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Blogeinträge August 2008

29. August

Das neue Romanprojekt

Heute habe ich nach langer Zeit wieder mal einen Tag in der Deutschen Nationalbibliothek verbracht, um dort für meinen neuen Roman zu recherchieren. Wie immer ist das eine ebenso hoch konzentrierte wie spannende Angelegenheit - zumal es diesmal heißt, sich in ein ganz neues Thema einzufinden.

Wie an dieser Stelle schon mal angedeutet, wird dieser Roman nämlich nicht im Mittelalter spielen, sondern befindet sich näher an der Gegenwart. Dafür ist der Schauplatz - nicht das gewohnte Frankreich - um einiges weiter entfernt. Was ebenfalls anders ist: Während sich meine Mittelalterromane meist mit ein, zwei Hauptprotagonisten begnügen, wird dieses Buch eine breit angelegte Familiensaga werden, die mehrere Generationen umfasst. Das verlangt natürlich auch einen gewissen Umfang - angepeilt sind 800 Seiten.

Mehr wird vorerst nicht verraten. Ein bisschen Geduld muss der geneigte Leser also mitbringen - längstens bis zum Frühling oder Sommer 2010, wenn das Opus (übrigens bei Droemer-Knaur) erscheinen wird.


25. August

Verschiedenes

Die Zeit zwischen zwei Romanen wird gern für Liegengebliebenes genutzt - so auch diese Tage. Auf dem Programm stehen neben diversen brotberuflichen Erledigungen: die Vorbereitung meiner Lesung in Dresden (mehr unter Termine), selbiges für die Montségur-Autorenlesung Ende September sowie die Ausarbeitung eines Vortrags, den ich im Rahmen des Montségur-Treffens halten werde.

"Von Kriegern und Königen, Hexen und Hebammen - Wie schreibt man einen historischen Roman?" lautet dessen Titel, der allerdings den Sachverhalt nicht ganz trifft: denn wie "man" einen historischen Roman schreibt, weiß ich nicht, lediglich wie "ich" an diese Sache herangehe. Frei von Dogmatik (hinsichtlich Bildungsanspruch, der Freiheit des Autors, der Gründlichkeit von Recherche etc.) ist das Thema nicht - allerdings wird es mir bei dem Vortag weniger darum gehen, eine Grundsatzdebatte zum Genre anzuregen, als vielmehr konkrete Tipps zu geben, wie man Rechercheergebnisse in eine unterhaltsame Geschichte einflicht.

Last but not least steht das "In-einem-Rusch"-Lesen von Kinderbuch Nr. 3 an (die "Gefährtin des Medicus", die gleiches Procedere erfahren hat, liegt mittlerweile beim ersten Testleser). Angesichts des deutlich geringeren Umfangs wird das allerdings schnell erledigt sein - sodass dem neuen großen Romanprojekt bald nichts mehr im Wege steht. Mehr dazu aber später. 


24. August

Pompeji

Am 24. August 79 ist der Vesuv ausgebrochen und hat Pompeji und Herculaneum verschüttet. Eine 3Sat-Dokumentation über den Untergang der römischen Städte hat mich gestern an meine Anfänge als Autorin Historischer Romane erinnert - die mittlerweile ziemlich weit zurückliegen.

Dass ich irgendwann mal Schriftstellerin werden wolle, weil mir immer so viel Geschichten einfielen, wusste ich schon als ganz kleines Kind - das war sozusagen mein erster Berufswunsch. Dass sich diese Schriftstellerei jedoch vor allem von der Faszination für vergangene Epochen nährt - das wurde erst klar, als ich als knapp Zehnjährige erstmals die Ruinen von Pompeji besuchte.

Damals hatte ich das Gefühl, es sei einfach nicht "genug", durch die Überreste der Stadt zu spazieren. Ich wollte viel mehr: nämlich ganz tief in diese Zeit und in diese Katastrophe eintauchen. Und das gelang mir am besten, indem ich mir rund um einzelne Namen, die in Inschriften auftauchten, Geschichten ausdachte. 

