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Schachteltechnik Nach der sehr schönen Lesung vor einem interessiertem, aufgeschlossenem Publikum in Rabenstein an der Pielach sind auch die Tage bis zum nächsten offiziellen Termin in Österreich (nämlich am Mittwoch) mit diversen Tätigkeiten ausgefüllt. Der Kunst-Krimi ist mittlerweile fertig überarbeitet und abgegeben. Der zweite Teil der Saga ist auf stattliche 100.000 Wörter angewachsen und wird, da nun jede Szene fertig durchkomponiert ist, fürs erste etwas "rasten", bis es an die sprachliche Ausarbeitung geht. Zur Zeit im Mittelpunkt steht Saga Nr. 1, die nach einigen Monaten Pause und Feedback der Testleser noch einmal letzten Schliff erhält, ehe auch sie abgegeben wird. Manche mögen sich über diese "Schachteltechnik", mit der ich arbeite, etwas wundern: Während andere Autoren ein Romanprojekt von Anfang bis Ende durchziehen, ehe sie ein neues beginnen, unterteile ich die Arbeit zunehmen in mehrere Phasen (im Groben sind das: Recherche, grober Plot, Szenenausarbeitung, sprachliche Ausarbeitung, Überarbeitung, Testleserfeedback, Endschliff) und erlaube mir zwischendurch längere Pausen, in denen dann ein anderes Buch in entsprechender Phase drankommt. Auf den ersten Blick mag man meinen, dass diese Vorgehensweise der großen Zahl an Projekten geschuldet ist - und dass damit die Gefahr einhergeht, sich zu verzetteln. Ich jedoch finde, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Unabhängig von meiner jeweiligen "Gesamtauslastung" habe ich nämlich die Erfahrung gemacht, dass ich "betriebsblind" werde, wenn ich über Monate und Jahre nur an einem Projekt arbeite. Es zwischendurch immer wieder ruhen zu lassen und auf diese Weise Distanz zu gewinnen, hilft mir, stets einen neuen Blick darauf und neue Impulse für die Weiterarbeit zu gewinnen. Voraussetzung für diese Arbeitsweise sind freilich viel Routine, die strikte Einhaltung eines Zeitplans und die klare Trennung der Phasen. Sprich: Ein Projekt wird nicht einfach mal so zur Seite gelegt, weil die Lust daran fehlt oder ein anderes mehr reizt, sondern weil schon Wochen, ja Monate vor Zurücklegung einer Etappe diese genau umgrenzt und zeitlich terminiert wird.
News Unter Termine sind zwei neuerliche Lesungen hinzugekommen: Ich bin beim diesjährigen Literaturfest in Meißen zum Thema "Mittelalter-Renaissance-Fantasy" dabei und werde dort aus den Romanen "Das Geständnis der Amme" und (zu diesem Zeitpunkt dann quasi druckfrisch) "Die Gefährtin des Medicus" lesen. Eine andere Neuigkeit, die mich sehr freut: Nach der "Chronistin" im vergangenen Jahr wird demnächst (voraussichtlich im Juli) auch "Die Tochter des Ketzers" als Lizenzausgabe im Club Bertelsmann erscheinen.
Fantasie Neben üblichem Schreibpensum bin ich in diesen Tagen damit beschäftig, die Produktion neuer Filmtipps für Pro7 vorzubereiten. Einer der Filme, die ich zu diesem Zweck gesehen habe, ist "Das Streben nach Glück" - die Geschichte des Vertreters Chris Gardner, der sich und seinen Sohn allein durchbringen muss, nachdem seine Frau ihn verlassen hat. In seinem Beruf gescheitert, völlig pleite und vom Vermieter vor die Tür gesetzt, landet er mit seinem Kind auf der Straße. Nur mit viel Willenskraft, Intelligenz und Hoffnung gelingt es ihm, diesen absoluten Tiefpunkt seines Lebens zu überwinden. Als absolutes Muss für Cineasten würde ich diesen Film zwar nicht bezeichnen - dennoch gab es eine Szene, die mich sehr berührt hat: Als Vater und Sohn obdachlos werden und völlig verloren in einer U-Bahnstation hocken, nicht wissend, wie sie die Nacht überstehen sollen, schlägt der Vater seinem Sohn ein Spiel vor: Er solle sich vorstellen, dass sie Steinzeitmenschen wären, die auf der Fluch vor gefährlichen Tieren eine Höhle und eine Feuerstelle suchen müssten. Für den Sohn wird so aus einer vermeintlich hoffnungslosen Situation ein aufregendes Abenteuer. Ein wenig erinnert diese Sequenz an Roberto Benignis "Das Leben ist schön": Auch hier verhilft eine lebendige Fantasie dazu, einer grausamen Welt zwar nicht zu entfliehen, sie jedoch aus einem anderen Blickpunkt zu betrachten, der sie erträglicher macht. Dieses Vermögen - mit der Macht der Fantasie der Realität ein Schnippchen zu schlagen - macht den Menschen in meinen Augen zur "Krönung der Schöpfung". Nicht nur, dass ihn diese Form der "Daseins-Transzendierung" vom Tier unterscheidet. Obendrein macht Fantasie reicher als jedes Geld der Welt, berauschter als jeder Tropfen Alkohol, führt den Blick weiter und höher als jedes noch so ausgefeilte Fernrohr, gibt dem Leben mehr Facettenreichtum und Tiefe als jeder noch so tolle Abenteuertrip. Der ärmste Mensch der Welt ist für mich ein Mensch ohne Fantasie.
