwohl ich die meisten der gezeigten Regionen schon selbst bereist habe, war es eine gute Auffrischung der Eindrücke. Zugleich ist meine Reiselust wieder erwacht - denn so schön die vergangenen Wochen in Österreich auch waren: Es ist doch etwas ganz anderes, neues Terrain zu erforschen und fremde Länder zu bereisen.

Im Moment gibt es freilich gar keine Zeit für Fernreisen. Nicht nur Saga 2 wächst und wächst stetig - dieser Tage gehe ich auch nochmal das lektorierte Manuskript meines Caravaggio-Romans "Sünde" durch, der dann im Dezember das Licht der Welt erblicken wird.


1. August

Urlaub

Ich schreibe an meinem Roman, und es fühlt sich wie Urlaub an. Nein, damit meine ich nicht, dass das Abtauchen in die deutlich südlicheren Gefilden von Saga 2 mehr Ferienstimmung aufkommen lässt als kältere, nebligere Schauplätze. Das bedeutet vielmehr, dass ich in keiner Phase der Entstehung eines Buchs über so viel Tagesfreizeit verfüge wie in der reinen Schreibphase.

Das klingt paradox, ist es für mich aber nicht. Wenn ich recherchiere, bin ich oft den ganzen Tag in der Bibliothek. Wenn ich plotte, begleiten mich die Geschichten auch auf die Joggingrunde. Wenn ich überarbeite, kann ich mich oft bis spät Abends der eigenen Geschichte nicht entziehen. Nur wenn ich schreibe, ist die Arbeitszeit klar begrenzt.

Um über Wochen, ja Monate hinweg das tägliche Soll zu erfüllen, braucht es Ausdauer. Und die ist durch zwar regelmäßiges, aber nicht überbordendes, total erschöpfendes Training zu gewinnen. Sprich: Wenn ich nicht vernünftig maßhalte, es stattdessen übetreibe, droht ein "Schreibkater", ergo der Totalausfall für einige Tage. Um das gar nicht erst zu riskieren, ist Arbeit nur in den genauestens erprobten Dosen erlaubt. Und das wiederum bedeutet: Zwei, drei, vielleicht sogar vier Stunden täglich schreiben. Um in der übrigen (im Moment auch brotberufsfreien) Zeit sowohl den österreichischen Sommer als auch die österreichen Seen zu genießen.



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