Auch wenn sich die Themen gewandelt haben - jenes Trachten, Vergangenheit heraufzubeschwören und fühlbar zu machen, in der man ihr konkrete Gesichter gibt, ist bist heute die Hauptmotivation meiner Berufswahl.


22. August

Gut und Böse

Eine anspruchsvolle, vielschichtige und nachdenkliche Reflexion zu diesem Thema ist für gewöhnlich eher von philosophischen Standardwerken oder Hochliteratur zu erwarten - nicht unbedingt von einem Hollywood-Blockbuster. Im aktuellen Batman-Film "The Dark Knight" findet diese m.E. doch statt - auf überraschend hohem Niveau.

Die Frage, die Heath Ledgers Joker - mal wahnsinniges Rumpelstilzchen, mal abgründiger Mephisto - stellt, nämlich, was unter der Tünche der Zivilisation lauert und wie rasch man diese von moralisch vermeintlich hochanständigen Menschen abkratzen kann, erscheint mir heutzutage mehr als relevant. Und ein Bösewicht, der sich - wie ein amerikanischer Kinokritiker äußerst - förmlich  "in die Seele frisst", ist hervorragende Inspiration für jedweden Autor, der gerade einen schillernden Antagonisten kreiert.

Wer sich also von üblichem Action-Gedöhns (inkl. Batmobil, umstürzende Lkws und explodierende Öltanks) nicht abschrecken lässt, sondern damit leben kann, dem kann ich nur empfehlen: Ab ins Kino!


17. August

Doping

Während bei den Olympischen Spielen ein Weltrekord nach dem anderen geknackt wird und manch kritische Kommentatoren zu hinterfragen wagen, ob sportliches Talent dafür ausreicht oder ob auf dem Siegertreppchen nicht berechtigterweise auch jene Ärzte stehen müssten, die diesem Talent erst auf die Sprünge halfen, frage ich mich, inwiefern es auch bei kreativen Leistungen so etwas wie Doping gibt bzw. ob dieses tatsächlich Grenzen überschreiten ließe.

Ich denke eher nicht. 
Zwar mag für die meisten Autoren oder Maler die Tasse Kaffee unumgänglich sein, ehe man sich vor Laptop oder Malpult setzt. Und sicher gibt es den ein oder anderen Künstler, der im Koksrausch vollbrachte, wovon ihn im nüchternen Zustände zu viele Hemmnisse (z.B. moralische Bedenken oder Selbstzweifel) abgehalten hätten.

Dennoch glaube ich, dass Kreativität sich nicht künstlich pushen lässt, sondern sie sich vielmehr nur dort entfaltet, wo man sich von ihr "beschenken" lässt und die je-seinigen Grenzen anerkennt. 

Sprich: Es ist ein Moment der Passivität, des Wartens, der Geduld vonnöten, das die großartige Idee erst hervorbringt, zugleich aber auch eine sehr große Sensibilität für den eigenen Rhythmus, die eigene Arbeitsweise, die diese Idee reifen lässt.  Mit Hetzen, Drängen, künstlichem Steigern, Wettkampf, Drill, Druck, Ehrgeiz, Vergleich und schließlich künstlichen Substanzen ist genau das aber nicht zu erreichen - im Gegenteil. 


12. August

Erholung

Mein Vorsatz, im August ein, zwei Gänge runterzufahren, lässt sich (noch) gut realisieren - umso besser hier im sonnigen Österreich, wo ich ein paar Tage verbringe. Ich lese gerade die "Gefährtin des Medicus" in einem Rutsch, und das ist eher vergnüglich als anstrengend.

Neue kreative Kräfte zu sammeln tut auch dringend Not: Wie es ausschaut werde ich ab September nämlich wieder sehr ausgelastet sein. Vor einer Weile habe ich hier ein Projekt angedeutet, das mal nicht in Frankreich und nicht im Mittelalter spielen wird. Nun scheint es sich zu realisieren - und damit auch mein Ziel erreicht, mir neben den Mittelalterromanen und den Kinderbüchern noch ein drittes Standbein als Autorin zu schaffen.

Bis alles in trockenen Tüchern ist, will ich an dieser Stelle nichts Näheres verraten - nur, dass neben dem Erholen auch ein bisschen Feiern angesagt ist.