Lesungen Neben dem üblichen Tagespensum beschäftigt mich zur Zeit die Vorbereitung zweier Lesungen, die ich Ende April in Österreich halten werde (mehr dazu unter Termine). Wie immer freue ich mich auf den (im Vergleich zur einsamen Schreibarbeit doch seltenen) Kontakt mit dem Publikum, ergo: den potenziellen LeserInnen. Wichtig ist mir bei solchen Veranstaltungen, nicht nur aus meinen Büchern zu lesen, sondern auch Einblicke in meine Arbeitsweise zu geben, also in den langwierigen Entstehungsprozess eines Romans. (Ich glaube auch, dass man dem Publikum einen Gefallen tut, wenn zwischen den Romanszenen ein paar auflockernde Anekdoten aus dem Alltag eines Schreiberlings eingebaut werden ;-) Wer sich
also im besagten Zeitraum in der Nähe von Linz oder Rabenstein aufhält,
ist herzlich eingeladen!
Wartezeit Die letzten Tage standen ausnahmsweise mal nicht im Zeichen der Arbeit an Buchprojekten - stattdessen war etwas Entspannung mittels einiger Wellness-Einheiten angesagt. Das Autorenhirn auszuschalten ist allerdings gar nicht so einfach: Es ist selbst im Dampfbad oder Pool noch aktiv - was mich zu der Überzeugung veranlasst, dass die "Lebenszeitstatistik" der kreativen Zunft etwas anders aussieht als die des Durchschnittsbürgers. Laut besagter "Lebenszeitstatistik" ist es nämlich so, dass wir Menschen nur einen geringen Teil der Zeit für die vermeintlich existenziellen Dinge verwenden - ein Großteil selbiger aber schlichtweg beim Warten draufgeht: auf Bus oder Bahn, auf das Essen im Restaurant, auf das nächste Meeting oder den Arzttermin, auf den Installateur, der den verstopften Abguss reparieren wird oder in endlosen Schlangen vor Supermarkkasse oder Postamt. Diese Wartezeit wird oft als "Leerzeit" bezeichnet - was für Autoren aber so nicht stimmt. Wartezeit ist für mich Arbeitszeit in komprimiertester Form. Das Schreiben braucht das Denken - und das Gehirn wiederum wird zu diesem Zweck meist dann angeknipst, wenn nichts anderes seine Aufmerksamkeit absorbiert. Die meisten zündenden Ideen sind mir wohl am Kölner Hauptbahnhof gekommen, wenn der ICE nach Frankfurt wieder mal Verspätung hatte. Der
Nachteil: Derart trainiert beschränkt sich besagtes Autorenhirn nicht nur
auf Überbrückung von "Leerzeiten", sondern erweist sich gerne
mal ein Zappelphilipp: Es kann einfach nicht stillhalten.
Reise in die Vergangenheit Die gegenwärtige Überarbeitung meines "Kunst-Krimis" nimmt zwischendurch nahezu nostalgische Züge an. Ich habe hier bereits erwähnt, dass ich ihn schon vor einigen Jahren (damals gleich nach meinem Roman "Engelsblut") geschrieben habe - doch in Wahrheit führt er mich noch viel tiefer in meine schriftstellerische Vergangenheit zurück. Die Grundidee zu dem Buch ist nämlich noch älter, und vor der Version, die mir jetzt vorliegt, gab es bereits diverse (gescheiterte) Versuche, den Stoff in Angriff zu nehmen. Das führt dazu, dass in dem Manuskript vereinzelt Sätze und Szenen auftauchen, die fast zehn Jahre alt sind. Um ehrlich zu sein: Die meisten dieser (gottlob ziemlich überschaubaren) Spuren werden im Moment gnadenlos von mir ausradiert. Die Erzählstimme, auf die ich da stoße, hat wenig mit meiner jetzigen zu tun: Sie droht häufig in dem zu ertrinken, was ich "tote Sprache" nenne - also schöne, durchaus wortgewaltige Formulierungen, die jedoch hohl bleiben, weil sie den Blick auf die Welt und auf die Menschen eher verstellen, als klären und akzentuieren. Nicht nur meine Veränderung als Autorin wird mir auf diese Weise vor Augen geführt - unweigerlich lasse ich auch Stationen meines übrigen Lebens Revue passieren, um nachzusinnen, was seit dieser Zeit (damals stand ich kurz vor meinem Studienabschluss) alles geschehen ist und wie es mich und meine Arbeit geprägt hat. Das bestärkt mich in einer alten Überzeugung: Wer schreiben will, muss viel (er-)leben! Blogbeiträge
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