9. August

Blutrünstig

Wenn ich anstrengende Romanarbeiten beendet habe, gibt es unterschiedliche Arten, wie ich mich selbst belohne, um den Kopf wieder frei zu bekommen. Eine beliebte Maßnahme ist ein Kinobesuch, der diesmal allerdings ausfällt, weil das aktuelle Programm wenig verlockend scheint. 

Möglichkeit Nr. 2 ist, DVDs meiner Lieblingsserien zu gucken. Da diese allerdings alle mit Medizin zu tun haben (Emergency Room, Dr. House, Grey's Anatomy) liegt mir das inhaltlich etwas zu nahe an meinem Provence-Roman.

Also ist die dritte Version der Entspannung angesagt: einen blutrünstigen Thriller zu lesen. Da trifft es sich doch gut, dass der neue Roman von Tess Gerritsen eben erschienen ist: "Leichenraub". Ein paar Morde und einige Stundenweiter , da man fingernägelkauend einfach nicht zu lesen aufhören kann, ist sicher wieder notwendiger Elan zurück, um selber kreativ zu werden ;-)


7. August

Abschiednehmen...

...steht in zweierlei Hinsicht an: Nicht nur, dass der Provence-Roman immer kompletter wird - ebenso vertiefe ich mich auch weiterhin in die lektorierte Fassung vom "Geständnis der Amme", was zugleich die letzte Möglichkeit ist, noch einmal in der Manuskript einzugreifen. Danach ist der "aktive Teil" der Autorenarbeit endgültig erledigt - es bleibt nur mehr, sich zurückzulehnen, auf das Erscheinen des Buches zu warten und darauf, wie es die Leserschaft annimmt.

Ein wenig fühlt sich das wie der Abschied von Menschen an, deren Leben man zwar weiterhin  aus der Ferne verfolgen, auf die man allerdings keinen Einfluss mehr nehmen kann. Eben noch hat man aus nächster Nähe mit ihnen gelebt und gelitten und gelacht - nun schiebt sich eine Art gläserne Wand vor.

Ein - zugegeben - nicht ganz leichter Prozess, zugleich aber auch einer, bei dem sich eine gewisse Routine einstellt. Es sind bereits so viele Protagonisten durch mein Leben "gewandert", sodass sich mit jedem, der geht, natürlich auch die Neugierde einstellt: Wer kommt als nächstes? 

Das bedingt zwar auch die furchtsame Frage: Kann ich das Level des letzten Buches halten? Wird es mir wieder gelingen, eine Geschichte, einen Protagonisten derart zu lieben? Zugleich aber liegt die Macht der Verheißung in der Luft: Auf neues Leben, neue Schicksale, neue Charaktere, in die man eintauchen und wühlen kann und bei denen man sich - anders als im wirklichen Leben, wo  die Chance auf neue Kontakte immer begrenzt ist - an einer nahezu unerschöpflichen Quelle bedienen kann: der Fantasie.


2. August

Geschafft

Etwas früher als geplant habe ich heute die Überarbeitung meines Provence-Romans abgeschlossen. Jetzt fehlt noch Kleinkram - z.B. die Zeittafel, das Personenregister und eine Liste mittelalterlicher Ärzte, die im Anhang erscheinen soll. Ferner wird das Manuskript einmal durch die Rechtschreibprüfung gejagt (ohne Zweifel der nervigste und langweiligste Arbeitsschritt) - und natürlich lese ich es noch einmal im "Fluss", so wie jeder gewöhnlicher Leser.

Dennoch: das Kind ist aus dem Gröbsten raus, oder - um beim Beispiel zu bleiben, aber zeitlich etwas früher einzusetzen - das Kind ist geboren und bedarf jetzt nur mehr der Abnabelung und eines gründlichen Bads, um den lieben Verwandten präsentiert zu werden. Die Mutter ist natürlich mächtig stolz, aber - nach den Presswehen - auch ziemlich erschöpft.

Im August - so die Planung - soll mindestens ein Gang zurückgeschalten werden. Wobei: Fangen mit der Geburt die durchwachten Nächte nicht erst an?!?!?


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